Autor: Heike Brandl

  • Wann ist ein Sprach- und Kommunikationstraining sinnvoll?

    Wann ist ein Sprach- und Kommunikationstraining sinnvoll?

    • „Wieso sollte ich ein Sprach- und Kommunikationstraining machen? Wozu soll das gut sein?“
    • Worin sollen wir denn noch überall Selbstoptimierung betreiben?“
    • Ich kann doch schon Deutsch reden. Ich rede so, wie mir der Schnabel gewachsen ist.“
    • Über Kommunikation habe ich schon soooo viel in der Ausbildung/im Studium gehört. Was willst du mir da noch beibringen?“

    Das sind die üblichen Aussagen und Fragen, die ich immer wieder im Zusammenhang mit meiner Arbeit höre. Daher stelle ich dir hier ein paar typische Situationen vor, in denen ein Sprach- und Kommunikationstraining sinnvoll ist. 

    1. Situation: Als Erzieher:in fragst du dich, wie du Sprache noch gezielter zur Sprachförderung für die Kids nutzen kannst

    Tanja, 25 Jahre alt, ist eine engagierte junge Erzieherin. In ihrer Kita sind 10 % Kinder mit Migrationshintergrund und bestimmt nochmal 10 % mit Sprachauffälligkeiten. Ein paar Kinder haben zusätzliche Unterstützung durch Logopädie oder eine Integrationsfachkraft. Doch Tanja weiß, dass die Kids am meisten von alltagsorientierter Sprachförderung profitieren. Sie hat gelesen, dass kurze, einfache Sätze für diese Kinder eine Hilfe sein können. Doch sie weiß gar nicht, was sie den ganzen Tag so von sich gibt. Ihre Gruppenleiterin ist da wenig sensibel und so bittet sie die Kita-Leiterin Sabine um Unterstützung.

    Sabine hält das für ein wichtiges Thema in der ganzen Einrichtung und gemeinsam überzeugen sie die Kolleg:innen zu einer Teamfortbildung. Sie entscheiden sich für ein nachhaltiges und praxisorientiertes Seminarkonzept in 7 Modulen. Dabei nimmt die Sprach- und Kommunikationstrainerin auch noch die Kommunikation im Team und mit den Eltern in den Blick. Das ist ihr Nutzen:

    Alle Teilnehmer:innen werden

    • Wissen über die Wirksamkeit ihrer Sprache erwerben
    • Ihre gewohnheitsmäßigen und alltäglichen Sprachmuster reflektieren
    • Verantwortung für ihre eigenen Bedürfnisse, Gefühle und Impulse übernehmen und einen wertschätzenden Umgang mit sich selbst entwickeln
    • Ihre eigene professionelle Kommunikation überprüfen
    • Neue Perspektiven in Gespräche einfließen lassen können
    • Mit Kolleg:innen klar und wertschätzend kommunizieren können
    • Ihre Haltung zu Gesprächspartner:innen überprüft haben und sie gegebenenfalls korrigieren können
    • Das LINGVA ETERNA Kommunikationsmodell von Dr. Theodor von Stockert anwenden können
    • Die neu erworbenen Kompetenzen auf die Kommunikation mit Kindern, Eltern und Anderen übertragen können

    Sabine als Leiterin sieht hier noch mehr: Von einem Sprach- und Kommunikationstraining im Team profitiert die ganze Einrichtung. Es geht weit über das erste individuelle Anliegen von Tanja hinaus, denn es schärft die Aufmerksamkeit aller Kolleg:innen. Mit dem Fokus auf der Wertschätzung dient es außerdem der Zusammenarbeit im Team, der Arbeitszufriedenheit und der Personalbindung. Den Aspekt der Qualitätssicherung will sie außerdem im Gespräch mit ihrem Kostenträger, der Stadtverwaltung, erwähnen.

