Autor: Heike Brandl

  • 3 Dinge, die mich als Kommunikationstrainerin manchmal nerven

    3 Dinge, die mich als Kommunikationstrainerin manchmal nerven

    Kommunikationstraining kann nur gelingen, wenn die Seminarteilnehmer:innen echte Kooperationsbereitschaft zeigen und selbst Verantwortung übernehmen.

    Ich liebe es, als Sprach- und Kommunikationstrainerin Seminare durchzuführen. Klar, ich bin nach einer Ganztages-Fortbildung einfach platt. Da brauche ich mir am Abend nichts mehr vorzunehmen. Doch das ist okay. Ich gebe meine ganze Energie in diese Veranstaltung und bekomme auch vieles zurück. Wertschätzende Rückmeldungen, kleine Aufmerksamkeiten, Erfahrungen und besonders freue ich mich über Geschichten. Dafür bin ich dankbar.

    Ich liebe es, Kommunikationstrainings detailliert vorzubereiten. Und ich weiß genau, es wird immer eine Menge Situationen geben, die unplanbar sind. Dafür werde ich eine spontane Lösung finden, eine geeignete Frage oder Antwort parat haben und eine passende didaktische Methode in petto haben. Flexibilität ist mein zweiter Vorname. 

    Doch wie in jedem Beruf gibt es ein paar Dinge, die mich ärgern, nerven oder aufregen. 

    1. Kurzfristige oder komplexe Auftragsanfragen ohne zu wissen wie das gehen soll

    Beispiel 1:

    „Können Sie in 3 Wochen, genauer gesagt, am 14.7. eine Ganztages-Fortbildung in unserer Turnhalle für 60 Personen halten?“

    Wie bitte?

    • Ich kann entweder einen Vortrag halten für 60 Personen (oder auch 600 Personen). Der dauert dann 90 Minuten. Oder 60 oder 30 Minuten, je nach Intention.
    • Oder ich kann eine Ganztages-Fortbildung (oder auch einen Workshop) halten. Das geht mit maximal 20 Personen.

    Denn ich biete Sprach- und Kommunikationstraining an. Training heißt: Die Teilnehmer:innen üben etwas. In diesem Fall probieren sie zum Beispiel aus, wie unterschiedliche Formulierungen wirken. Oder sie tauschen sich über verschiedene Optionen aus. Oder wir besprechen und üben gemeinsam eine für sie neue Vorgehensweise. Die Selbsterfahrung und die persönliche Weiterentwicklung stehen dabei im Vordergrund. Das geht methodisch nicht mit 60 Personen. 

    Und übrigens: So kurzfristig bin ich in der Regel nicht ganztags verfügbar. 

    Beispiel 2:

    „Können Sie in 6 Monaten auf unserer Tagung einen dreistündigen Workshop mit 300 Teilnehmer:innen halten? Ich war ja bereits bei Ihnen in einem Kurs, da kann ich einen Teil der Gruppe übernehmen, und wir könnten das ja bis dahin noch mit ein paar anderen Gruppenleiter:innen lernen.“

    Wie bitte? Siehe oben.

    Um eine Fortbildung gewinnbringend für die Teilnehmer:innen durchführen zu können braucht es fachliche, methodische und didaktische Kompetenzen. Das lässt sich nicht mal eben so nebenher lernen.

    Meine Fachkompetenz als Sprach- und Kommunikationstrainerin habe ich in über 270 Stunden Weiterbildung erworben, eine Facharbeit dazu geschrieben und in zwei Abschnitten der Weiterbildung jeweils ein Kolloquium absolviert. Dazu kommen noch unzählige Stunden Fachliteratur, eigener Seminarvorbereitung und -durchführung, Kongresse und Mastermind-Gruppen mit Kolleginnen.

    Davor und daneben war ich noch viele Jahre in der Weiterbildung von Erzieher:innen tätig. Ich habe also „ein paar“ Erfahrungen in Erwachsenenbildung, Gruppenprozessen, Methodik und Didaktik. Noch Fragen? Dann lies meinen Artikel über meinen Weg in die Selbständigkeit.

    Seminare sind vielfältig. Hier geht es zu meinen Angeboten:

    2. Schein-Interessenten für ein Kommunikationstraining

    Regelmäßig bekomme ich Anfragen von Führungskräften, die ein Interesse an einer Fortbildung oder einen Workshop für ihre Einrichtung oder ihren Betrieb äußern und mich um ein Angebot bitten. 

    Nach gründlicher Auftragsklärung schreibe ich also ein differenziertes und individuelles Angebot. Im Regelfall akzeptieren die Auftraggeber das Angebot oder bitten noch um inhaltliche oder formale Nachjustierung. Das sind meist Kleinigkeiten und wir kommen zum Auftrag. 

    Manchmal allerdings kommt auf mein Angebot hin keine Reaktion. Ich telefoniere oder schreibe eine Email, hake nach. Es gibt dann noch dies oder das intern zu klären, Finanzierungsfragen sind offen und die Menschen kommen nicht zu Potte. Ich telefoniere wieder oder schreibe eine zweite Email. Das ganze wiederholt sich. Schließlich heißt es dann, zur Zeit geht es aus personellen/finanziellen/xy  Gründen nicht. 

    Ich weiß dann: Da wird auch später nichts draus. Solche Schein-Interessenten gibt es auch für Coaching.

    Es ist in Ordnung, wenn du dir etwas Anderes vorstellst. Es ist auch in Ordnung, wenn du meinst, ich sei nicht die richtige für dein Problem. Nur: Halte mich bitte nicht unnötig hin! Ich kann mit Offenheit gut umgehen.

    3. Wenn Seminarteilnehmer:innen die Verantwortung abgeben wollen

    Manchmal höre ich von Seminarteilnehmer:innen nach der 3. Einheit oder wenn ich sie nach einem Workshop persönlich treffe:

    „Das klappt nicht, mit dem was du uns da beigebracht hast.“

    Kannst du etwas schon, wenn du es einmal gehört hast?

    Sprach- und Kommunikationstraining ist Training. Dazu habe ich oben bereits ein paar Sätze geschrieben. Das bedeutet auch: Durch die Teilnahme an einem Vortrag, einem Workshop, oder selbst einer mehrteiligen Kursreihe  wird es noch keinem gelingen, das Gehörte und Ausprobierte sofort, immer und in jeder Situation anzuwenden.

    Training bedeutet, bestimmte Fähigkeiten oder Fertigkeiten durch Üben sich anzueignen und zu verbessern. Das ist eine aktive Tätigkeit. Sie beinhaltet Regelmäßigkeit, Dauer und zunehmenden Schwierigkeitsgrad. Es braucht also Beharrlichkeit. Das ist einer meiner grundlegenden Werte.