    Die Sprach- und Kommunikationstrainerin begleitet das Team über einen Zeitraum von 1 bis 1 ½ Jahren kontinuierlich. Neben den erwähnten 7 Modulen gibt es zusätzlich für die Leiterin Sabine 2 – 3 individuelle KommunikationsCoachings und einen Elternabend. 

    Sprachkarten für Pädagogen Pressebild - nützlich im Kommunikationstraining
    Die Sprachkarten zeigen typische Sätze des Alltags auf – und ihre Alternativen.

    2. Situation: Du würdest gerne in eine andere Abteilung wechseln und fragst dich, wie du das deiner Chefin beibringen sollst.

    Katrin, 43 Jahre alt, ist Pflegefachkraft und arbeitet seit 8 Jahren auf der Chirurgischen Station. Schon länger schläft sie schlecht und fühlt sich an der Arbeit unwohl, kann jedoch nicht richtig greifbar machen, wieso das so ist. Nun ist sie aushilfsweise 3 Tage auf der „Inneren“ eingesprungen. Obwohl hier alles neu ist und sie sich erst orientieren muss, fühlt sie sich richtig wohl und will gerne dortbleiben. Einen Versuch zum Gespräch mit der Chefin hat sie bereits gemacht. Das war jedoch eher ein „Herumgeeiere“ und die Pflegedienstleitung nahm sie gar nicht richtig ernst. Nun fragt sie sich: Wie kann ich mein Ziel erreichen?

    Im individuellen KommunikationsCoaching könnte Katrin mit der Sprach- und Kommunikationstrainerin das Gespräch mit der Pflegedienstleiterin vorbereiten. Sie könnten besprechen, mit welcher Haltung Katrin in das Gespräch geht und ihrer Chefin begegnet. Ein wesentlicher Teil wäre es, die Schritte im Gesprächsverlauf zu besprechen. Katrin könnte ausprobieren, wie ihre eigene Wirkung bei unterschiedlichen Formulierungen ist und erfahren: Wie werde ich besser gehört? 

    3. Situation: Du bist Rektor:in und willst dir Konferenzen leichter machen.

    Julia, 39 Jahre alt, ist seit kurzem Rektorin an ihrer Grundschule. In diese Rolle ist sie eher hineingestolpert. Mit vielen ihrer neuen Aufgaben kommt sie schon gut zurecht. Doch Julia hat das Gefühl, die Konferenzen im Kollegium rauben ihr den letzten Nerv. Die einen kommen zu spät, die anderen daddeln zwischendurch am Smartphone. Da gibt es welche, die pausenlos reden, bevorzugt dazwischen, und welche, die nie den Mund auftun. Eine richtige Struktur hat sie noch nicht gefunden und obwohl sie stets über die geplante Zeit hinaus diskutieren: am Ende ist immer noch zu viel Unerledigtes auf der Liste.

    Besprechung im Team: Ein Anlass für Kommunikationstraining

    Julia ist unzufrieden mit den Ergebnissen und weiß, dass sich nichts ändern wird, wenn sie nichts ändert. Sie will lernen, wie sie Besprechungen klar und wertschätzend führen kann. Also holt sie sich professionelle Hilfe durch eine Sprach- und Kommunikationstrainerin. 

    Im individuellen KommunikationsCoaching könnten sie die Grundlagen der Besprechungsstruktur erarbeiten, Julias gewohnheitsmäßige Sprachmuster reflektieren und weiterentwickeln sowie die Führung des Kollegiums thematisieren

    Welche Voraussetzungen sind erforderlich?

    • Gute Kenntnisse der deutschen Sprache
    • Psychische Gesundheit: Sprach- und Kommunikationstraining ist keine Therapie! Es kann jedoch im Einzelfall begleitend zur Therapie für gezielte Fragestellungen genutzt werden.
    • Bereitschaft zur Reflektion und Persönlichkeitsentwicklung

    Ursprünglich wollte ich an dieser Stelle schreiben: Wann ist ein Sprach- und Kommunikationstraining nicht geeignet? Doch die meisten von uns haben bereits Situationen erlebt, wo sie hinterher sagten: „Hätte ich das doch anders gesagt. Dann wäre das Gespräch anders verlaufen.“ Ja, es liegt einfach so vieles an unserer Sprache und oft sind wir uns unserer Wirkung nicht bewusst. Das ist das Ziel meines Sprach- und Kommunikationstrainings:

    Ich lasse Menschen entdecken, wie sie auf andere wirken – und zeige ihnen, wie sie mit klarer und wertschätzender Sprache mehr erreichen. 
    Heike Brandl

    Ist das was für dich?


    Dieser Artikel erschien am 16.03.21 auf meiner früheren Website und wurde hier leicht überarbeitet.

  • Klarer sprechen – Die 7 besten Tipps zum Üben

    Klarer sprechen – Die 7 besten Tipps zum Üben

    Dein Entschluss steht fest! Jetzt soll es endlich vorwärts gehen mit dem „Klarer sprechen“. Doch wie lässt sich das in deinem Alltag praktisch umsetzen? Hier sind meine 7 besten Tipps zum Üben. Gibt es den ultimativen Tipp, um deine Sprache weiterzuentwickeln? Tja, wenn es so einfach wäre … Gewohnheiten ändern ist wohl eher ein Prozess, und der dauert manchmal ganz schön lange.

    Es kommt darauf an, an welchen Bausteinen deiner Sprache du etwas weiter entwickeln willst. Manche Marotten haben sich so eingeschlichen und mit ein wenig Aufmerksamkeit wird es dir leicht gelingen, sie wieder hinter dir zu lassen. Das ist zum Beispiel bei den Füllwörtern so.

    Bei manchen Themen braucht es deinen ganzen Willen und eine gute Portion Training. Das trifft zum Beispiel bei den drei A zu – Ansprechen mit dem Namen, Anschauen und Atmen bevor du weitersprichst.

    Andere sprachliche Aspekte sind tief in uns verwurzelt, und es ist ein tiefgreifender Prozess, neue Strukturen und Denkmuster zu entwickeln. Das ist beispielsweise der Fall beim problemorientierte Denken und Sprechen. Was auch immer du nun vorhast, die folgenden Tipps werden dich sicher darin unterstützen, deine Sprache weiterzuentwickeln!

    1. Beobachte die Ausdrucksweise von Anderen und dir selbst!

    Schärfe deine Wahrnehmung! Wenn du selbst schwanger bist, wirst du plötzlich in deiner Umgebung auch viele Schwangere wahrnehmen. Wenn du hungrig bist, scheint der Duft aus der Bäckerei viel intensiver zu sein als sonst und du schaffst es kaum, vorbei zu laufen. Komisch? Nein, das ist selektive Wahrnehmung. Womit sich das Gehirn befasst, das erfasst auch die Wahrnehmung.

    Beginne bei der Beobachtung von Anderen! Befasst sich das Gehirn also gerade mit einem sprachlichen Thema, wirst du das auch bei deinen Gesprächspartner:innen, Fernsehmoderator:innen oder Fremden im Bus registrieren. Du wirst dir denken: „Aha, XY sagt ständig müssen.“ oder „Oh, dieser Moderator scheint die 3A zu kennen, er macht immer einen Moment Pause, bevor er seine Frage stellt.“ Beobachte, wie die individuelle Ausdrucksweise einer Person auf dich wirkt oder auf Dritte (z.B. im Fernsehen). Bitte behalte deine Beobachtung für dich. So manche:r würde sich auf den Schlips getreten fühlen.