    Du wirst kein Musikinstrument nach der 5. Unterrichtsstunde beherrschen. Vermutlich wirst du die erste oder zweite kleine Melodie spielen können. Du wirst auch keinen Halbmarathon ohne Training laufen können. Okay, wenn du schon konditionell fit bist, wird es dir wahrscheinlich leichter gelingen. 

    Du wirst auch neue Fähigkeiten und Fertigkeiten in Bezug auf deine Kommunikation nur mit Ausdauer und Training lernen. Die Verantwortung dafür liegt bei dir. Ich unterstütze dich jedoch gerne.

    Gibt es die Gelegenheit, nochmal darüber zu sprechen, nutze ich diese. Ich frage: „Was genau hast du gesagt?“ und wir prüfen gemeinsam, ob das funktionieren konnte und welche weiteren Faktoren die Situation noch negativ beeinflusst hatten. Und im nächsten Schritt überlegen wir, welche alternativen Formulierungen geeigneter wären und wie die Rahmenbedingungen für das Gelingen der Situation künftig anders gestaltet werden können. 

    Auch das braucht Zeit. Nimm dir diese Zeit. Und sei geduldig mit dir. 

    Heike Brandl bei einem Vortrag
    Nach einem Vortrag wirst du noch nicht alles Gehörte sofort und immer anwenden können. Du brauchst Zeit und Übung.

    Fazit: Als Trainerin liebe ich diese Herausforderungen

    Das ist das Gute am Bloggen. Indem ich schreibe, reflektiere ich. Und ich habe gleichzeitig Ideen für die weitere Herangehensweise. 

    Bei meinen 3 Punkten ergeben sich jeweils immer wieder neue Kommunikations-Gelegenheiten. Die werde ich nutzen. Ich sehe sie als Trainingsplatz für meine eigene Kommunikation. Ich nehme wahr, wo du als (potentielle) Kundin deine Themen hast. Und wenn du bereit bist, werde ich sie dir aufzeigen. 

    Bist du bereit?

  • Mein Kind hört nicht auf mich – 5 Tipps, wie das garantiert so bleibt

    Mein Kind hört nicht auf mich – 5 Tipps, wie das garantiert so bleibt

    Dein Kind hört nicht auf dich? Am Beispiel Aufräumen gebe ich dir 5 Tipps, wie das garantiert so bleibt.

    Aufräumen ist für Eltern und Kinder immer ein großes Vergnügen und endet daher meist damit, dass alle rundum glücklich und zufrieden sind. Oder etwa nicht? Stell dir vor, du willst dein Kind (ca. 4 – 10 Jahre) zum Aufräumen seines Zimmers bewegen. Hier gebe ich dir 5 Tipps, wie aus dem Aufräumen garantiert nichts wird und dein Kind auch nicht auf dich hören wird.

    1. Geh völlig planlos in den Dialog!

    Wozu nachdenken? Am besten platzt du einfach mitten ins Spiel deines Kindes und meckerst mal drauflos:

    „Wie sieht´s denn hier schon wieder aus? Ich hab dir doch gesagt, du sollst aufräumen. Jede Woche das gleiche Chaos. Würdest du endlich mal anfangen? Und wehe, wenn ich wiederkomme, dann ist hier aber Ordnung! Sonst kannst du das Fernsehen/Computerspielen/Training (wahlweise) vergessen!“

    2. Ruf quer durch die Wohnung!

    Am sichersten erreichst du dein Kind, wenn du quer durch die Wohnung schreist, was es tun soll. Dein Kind hat ja schließlich Ohren am Kopf. Es braucht dich auch nicht zu interessieren, ob es gerade spielt, liest, Musik hört oder Computer spielt. Konzentration wird überbewertet. 

    3. Geh davon aus, dass dein Kind hellsehen kann!

    Ist doch klar, dass dein Kind schon weiß, dass du morgen sauber machen willst und bei der Freundin/ Mutter/ Schwiegermutter/ deinem neuen Freund einen guten Eindruck hinterlassen willst. Und sowieso ist es selbstverständlich, dass dein Kind haargenau die gleiche Vorstellung von Ordnung hat wie du! Überhaupt hätte sich dein Kind auch denken können, dass es gar nicht erst zu spielen, lesen … hätte anfangen brauchen. Sondern wissen, dass du gleich auftauchen würdest und es bis dahin am besten schon aufgeräumt hätte. Und wie lange „wenn ich wiederkomme“ ist, ist ja offensichtlich. 

    4. Sprich möglichst vage, abwertend und ohne Punkt und Komma!

    Ich wiederhole hier nochmal das Beispiel von oben: 

    „Wie siehts denn hier schon wieder aus? Ich hab dir doch gesagt, du sollst aufräumen. Jede Woche das gleiche Chaos. Würdest du endlich mal anfangen? Und wehe, wenn ich wiederkomme, dann ist hier aber Ordnung. Sonst kannst du das Fernsehen/Computerspielen/Training (wahlweise) vergessen!“

    Das ist ein perfektes Beispiel. Daran kannst du dich wirklich orientieren. Optional empfehle ich dir auch noch komplizierte Satzstrukturen und (noch mehr) Füllwörter einzubauen. Und lass dein Kind auf keinen Fall zu Wort kommen! Ach so, laut und drohend kommt auch immer gut. Dein Kind hört immer noch nicht? Dann folgt nun Tipp Nummer 5.

    5. Brich den Dialog einfach ab und lass dein Kind stehen!

    Äh – Dialog? Ach so, war gar keiner? Wird auch überbewertet. Findest du ja auch immer klasse, wenn dich dein Chef so abkanzelt. An der Stelle hilft es außerdem, noch mehr Druck zu machen:

    „Los jetzt, komm mal endlich in die Pötte, dalli, dalli!“

    Alternativ kannst du dein Kind auch unterbrechen und zurück meckern:

    „Das interessiert mich nicht! Jetzt wird aufgeräumt!“

    Zwinkersmiley auf Konfetti
    Ironie Ende … Jetzt kommen die echten Tipps!

    Und wie kann es doch funktionieren mit der Kommunikation mit deinem Kind?

    Orientiere dich an den 5 Schritten des LINGVA ETERNA Kommunikationsmodells!

    Schritt 1: Intention

    Was ist deine Absicht? Wenn du also ins Zimmer deines Kindes kommst und dort Handlungsbedarf siehst, gehe einfach nochmal raus! Atme! Überlege dir, wie ihr im Rahmen der verfügbaren Zeit zu einer für alle verträglichen Lösung kommen könnt. Und überlege dir, wann und wie du mit deinem Kind darüber sprechen kannst, so dass das Gespräch auch zum Ziel führt. Sprich: Fünf Minuten vor dem Weggehen/Abendessen/… lässt du es am besten sein und schonst eure Nerven. 