    Im nächsten Schritt höre dir selbst genauer zu! Stellen wir uns vor, du willst darauf achten, deine Gesprächspartner:innen so oft wie möglich mit dem Namen anzusprechen und zwar am Satzanfang. Du wirst dich Sätze sagen hören wie „Kommst du mit spazieren, Stefan?“ und dir denken, „Ups, da war es wieder am Schluss.“ Sei geduldig mit dir selbst. Vielleicht hat Stefan deine Frage gar nicht registriert und du bekommst sofort eine neue Chance: „Stefan – kommst du mit spazieren?“ Fehler sind dazu da, dass wir etwas daraus lernen. 

    Heike Brandl mit Buchstabe A für Ansprechen, Anschauen, Atmen

    2. Mach ein „Wortfasten“!

    Nehmen wir einmal an, du willst darauf achten, „eigentlich“ aus deinem Sprachgebrauch zu streichen. Du wirst es anfangs dennoch immer wieder benutzen. Und das wirst du selbst meistens auch hören. Verzichte auf „Oh, nein, nicht schon wieder!“ oder „Mann, bin ich doof.“ Mach lieber etwas Lustiges oder Greifbares daraus.

    Lustig kann bei dem Wort „eigentlich“ zum Beispiel sein, wenn du dann ein „eieieiei“ oder sonst was Albernes dranhängst. Erkläre dann bitte deiner Gesprächspartnerin, dass du gerade darauf achtest, Füllwörter aus deinem Wortschatz zu streichen. Du weißt sicher selbst, in welchem Umfeld das passend und möglich ist.

    Greifbar machen bedeutet, sich zum Beispiel fünf kleine Holzperlen oder etwas Ähnliches in die linke Hosentasche zu stecken. Bei jedem „eigentlich“ das du bemerkst, wandert eine dieser Perlen in die rechte Hosentasche. So weißt du am Ende des Tages, wie dir deine selbst gestellte Aufgabe gelungen ist und am Ende der Woche, welche Fortschritte du gemacht hast. 

    3. Achte in Kurznachrichten und Emails auf klaren Ausdruck!

    Angenommen, du willst künftig vollständige Sätze bilden. Hier hast du beim Schreiben von Kurznachrichten (whatsapp, SMS, Messenger usw., aber auch Notizzetteln an der Tür) und Emails die beste aller Übungsmöglichkeiten. Es ist ganz leicht, digitale Nachrichten zu korrigieren. Und es dauert nur wenig länger, den Satz zu vervollständigen. Das gilt natürlich auch für andere Themen: Füllwörter, „müssen“, … lassen sich ebenso leicht löschen wie Verneinungen sich finden und korrigieren lassen.

    Beim Lesen wirst du wieder wahrnehmen, wie es die Anderen schreiben – und wie das auf dich wirkt. Ich empfehle dir, beim Lesen innerlich den Text in eine klare Sprache zu übersetzen. So kannst du Verneinungen gedanklich positiv umformulieren. Aus „Es dauert nicht mehr lange …“ machst du „Bald ist es soweit …“ Beginne mit einfachen Redewendungen aus dem Alltag. 

    4. Mach deine sprachlichen Ziele sichtbar!

    In einem meiner Seminare fühlte sich eine Erzieherin von den zu vielen „müssen“ angesprochen. Sie schritt sofort zur Tat und schrieb das „müssen“ auf einen Notizzettel und strich es mit dickem roten Stift durch. „Das hänge ich mir jetzt gleich in meiner Gruppe an die Schranktür.“ sagte sie hoch motiviert. Die Kolleginnen haben so auch gleich noch etwas davon.

    Das geht natürlich auch, wenn du ein neues Wort in deinen Wortschatz aufnehmen willst. Schreibe zum Beispiel „friedlich“ auf einen schönen Zettel und klebe diesen an die Kinderzimmertür. So wird es dir gelingen, beim Eintreten öfter mal zu sagen „Ihr spielt ja heute so friedlich zusammen.“ Wie du friedliche Sprache noch mehr in den Blick nehmen kannst, liest du in meinem Artikel Friedliche Sprache in der Pädagogik.