    Schritt 2: Ansprache

    Sprich dein Kind freundlich aus der Nähe bzw. auf Augenhöhe mit dem Namen an, um seine Aufmerksamkeit zu erreichen. Stelle Blickkontakt her und warte, bis es wirklich bereit ist, dir zuzuhören. Mit den 3A – Ansprechen – Anschauen – Atmen – kannst du in drei Schritten mehr Aufmerksamkeit erreichen.

    Heike Brandl mit Buchstabe A für Ansprechen, Anschauen, Atmen

    Schritt 3: Rahmen

    Benenne sachlich und freundlich, was du siehst. Nenne kurz Gründe, die nachvollziehbar sind. Definiere Ordnung (dazu mehr im PS ganz unten).

    Beispiel:
    „Niko, in deinem Zimmer liegt ganz viel saubere und schmutzige Wäsche auf dem Boden. Deine Bücher und Zeitschriften sind durcheinander und überall verteilt. Und die Naschtüten haben eine Bröselei hinterlassen. Heute Abend will ich noch die Wäsche waschen und morgen saubermachen. Mir ist es wichtig, dass du mit den Büchern achtsam umgehst.“

    Schritt 4: Diskurs

    • Sage klar und wertschätzend, was dein Kind (jetzt/nach dem Abendessen/…) tun soll.
    • Gebrauche dafür einen kurzen Aufforderungssatz.
    • Je nach Alter braucht es eine Zerlegung in Teilschritte, Begleitung und Unterstützung.
    • Kläre, ob dein Kind Hilfe braucht/will.
    • Schaffe eventuell einen Anreiz oder mach den Nutzen deutlich.

    Ein Diskurs ist ein Dialog, d.h. gib deinem Kind Gelegenheit, in den Austausch zu gehen. Nimm seine Antworten ernst und findet eine gemeinsame Lösung.

    Beispiel:
    „Ich sehe hier viele Aufgaben. Welche siehst du?“ – (angenommen, dein Kind sagt „Bücher aufräumen“, dann bestätige) „Genau, bitte stell alle Bücher zurück ins Regal!“  und so kannst du Schritt für Schritt formulieren: „Hm, was noch?“ – „Die Comics.“ – „Ja, leg die Zeitschriften auf einen Stapel in diesen Korb!“ usw.

    oder:

    „Komm, lass uns gemeinsam die Wäsche sortieren. Willst du die saubere in den Schrank räumen oder lieber die schmutzige in den Wäschekorb stecken?“

    Schritt 5: Schluss

    Bring euer Gespräch zu einem runden Abschluss. Verzichte dabei auf pauschales Lob. Benenne stattdessen, was das Kind geschafft hat (oder ihr gemeinsam), wie gut es sortieren kann, oder wie praktisch es nun für dich zum Staubsaugen ist. Schaut euch nochmal bewusst das aufgeräumte Zimmer an. Je nach Alter: Klatscht euch ab oder drückt euch mal. 

    Mockup für ein Freebie zum Thema Loben

    Noch mehr Wissen, Tipps und Impulse zur Reflexion findest du in meinem PDF Wertschätzen statt loben leicht gemacht für Eltern und pädagogische Fachkräfte. Bei Anmeldung zu meinem Newsletter „Sprachnachrichten“ kannst du es dir für 0€ herunterladen.


    PS: „Definiere Ordnung“ ist ein Thema, das es außerhalb der konkreten Situation zu besprechen gilt. Je nach Alter und Chaos-Potential des Kindes helfen euch System, Beschriftung, Fotos und dir eine riesige Portion Geduld. Je näher die Pubertät rückt, desto mehr Selbstverantwortung sollte das Kind bekommen. Das gilt es dann für dich als Elternteil auch auszuhalten. Prozess und Übung für alle. Glaub mir, ich weiß wovon ich schreibe. Meine Kids waren auch phasenweise Genies, die das Chaos beherrschten …

  • Friedliche Sprache in der Pädagogik

    Friedliche Sprache in der Pädagogik

    Im Februar 2019 schrieb ich diesen Artikel für meine frühere Website. Wer konnte ahnen, dass 2022 in Europa ein Krieg stattfindet? Umso wichtiger, dass du und ich, als Eltern, als Erzieher:in, als Lehrkraft eine friedliche Sprache in der Pädagogik in den Blick nehmen. So habe ich den Artikel nun leicht überarbeitet.

    Wie ich kriegerische Sprache in Kita oder Schule wahrnehme

    Kennst du solche Sätze?

    • Halts Maul, du Idiot!“
    • Schlagt das Buch auf Seite 43 auf!“
    • Du kriegst den Roller später.“
    • Oh, das hat ja mal wieder nicht hingehauen!“

    Nun, wenn du meinen Artikel Kriegerische versus friedliche Sprache bereits gelesen hast, weißt du jetzt schon ein Stück weit worauf ich hinauswill. Diesmal werde ich das Thema aus pädagogischer Sicht beleuchten. Ich habe dafür Beispiele aus der Familie gewählt sowie aus Kindertagesstätte und Schule – es geht also um Kinder verschiedener Altersstufen. Du wirst erfahren, wie du auf vier Ebenen friedliche Sprache in die Pädagogik bringen kannst.

    Oftmals ist der Umgangston zwischen Schülern und Schülerinnen ruppig und von Kraft- oder Gewaltausdrücken geprägt. Wahrscheinlich ist dir das genauso unangenehm wie mir. Durch diese Ausdrücke schwingt etwas in der Luft, das die Atmosphäre regelrecht vergiftet. Jugendliche sind sich meist nicht bewusst, wie oft sie solche Wörter sagen und dass sie Menschen verletzen können.

    Auch in der Kita beginnt das manchmal bereits. Meist stört die Erzieher:innen eher das ständige Spiel von kämpfenden Rittern, Piraten oder Aliens. Vielleicht hat das auch zur Faschingszeit eine Hochkonjunktur. Doch natürlich werden dabei ganzjährig auch Szenen aus Fernsehsendungen oder Computerspielen nachgeahmt:

    Ich schieß dir in den Mund!“

    Kind (5 Jahre) in der Kita

    hörte ich neulich. Doch es führt erheblich weiter: Welchen Anlass hat ein 4jähriger, mitten in einem Würfelspiel zu sagen „Oh, ich krieg einen Schlag auf den Kopf.“ – nur damit die anderen lachen?

    Gewaltsprache ist in unserer Gesellschaft so verbreitet, dass wir sie oft gar nicht mehr wahrnehmen – und damit gesellschaftsfähig machen.
    Heike Brandl

    Hier will ich ansetzen.

    Kanone auf der Festung Suomenlinna Helsinki
    2018 Helsinki – Festung Suomenlinna – Ich denke über Krieg und Frieden nach

    Ebene 1 – Wahrnehmen

    Mach dir deinen eigenen kriegerischem Wortschatz bewusst. Das erfordert eine hohe Aufmerksamkeit. Ich gebe dir einige Beispiele:

    • Hier sieht es aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte!“
    • Ich habe einen Vorschlag für dich!“
    • „Du kriegst einen neuen Tischnachbarn.“
    • „Ich nehme diese Aufgabe in Angriff.“

    Manche Formulierungen kommen tatsächlich aus den Kriegsjahren vergangener Zeiten. Wir haben jetzt seit über 70 Jahren Frieden in Deutschland. Wir können, dürfen und sollten diese Ausdrücke jetzt endlich hinter uns lassen. Es ist längst an der Zeit. Jeder Vorschlag ist erstmal ein Schlag.

    Zum Thema „schlagen“ und „kriegen“ habe ich im Artikel Kriegerische versus friedliche Sprache bereits ausführlich den Hintergrund erklärt. Ich weiß, dass es eine echte Herausforderung ist, die gewohnten Wörter hinter sich zu lassen. Doch – wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg! Gib dir Zeit!

    zwei Kinder streiten
    Die Kraft der Fäuste oder die Kraft der Argumente?

    Ebene 2 – Vorbild sein

    Wähle dir eine Situation aus dem privaten oder beruflichen Alltag, in der du ein Wort oder eine Redewendung aus dem kriegerischen Bereich gebrauchst. Reduziere den Gebrauch! Finde dafür eine neue Formulierung und integriere diese für vier Wochen bewusst in deine persönliche Sprache. Beobachte, welche Wirkung diese Änderung deines gewohnten Sprachgebrauchs auf dich und dein Umfeld hat. Wandle die oben genannten Sätze beispielsweise so:

    • Öffnet bitte euer Buch auf Seite 43!“
    • Du bekommst den Roller nach Tim.“
    • Oh, beim nächsten Mal wird es dir gelingen!“
    • Ich habe eine Anregung/eine Idee … für dich.“
    • Ich beginne mit dieser Aufgabe.“
    • Ihr habt ein großes Chaos!“
    • Du bekommst einen neuen Tischnachbarn.“

    Du hast als Eltern, Erzieher:in oder Lehrer:in einen doppelten Erziehungsauftrag: Du erziehst die Kinder und du erziehst auch dich selbst dazu, ein gutes Vorbild zu sein. Dies gilt nicht nur für die dir anvertrauten Kinder. Du bist auch ein Modell für andere Eltern, Kolleg:innen oder Praktikant:innen. Entsprechend wird es auch ein neues Klima in deiner Familie, deiner Gruppe oder Klasse geben.

    Wenn Kinder friedlich miteinander spielen wollen, anstatt zu kämpfen oder sich zu schlagen, werden sie auch weniger Panzer und Pistolen bauen und malen.
    Heike Brandl

    Menschen können mit einer bewussten Sprache dazu beitragen, hinter das Belastende der Kriegsvergangenheit friedvoll einen Schlussstrich zu ziehen. Kinder lernen mit einer friedvollen und ruhigen Sprache ihrer Eltern und Pädagog:innen Konflikte auf sachliche Weise zu lösen. Wer eine klare, wertschätzende Sprache spricht, braucht keinen Druck- und Gewaltwortschatz, um seine Ziele zu erreichen. Wer klar spricht, führt mit der Kraft der Argumente und mit seiner persönlichen Ausstrahlung.

    Ebene 3 – Sensibilisieren

    Bei Schüler:innen ist die Herangehensweise selbstverständlich sehr altersabhängig. Bei den Jüngeren ist es hilfreich, mit ihnen gemeinsam sprachliche Alternativen zu finden. Eine humorvolle Herangehensweise ist dabei sinnvoll: „Oh, was war denn das für ein Wort? Du nimmst da etwas in den Mund, das ich nicht mal mit bloßen Händen anfassen würde.“ Statt „Scheiße“ geht z.B. „Oh, nein!“ oder „Das ist ja doof!“

    Mach die Schüler:innen darauf aufmerksam – freundlich und wertschätzend – dass dir bestimmte Ausdrücke in Ohren und im Herzen wehtun. Etwas Theatralik unterstützt die Einsicht durchaus. Thematisiere deine Sichtweise: Sag ihnen, dass dir Wertschätzung und gegenseitige Achtung wichtig sind. Frage die Schüler:innen, wie unterschiedliche Sätze auf sie wirken. „Halts Maul du Idiot!“ bzw. „Bitte sei leise! Ich will mich konzentrieren.“

    Du kannst den Schüler:innen die Vorteile friedlicher und gelassener Reaktionen in Konfliktsituationen deutlich machen: Der oder die andere ist nicht beleidigt, Streit wird ausbleiben und deine Ohren freuen sich! Du selbst bist den Schüler:innen Vorbild. Wenn du erst einmal dafür sensibilisiert bist, wird es dir leicht gelingen.

    Übrigens: Das Wort „Pädagoge“ stammt aus dem Griechischen und leitet sich von „Führen“ ab. Führe deine Schüler:innen und Kita-Kinder mit einer klaren, wertschätzenden und wirkungsvollen Sprache.

    Heike Brandl Am Nordkapp: Reliefs
    2018 am Nordkapp: Ich stehe vor den beeindruckenden Reliefs „Kinder der Welt“ von Eva Rybakken

    Das Relief symbolisiert für mich den Wunsch der Kinder nach Frieden auf der Welt. Ich war tief berührt.

    Ebene 4 – „Frieden“ einführen

    Achte in den nächsten Wochen auf das Wort „Frieden“ in deinem Sprachgebrauch. Wann und in welchem Kontext sagst du es? Finde einige Sätze, in denen du die Wörter „Frieden“, „friedlich“ und „friedvoll“ oder andere Redewendungen mit Frieden in deiner Sprache bereits gebrauchst.