    Oder du schreibst dir fünf deiner typischen Sätze mit Pseudo-Aufforderungen auf: Das ist so etwas wie „Würdest du dir bitte die Hände waschen?!“ oder „Könntest du morgen mal pünktlich sein?!“ Von Pseudo-Aufforderung spreche ich hier, weil es sich grammatikalisch um eine Frage handelt. Überlege dir genau, wie die Aufforderung korrekt lautet. Schreib es dir auf, dann wirst du sie im Bedarfsfall parat haben. „Bitte wasche dir die Hände!“ oder „Sei morgen pünktlich!“

    Sicher findest du einen Ort an deinem Arbeitsplatz oder zu Hause, wo du dein Thema sichtbar machen kannst.

    Was kommt dir für die Pinnwand oder das Flipchart im Team-Zimmer in den Sinn?

    5. Finde eine:n Trainingspartner:in!

    Erzähle deinem Partner oder deiner Partnerin oder auch einer lieben Kollegin begeistert von deinem Vorhaben. Bitte sie oder ihn um ihre Unterstützung. Erlaube ihr oder ihm, dich dreimal täglich auf ein bestimmtes Wort oder eine Redewendung aufmerksam zu machen, die du benutzt. Vielleicht ist es passend, ein Zeichen zu verabreden ohne viele Worte zu verwenden.

    Belasse es bei dreimal täglich. Ihr sollt schließlich beide noch Spaß daran haben. Und ich garantiere dir, ihr werdet Spaß daran haben. Danke deiner Trainingspartnerin für ihre Aufmerksamkeit. 

    Dieser Übungstipp hat noch einen Vorteil: Die Trainingspartnerin wird auch aufmerksam auf ihre eigene Sprache achten. Sprache ist ansteckend …

    6. Lege dir ein Wortschatz-Buch an!

    Sammle schöne Wörter! In den ersten Schritten beim Entwickeln einer klaren Sprache geht es oft darum, Füllwörter zu streichen oder Wörter, die Druck machen zu reduzieren. Es tut jedoch auch gut, die eigene Sprache mit schönen Wörtern zu pflegen, aufzufrischen und anzureichern.

    Vor kurzem las ich in einem Text, dass jemand „eine reiche Zeit“ verbracht hat. Diese Verwendung von „reich“ höre ich selten, doch hat sie eine ganz tiefgehende Bedeutung. Ich sammle solche schönen Wörter und Redewendungen in einem kleinen Wortschatz-Buch. Und dann schrieb ich einen Blog-Artikel dazu: 50 und mehr Wohlfühlwörter, die deine Sprache bereichern. Lass dich inspirieren. Du wirst staunen, was du alles entdecken wirst. 

    Dein Wortschatz beeinflusst dein Denken, Sprechen und Handeln – und damit dein Leben. Pflege ihn gut. Er kann dich auch in Krisen begleiten: Wie mir der Wortschatz durch die Corona-Krise hilft.

    Lingva Eterna Sprachkarten gemischt
    Lingva Eterna Sprachkarten – eine Auswahl

    7. Entdecke den Kartensatz „Die Kraft der Sprache“!

    Im Kartensatz „Die Kraft der Sprache“  findest du viele Beispiele aus dem alltäglichen Sprachgebrauch. Wähle eine beliebige Karte aus, lies die Sätze zweimal halblaut und spüre der Wirkung der unterschiedlichen Sätze nach. Höre den unterschiedlichen Klang deiner Stimme. Welche Gestik und Mimik gehört für dich zu diesen Sätzen? Nimm diese eine Karte eine Woche lang in den Blick und achte darauf, wie oft du den oberen Satz der weißen Seite selbst sagst oder bei anderen hörst. Freue dich, wenn du ihn bemerkst! Bring die Karte so an, dass du sie häufig im Blick hast, auch ohne bewusst hinzuschauen. So geht der Impuls leicht in dein Unterbewusstsein. 