    • Seid friedlich!“
    • Ich liebe den Frieden.“
    • Wir wollen in Frieden und Freundschaft miteinander leben.“
    • Wir wollen Frieden schließen.“
    • „Ich wünsche mir, dass ihr friedlich zusammenspielt. Ich will in Frieden leben.“ (wenn Kinder kämpfen oder schießen spielen)
    • Bist du zufrieden mit deinem Ergebnis? Ich bin damit zufrieden!“
    zwei Kinder reichen sich die Hände, schließen Frieden
    „Lass uns Frieden schließen.“

    Achte darauf, dass du das Wort „Frieden“ sinnkonform verwendest. Oftmals kennen Kinder nur die Redewendungen „Friede – Freude – Eierkuchen“. Oder sie hören die in gereiztem Ton gesprochene Ermahnung „Jetzt gebt endlich Frieden!“ So können die Kinder nichts damit anfangen. Wenn das Wort für die Kinder noch neu ist, haben sie kein Bild davon, wie dieses „friedlich“ aussehen kann. Daher ist es notwendig, dass du „friedliche“ Situationen als solche benennst:

    • Heute habt ihr friedlich in der Gruppe zusammengearbeitet.“
    • Ich wünsche euch eine friedliche und fröhliche Pause!“

    Eine Kollegin benutzt diesen Satz ganz regelmäßig. Nach der Pause fragt sie wieder einzelne Schüler:innen: „Hattest du eine friedliche und fröhliche Pause?“ – Die Kinder antworten: „Ja, ich hatte eine friedliche und fröhliche Pause.“ So gelangt das Wort in den Wortschatz der Kinder. Und die Atmosphäre in der Klasse wird eine friedliche sein.

    Eine Ernte gibt es nur wenn du säst und die Saat hegst und pflegst!
    Heike Brandl

    Friedliche Sprache in der Pädagogik sollte selbstverständlich sein. Sei Vorbild und bringe die Wörter und Redewendungen in den Unterricht, die Familie und die Kita, die du hören willst. Sprache steckt an! Und sei geduldig, die Saat auf dem Acker braucht auch einige Monate.

    Das gilt übrigens auch für andere Wörter. Brauchst du eine Inspiration? Hier gibt es 50 und mehr Wohlfühlwörter, die deine Sprache bereichern.

    Ich wünsche dir gutes Gelingen!

    Einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema „Mit begabten Kindern über den Krieg sprechen“ hat meine Blogger-Kollegin Dina Mazzotti geschrieben. Im Sinne von Inklusion: Egal wie begabt deine Kinder sind – die Tipps sind für alle hilfreich.


    Ist das ein Thema für deine Kita, deine Schule? Die Reflexion im Team und eine Neuorientierung durch Wertschätzung und friedliche Sprache kann mit einem Seminar beginnen.

  • Wie mir der Wortschatz durch die Krise hilft

    Wie mir der Wortschatz durch die Krise hilft

    Im März 2021 schrieb ich „Ein Jahr Corona – wie mir der Wortschatz durch die Krise hilft“. Nun sind es schon zwei Jahre und beim „Umzug“ früherer Artikel auf meine neue Website schaue ich, was noch passt, was ich mitnehmen will. Dieser Artikel ist immer noch bedeutsam. Wo ich am 22.03.22 etwas ergänzt habe, steht nun „Update“.

    Wer hätte gedacht, welche neuen Wörter wir nach einem Jahr Corona im Schlaf erklären könnten: Hygienekonzept und Maskendeals, RKI und Inzidenz, Vektor-Impfstoff und Novemberhilfen, Homeschooling und Lockdown. Und wer bitte hatte sich vor Corona für Virologen und die Ethik-Kommission interessiert?

    Wie haben Corona und der Lockdown 2020 meine Arbeit beeinflusst?

    Seminare fielen aus, wurden verschoben und fanden letztlich doch digital statt. Gerade für Erzieher:innen und Lehrer:innen ist jedoch die Hemmschwelle nach wie vor riesig. Technik-Angst, Angst vor dem Einblick in den persönlichen Raum und das Schreck-Gespenst Datenschutz sind ein Dreigespann, welches mir oft das Arbeiten schwer macht.

    Update 2022: Die Technik-Angst ging zurück, viele wurden sicherer im Umgang mit der Online-Welt und Fortbildungen oder Besprechungen laufen heute auch bei Pädagog:innen ganz selbstverständlich online.

    Ich begann, mich mit dem Online-Business vertraut zu machen. Ich habe so vieles gelernt, wie schon lange nicht mehr. Daher bezeichnete ich in meinem Jahresrückblick das Jahr 2020 auch als das Jahr des Lernens. 

    Als Heilpädagogin fielen mir nur wenige Stunden ganz aus. Kurze Zeit experimentierten wir mit digitalen Angeboten für die Familien. Dann kam wieder „grünes Licht“ für die Kids mit erhöhtem Förderbedarf. Das war auch gut so. Im Nachhinein betrachtet tat diesen Kindern die Zeit in der Notbetreuung gut. Sie profitierten von den kleineren Gruppen, dem geringeren Lärmpegel und der erhöhten Aufmerksamkeit der Erzieher:innen. Gerade im sprachlichen Bereich konnte ich große Fortschritte beobachten. 

    Mein ganz persönlicher Corona-Moment

    Ich saß am Karsamstag spät abends vor dem Fernseher und schaute einen Osternacht-Gottesdienst. Das fand ich schon völlig schräg. TV-Gottesdienste, das war für mich immer so was für Omis und Opis, die eben nicht mehr zur Kirche laufen können. Und jetzt? Jetzt war es Normalität für alle. Ostern fiel nicht aus. Doch die Gottesdienste in der Kirche, die Gemeinschaft, das Singen, das fiel aus.

    Narzissen im Garten
    Osterglocken – der Frühling kommt auch in Krisen-Zeiten

    So saß ich in den folgenden Wochen immer wieder sonntags vor dem Bildschirm und schaute die YouTube-Gottesdienste unserer Kirchengemeinde. Das war zwar nicht dasselbe wie vor Ort, doch immerhin. Hier entwickelte sich vieles: Modernes, Kreatives und Digitales. Mein Part dabei: Wir entwickelten im Kirchenvorstand unserer Gemeinde ein Hygienekonzept und leisteten Ordnerdienste bei den ab Mai wieder stattfindenden Präsenz-Gottesdiensten. 

    Wie mich und meine Familie Corona beeinflusste

    Meine Arbeit als Heilpädagogin konnte ich weitgehend ausüben, mein Mann ebenso. Als Ingenieur in einem großen Betrieb war er zwar wochenlang im Homeoffice und hatte keine Dienstreisen mehr, doch waren gemeinsame Mahlzeiten unter der Woche auch mal schön. Unsere finanzielle Lage ist sicher und dafür bin ich dankbar.

    Ausgefallene Konzerte und eine verschobene Hochzeit in der Verwandtschaft waren die kleinen Wermutstropfen. Die eingeschränkten Reisemöglichkeiten nutzten wir für eine wunderschöne Radtour durch Süddeutschland. Damit konnten wir gut leben. Weniger Termine am Abend waren über lange Zeit einfach nur erholsam. Langsam aber sicher vermissen wir jedoch die Besuche und Gespräche mit Freunden, das Ausgehen, die Familienfeiern.

    Meine Kinder sind glücklicherweise bereits erwachsen, leben auswärts und kommen mit den Einschränkungen recht gut zurecht. Mein Sohn als Leistungssportler war natürlich von ausgefallenen Rennen bis hin zu Olympia massiv betroffen. Doch er ist noch jung und wird noch viele Gelegenheiten haben, seine Leistungen unter Beweis zu stellen. Er stellt stets die Gesundheit, gerade auch die anderer, in den Vordergrund.

    Meine Tochter studiert Jura und es liegt ihr, allein zu lernen und Online-Vorlesungen zu hören. In ihrer Community läuft alles online, vom Treffen für Spieleabende bis hin zu einer Vereinsgründung. Zum Glück hat sie einen Hund, der ihr Bewegung und frische Luft verschafft. 

    Update 2022: Olympia fand 2021 statt, Maximilian konnte teilnehmen – Zuschauer:innen waren nicht erlaubt. So sahen auch wir am Bildschirm zu. Dienstreisen gibt es weiterhin fast gar nicht. Mein Mann schätzt die Zeitersparnis und bedauert gleichzeitig, dass es dadurch keine Möglichkeiten zum informellen Austausch gibt.

    Wie ich sprachlich mit Corona umgegangen bin

    Zunächst stellte ich die Beschallung mit Dauer-Talkrunden im Fernsehen oder mit Corona-Leugnern auf Facebook ab. Krimis und Psychothriller wollte ich ebenso wenig mehr anschauen. Good News bitte, war meine Devise. Natürlich sehe und höre ich dennoch, dass viele unter den Bedingungen oder Folgen von Corona litten und immer noch leiden. Und es geht auch nicht darum, das nicht wahrhaben zu wollen. Doch ich brauchte und brauche für mich einfach eine Ausgewogenheit.

    Ganz konkret: Ende 2020 habe ich Perspective Daily entdeckt und abonniert. Das bietet mir täglich eine konstruktive Nachricht, die Lösungen oder Ideen zeigt, die für unsere Welt von heute von Bedeutung sein können.

    Im April 2020 schrieb ich einen Blog-Artikel dazu: Wie du den Effekt der sich selbst erfüllenden Prophezeiung für dich nutzen kannst. Es geht darum, durch den eigenen Wortschatz, den du täglich gebrauchst, Einfluss auf dein Denken und Handeln zu nehmen. Ganz bewusst Wörter aufnehmen in den alltäglichen Sprachgebrauch, die dich in positive Gedanken führen:

    • Wörter, die uns guttun, die stärken und Mut machen
    • Wörter, die den Blick auf das Schöne lenken
    • Wörter, die den Blick auf das lenken, was wir jetzt vermissen und nach dem wir uns sehnen

    Da geschieht etwas im Gehirn: Es entstehen Bilder. Und diese Bilder von Schönem und von dem, was uns gut tut, wirken. Ich habe das für mich ganz intensiv umgesetzt. Zu meinen viel gesagten und gedachten Wörtern gehörten im letzten Jahr: fröhlich, gesund, Mut, Glaube, Spielräume, kuschelig und viele Adjektive, um etwas in der Natur konkret zu beschreiben. 

    Update 2022: Nun kam noch der Krieg in der Ukraine hinzu. Auch hier gilt für mich eine Begrenzung von Nachrichten und Bildern. Natürlich berühren und schockieren mich die Informationen. Und gleichzeitig ist es wichtig psychisch gesund zu bleiben, um hier bei uns, das zu tun, was ich tun kann – für die Menschen, mit denen ich arbeite und für die Menschen, die noch zu uns kommen werden.

    Das ist mein Nutzen

    Für mich ist es Gewohnheit, alles was mir begegnet, alle Situationen und Herausforderungen, sprachlich zu überdenken.

    • Zu prüfen, welche gedanklichen Blockaden verhindern gerade einen konstruktiven Umgang?
    • Zu schauen, wie kann ich meine Kommunikation zu etwas Bestimmten gestalten?
    • Zu spüren, welche Wörter tun mir jetzt und für die kommende Zeit gut?

    Nach einem Jahr Corona kann ich sagen: Ich habe es bislang gut überstanden. Und mit Zuversicht, Mut und Gelassenheit wird es mir auch weiterhin gelingen, das jeweils Beste aus der Situation zu machen. 

    Update 2022: Nach zwei Jahren Corona bin ich dankbar, dass wir in der Familie bisher alle gesund blieben und auch seelisch bislang gut damit klar kamen. Sprache wirkt. Immer.

    Das ist mein Angebot an dich

    Im individuellen KommunikationsCoaching prüfe, schaue und spüre ich mit dir gemeinsam dahin, wie du mit Corona oder auch einer anderen Herausforderung in deinem Leben künftig umgehen kannst. Ist das was für dich?

  • Besprechungen klar und wertschätzend führen

    Besprechungen klar und wertschätzend führen

    Erlebst auch du Besprechungen, die zu lange, wenig zielorientiert und für die Teilnehmer:innen nicht motivierend sind? Gerade in Besprechungen wirkt die Sprache der Führungskraft entscheidend auf den zeitlichen Umfang, das inhaltliche Ergebnis sowie die Zufriedenheit der Teilnehmer:innen. Wie du Besprechungen klar und wertschätzend führen kannst, erfährst du in diesem Artikel.

    Souverän sein. Präsent sein. Deutlich sein.

    Das sind wichtige Eigenschaften einer Führungskraft. Erworben und zum Ausdruck gebracht werden sie vor allem durch die Art, wie die Führungskraft kommuniziert: ob ihre Worte kraftvoll und zentriert sind oder vage und missverständlich. Besprechungen heißen je nach Branche und Umfeld auch anders: Da gibt es Konferenzen, Meetings, Sitzungen. Auch ein Gespräch zwischen Tür und Angel kann eine Besprechung sein. Denn Besprechung meint „über etwas beratend reden.“ Beispielhaft schaue ich mir mit dir eine Konferenz von Lehrkräften an.

    Konferenzen finden inzwischen häufig als Online-Meeting statt. Abhängig davon, wieviel Menschen an der Konferenz teilnehmen, erscheinen die Bilder relativ klein. Die Mimik und Gestik der Teilnehmenden bleibt dabei oftmals vage und schwer zu interpretieren, der Blickkontakt ist nicht personenbezogen. Auch der Smalltalk, privater und informeller beruflicher Austausch vor und nach der Konferenz sowie in der Pause fehlen.