    Hier liest du, warum ich den Kartensatz „Die Kraft der Sprache“ besonders liebe und wie ich ihn im Sprach- und Kommunikationstraining einsetze.

    Jetzt kennst du meine 7 besten Tipps zum Üben klarer Sprache. Beginne mit einem und lass dir Zeit. Gewohnheiten zu ändern braucht auch Geduld mit dir selbst. Nach einer Weile wirst du möglicherweise beobachten, dass sich etwas in deinem Leben entwickelt. Es kann sein, dass du auf einmal mehr Zeit hast, oder dass du mit deinen Mitmenschen besser zurechtkommst. Das macht die Kraft der Sprache.


    Du hast schon einiges probiert und wünschst dir eine individuelle Begleitung? Dann vereinbare gleich einen Termin mit mir!


    Dieser Artikel erschien am 15.06.21 auf meiner früheren Website und wurde hier leicht überarbeitet.

  • Entwicklungsstörungen bei Vorschulkindern nach Corona?

    Entwicklungsstörungen bei Vorschulkindern nach Corona?

    Im März 2021 schrieb ich diesen Artikel mit dem Titel: „Wenn Vorschulkinder jetzt Störungen entwickeln, liegt es nicht an Corona!“. Immer noch ist er aktuell. Meine grundlegende Haltung ist die gleiche, obschon ich einige Anmerkungen ergänzt habe. Ich empfehle dir also, bis zum Ende zu lesen.

    Bei diesem Artikel handelt es sich nicht um eine wissenschaftliche Studie, sondern um meine persönlichen Erfahrungen.

    Im April 2020 sprach ich mit einer jungen Mutter aus meiner Straße. Sie machte sich Sorgen um ihre 3-jährige Tochter Ida. Beim Spaziergang mit der Familie war die Kleine mit dem Roller ein wenig vorausgefahren, plötzlich stehen geblieben und hatte verunsichert gerufen: „Mama, da kommen Menschen!“ Im ersten Lockdown hatte sie ihr eingeschärft, Abstand zu Fremden zu halten. Ihre Sorge formulierte sie mir gegenüber: Ob Ida wohl nach Corona wieder normal mit Menschen umgehen würde?

    Nebenbei bemerkt: Ich lebe am Rande einer Kleinstadt in Bayern. Auf unserer Straße läuft auch bei schönstem Wetter und ohne Corona durchschnittlich ein Mensch bzw. eine Familie pro Stunde. Platz genug also, sich zu begegnen oder nach Wunsch, auszuweichen.

    Immer wieder hörte ich auch die Behauptung, dass die Masken die Kleinen doch ängstigen würden und das doch nicht gut sei für ihre Entwicklung. Sorry Leute. Aber da gibt es andere Dinge, die für die Kinder wesentlich ängstigender und schlimmer für die Entwicklung sind.

    Info Box – Leichte Sprache

    Corona hat viele Folgen ausgelöst.
    Auch für Kinder im Kindergarten.
    Viele Probleme haben aber andere Ursachen.
    Wichtig ist:
    Gemeinschaft und Kontakt erleben.
    Sich in Sicherheit fühlen.
    Kinder stärken.
    Das können sie im Kindergarten erleben.
    Darum sind genug und gute Erzieherinnen wichtig.

    Wie Vorschulkinder mit den Masken umgehen

    Als Heilpädagogin bin ich in zur Einzelintegration in diversen Kitas und begleite dort 3-6-jährige Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, auffälligem Verhalten und Behinderungen. Je nach dem individuellen Bedarf geht es um Förderung von Sprache, Spielen und Lernen, Konzentration oder sozialem Verhalten. Dazu bilde ich meist Kleingruppen oder begleite im Kita-Alltag. Ich sehe dabei also viele Kinder und ihren Umgang mit den Corona-Regeln.