    Als Führungskraft in einer Konferenz führst du Lehrkräfte. Dabei macht es einen Unterschied in den Beziehungen zueinander, ob du etwas sagst oder nicht sagst, welche Wörter du benutzt, ob dein Satzbau deiner Absicht entspricht. Es gibt dabei kein richtig oder falsch, jedoch immer eine Wirkung.

    Souverän sein. Präsent sein. Deutlich sein. Das wird dir gelingen, wenn du dir bewusst machst, was es heißt, führungskräftig zu kommunizieren: Mitarbeiter:innen motivieren, klare Aufträge geben, ergebnisorientiert besprechen. Daher lohnt es sich für dich, den eigenen Umgang mit Sprache zu überdenken.

    Wie du in Besprechungen Beziehungen pflegst

    Sprache hat verschiedene Funktionen, beispielsweise dient sie der Übertragung von Informationen. Sie ist jedoch auch beziehungsstiftend. Wie kannst du nun in einer Online-Konferenz ohne direkten Blickkontakt Beziehungen pflegen? Das wird dir mit Wertschätzung gelingen.

    Ein wesentlicher Schlüssel dazu sind die 3A: Ansprechen mit dem Namen, Anschauen und Atmen. Der eigene Name ist das, was jeder Mensch am liebsten hört. Sprich denjenigen, an den du eine Frage oder eine Aufforderung hast, direkt mit seinem Namen an. Es schenkt ihm Aufmerksamkeit und bedeutet Wertschätzung für seine Person. Selbst wenn du deiner Gesprächspartnerin widersprichst, ist der Name zu Beginn deines Satzes wichtig. Dann dient er dazu, den Kontakt zu bahnen, die Gesprächspartnerin aufnahmebereit zu machen. Es ist ein wenig wie mit dem Öl, welches das Knirschen im Getriebe verhindert.

    Beispiel:
    „Tanja – ich gebe dir in fast allen Punkten recht. Nur …“

    Die Nennung des Namens stellt immer sicher, dass dein:e Gesprächspartner:in sich überhaupt angesprochen fühlt und weiß, dass er gemeint ist. Es holt ihn aus seinen/ihren Gedanken oder Handlungen ab. 

    Wenn der Blickkontakt in der Online-Konferenz fehlt

    In Präsenz-Veranstaltungen kommt dann das Anschauen, der offene Blick zum Gesprächspartner. So entsteht Kontakt zwischen zwei Menschen. Online wirst du natürlich in die Kamera sehen, doch wirst du keinen echten Blickkontakt herstellen können. 3A – und das „Anschauen“ fehlt? Dann ersetze es doch –  wo es geht – durch ein „Anlächeln“. Auch wenn du in der Video-Konferenz nur ganz allgemein in die Kamera lächelst, so erzielst du damit doch eine beziehungsfördernde Atmosphäre.

    Die Atempause, das dritte A, gibt dem Gesprächspartner Zeit, sich auf deine Frage oder Bitte einzustellen. Gerade in Online-Konferenzen – wo der Blickkontakt fehlt – ist dies von grundlegender Bedeutung. Du vermeidest dadurch Missverständnisse und Rückfragen, wer denn nun gemeint sei. Dadurch gewährleistet du außerdem, dass deine Informationen oder Aufforderungen ankommen.

    Wie du mehrere Personen ansprechen kannst

    Wie löst du das, wenn du mehrere Personen gleichzeitig ansprechen willst? Dafür gibt es je nach Anzahl und Situation unterschiedliche Möglichkeiten. Bei zwei bis drei Lehrkräften ist die Nennung der einzelnen Namen sinnvoll.

    Beispiel: „Simon und Julia, wie ist das bei euch in der Klasse?“

    Bei mehreren kannst du sie als Zielgruppe gemeinsam nennen. Beispiel: „Liebe Lehrkräfte der 7. Klassen, …“

    Schon im Umgang mit Kindern erkläre ich oft, dass es bei den 3A immer mal von dem einen oder anderen mehr braucht. Manche Kinder brauchen länger bis sie reagieren, daher brauchen sie eine längere Atempause. Das kann in Online-Konferenzen auch relevant sein, da Verzögerungen durch die technische Übertragung entstehen. In Online-Konferenzen fehlt außerdem das persönliche Anschauen, daher brauchen wir wesentlich mehr „Ansprechen mit dem Namen“.

    Was ist dein Nutzen?

    Du erzielst damit noch eine weitere Wirkung: Als Führungskraft führst du damit klar. Es stärkt deine Präsenz und lässt dich souverän und professionell wirken. Woran liegt das? Du lenkst umgehend die Aufmerksamkeit der entsprechenden Lehrkraft auf dich. Die Teilnehmenden in der Konferenz nehmen die ehrliche Wertschätzung wahr und können sie leicht annehmen. Das alles trägt zu einem guten und konzentrierten Arbeitsklima bei.

    Sprache steckt an!
    Mechthild von Scheurl-Defersdorf

    Du gibst damit deinem Kollegium, gerade auch den Referendar:innen, ein gutes Beispiel. Es lohnt sich, diesen Punkt explizit als Empfehlung für die Online-Konferenz anzusprechen. Du erleichterst dadurch ganz wesentlich Abläufe und gewinnst Zeit. Wie immer gibst du mit deinem Sprachvorbild anderen ein Muster vor. Die gegenseitige Wertschätzung im Kollegium wird sich ausbreiten und das ist für eure Beziehungen untereinander förderlich.

    Auch auf dich als Sprecher:in selbst hat dies eine Wirkung: Je häufiger du wertschätzend sprichst, desto stärker wird sich dies auf deine Haltung auswirken. Wertschätzung ist eine tragende Säule für Führungskräfte.

    Wie du noch mehr erreichen kannst

    Nun habe ich dir einige Aspekte für erfolgreiche (Online-)Konferenzen und andere Meetings erläutert. Damit kannst du Besprechungen klar und wertschätzend führen. Mit einer klaren Kommunikationsstruktur erreichst du noch mehr. Das LINGVA ETERNA Kommunikationsmodell nach Dr. Theodor von Stockert bietet diese Struktur. Es ist der Schlüssel für erfolgreiche Gespräche und Besprechungen. In meinen Seminaren werde ich dich gerne darin einführen. 


    Dieser Artikel erschien bereits am 17.06.2020 auf meiner früheren Website und wurde hier leicht überarbeitet.

  • 5 Tipps für dein erstes Elterngespräch als Erzieherin

    5 Tipps für dein erstes Elterngespräch als Erzieherin

    Kommst du frisch von der Ausbildung und startest gerade in einer Kita, einem Hort oder einer Einrichtung für behinderte Menschen? Ich erinnere mich noch gut an das flaue Gefühl im Bauch, als das erste Elterngespräch als Erzieherin bei mir anstand. Würde ich die Theorie auch anwenden können? Was, wenn die Eltern gleich mit Kritik ins Haus fallen? Würden sie mir die Fachkompetenz abnehmen?

    Sicher hast du in der Ausbildung zur Erzieherin einiges über Gesprächsführung gelernt. Du hast von verschiedenen Kommunikationsmodellen gehört und achtest auf Ich-Botschaften. Ich habe 5 Tipps für dich, wie du mit klarer und wertschätzender Sprache mehr erreichen kannst.

    1. Intention: Was willst du in diesem Elterngespräch erreichen?

    Überlege dir vorab, was dein Ziel für das erste Elterngespräch ist.Und ich meine hier das erste Elterngespräch mit allen Eltern. 

    Willst du die Grundlagen für eine vertrauensvolle Beziehung herstellen? 

    Dann zeige dich authentisch, offen und ehrlich. Dazu kann auch gehören, dass du darüber sprichst, dass du ein wenig aufgeregt bist. Bereite das Gespräch fachlich gut vor, wenn es zum Beispiel um die Entwicklung des Kindes geht. Mache dir bewusst, dass die Kommunikation auf Augenhöhe stattfinden soll. Als erstes geht es um deine Haltung.

    2. Wertschätzung: Die Basis für gutes Gelingen

    Wertschätzung ist eine Haltung. Nimm sie mit in jeden persönlichen Kontakt. In einer wertschätzenden Haltung wirst du auf Kritik an der Person, Miesmachen, Herabschauen, Lästern und auch Bewerten verzichten. Achte und respektiere die Lebensweise, die Möglichkeiten und die Überzeugungen deiner Gesprächspartner:innen. 

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    Ja, ich weiß: Das ist manchmal eine ziemliche Herausforderung und es gelingt nicht jeden Tag gleich gut. Doch du hast jeden Tag eine neue Chance dazu. Wertschätzung lässt sich auch üben. Zeige Aufmerksamkeit und Interesse und gib wohlwollendes Feedback. Nutze dazu die persönlichen Fürwörter: Ich, wir, du, ihr …

    • „Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit.“
    • „Ich bitte Sie um eine Rückmeldung, sobald …“
    • „Es ist mir ein Anliegen, mit Ihnen vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.“
    • Ich freue mich, wenn …“

    Achte auf eine angemessene Einladung, ansprechende räumliche Situation und nimm dir ausreichend Zeit. Auch das ist Wertschätzung gegenüber den Eltern.

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Zwei Frauen im Gespräch am Tisch

    3. Ansprache: Stelle einen guten Kontakt her!

    Ob Eltern mit du oder Sie angesprochen werden, das ist in Kitas unterschiedlich. Im Einzelfall gilt es, das Einverständnis für das „du“ abzusprechen.

    Stelle sicher, dass du den Namen der Eltern kennst. Also, dass du beim „du“ eben auch die Vornamen der Eltern weißt. Achte darauf, den Namen korrekt auszusprechen. Frag lieber zweimal nach als später vernuschelt oder Namen vermeidend mit den Eltern zu sprechen. Du zeigst damit, dass dir der persönliche Kontakt, eure Beziehung wichtig ist. 

    Ich gebe dir ein Beispiel. Angenommen, du begegnest deiner Gesprächspartnerin Frau Sommerberg auf dem Weg ins Besprechungszimmer. Überlege dir vorab, welchen Eindruck du hinterlassen willst. Wie wirkst du so? Du rufst „Komme gleich!“ aus 5 Metern Entfernung. Du wirkst unvorbereitet, hektisch und wenig kompetent.

    Und wie wirkst du so? Du gehst hin, stellst Blickkontakt her und sagst: „Guten Morgen, Frau Sommerberg. Ich freue mich, dass Sie heute Zeit für ein Gespräch mit mir haben. Bitte gehen Sie schon vor in unseren Besprechungsraum. Ich hole nur noch meine Unterlagen.“ Im zweiten Beispiel wirkst du präsent, klar und wertschätzend. Du vermittelst Ruhe und Souveränität

    Zum Herstellen eines gutes Kontaktes gehören Ansprechen mit dem Namen, Anschauen und Atmen. Das bezeichnen wir im Lingva Eterna Kommunikationskonzept als die 3A.

    Mit den 3A erreichst du auch während des Gesprächs immer wieder gut die Aufmerksamkeit deiner Gesprächspartner:innen. 

    4. Pausen: Lass deine Worte wirken!

    Eben schrieb ich vom Atmen. Das ist wie beim Lesen der Absatz.

    Beides lässt einen Satz wirken. Frau Sommerberg im Gespräch wird dir besser folgen können. Sie wird sich auch deine Worte besser merken können. Gib ihr also immer wieder die Chance dazu, indem du minimale Pausen zwischen deinen Sätzen machst. 

    Sprechpausen schaffen auch die Gelegenheit zum Dialog. 

    5. Abschluss: Runde das Elterngespräch richtig ab!

    Je nach Intention und Thema des Elterngesprächs wirst du unterschiedliche Möglichkeiten nutzen können. Wichtig ist grundsätzlich jedoch, dass es einen runden Abschluss gibt. Das gilt auch, wenn ihr unterschiedlicher Meinung seid oder etwas aufgrund der Zeit nicht zu Ende besprochen werden konnte. Dann fasse das in Worte. 

    „Wir konnten heute noch keine Lösung finden. Lassen Sie uns darüber nachdenken und (z.B.) in zwei Wochen nochmal darüber sprechen.“

    Andere Formen von Abschluss sind

    • eine Zusammenfassung
    • das Benennen von Vereinbarungen
    • das Aufzeigen von nächsten Schritten oder Perspektiven
    • das Danken
    • gute Wünsche

    Mit diesen 5 Tipps wird dir dein erstes Elterngespräch als Erzieher:in sicher gelingen. Ich wünsche dir wohlwollende Eltern und eine große Portion Wertschätzung auf beiden Seiten.


    Willst du noch mehr Tipps für klare und wertschätzende Kommunikation als Erzieherin? Dann buche eine Fortbildung bei mir und ich komme in eure Kita oder Einrichtung. Ihr seid zu weit weg? Dann lass uns über eine Online-Fortbildung sprechen.

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