    Die Regelungen haben sich im Laufe des Jahres verändert. Im ersten Lockdown mussten die Erzieher:innen in Bayern keine Masken tragen. Später wurden sie Pflicht bei Tätigkeiten, bei denen ein Abstand von 1,5 m nicht einzuhalten ist. Das ist im Alltag nahezu immer der Fall.

    Genauso wie wir Erwachsenen fanden die Kinder die Masken anfangs etwas merkwürdig. Doch habe ich bald eine Gewöhnung beobachtet. Was den Kindern vorgelebt wird und wie wir die Regelungen kommunizieren, so gehen die Kleinen auch damit um.

    Das Kind empfindet die Welt so, wie sie ist, ohne mehr in die Dinge hineinzulegen, als es erlebt.“
    Jostein Gaarder (in: „Sofies Welt“ 1993, S. 325

    Ich habe kein Kind erlebt, dass aufgrund der Maske schrie, verunsichert war oder sie mir (oder anderen) herunterzog. Ich merke, dass wir wieder viel stärker Blickkontakt halten und lernen, mit den Augen deutliche Mimik zu zeigen. Damit können die Kinder sich gut orientieren. 

    Endlich lernen die Kinder Hygiene-Regeln

    Sehr positiv finde ich, dass sowohl Eltern als auch Erzieher:innen nun großen Wert auf richtiges Händewaschen, Nase putzen und Niesetikette legen. Das war längst überfällig. Wieso gingen bislang (fast) alle davon aus, dass die Kids das im Vorschulalter nicht vernünftig lernen könnten? Sie können das!

    Und – die erkälteten Kinder müssen und dürfen ihre Erkältung zu Hause auskurieren. Von grünem Rotz (sorry, das muss mal gesagt sein) bleiben wir künftig hoffentlich verschont in den Einrichtungen.

    Bitte – es geht hier nicht um Spielen im Dreck! Das halte ich für elementar für die kindliche Entwicklung. Kinder dürfen und sollen sich schmutzig machen, Lehm, Farben, Regenwürmer und vieles mehr anfassen. Doch mit verschmodderten Fingern die Puppen, Legos oder Bilderbücher anfassen – das braucht kein Mensch.

    Frau und zwei Vorschulkinder mit Mundschutz und Distanz - schafft Corona Entwicklungsstörungen?
    Social Distancing – Lassen wir es wieder hinter uns!

    Abstand halten – Nein danke

    Abstand? Nein, das geht nicht im Vorschulalter. Kinder sind soziale Wesen. Sie brauchen die körperliche Nähe, die ihnen Sicherheit, Zuflucht, Trost bietet. Und sie springen mir auch freudestrahlend in die Arme und wollen begrüßt werden. Das tue ich auch. Manche Kinder brauchen Hilfestellungen beim An- und Ausziehen, Handführung beim Schneiden mit der Schere oder wollen beim Buch anschauen Kuscheln. Das gehört zu meiner Arbeit.

    Es ist dann Berufsrisiko, sich hierbei mit Corona oder was auch immer anzustecken. Ich kann mich genauso wenig wie die Erzieher:innen in eine Vollschutzmontur packen. Das hielte ich dann doch für Angst machend. Daher halte ich die Hygiene-Regeln, das häufige Testen und das zügige Impfen des pädagogischen Personals für so wichtig. 

    Entwickeln Vorschulkinder durch Corona Störungen?

    Sicher haben im vergangenen Jahr psychische und psychosomatische Krankheiten, Depressionen und Angststörungen zugenommen, schreibt der „Tagesspiegel“ am 08.12.20. Doch hier ist die Rede von Erwachsenen. Die Gründe sind vielfältig: Vereinsamung, Existenzängste, Überforderung unter den zusätzlichen Belastungen.

    Kinder- und Jugendpsychiater sehen auch eine Zunahme von Zwangsstörungen, Ängsten und Depressionen bei Kindern und Jugendlichen, wie ein Bericht des ZDF vom 16.01.21 zeigt. Die Gründe: Angst vor der Zukunft, familiäre Belastungen unter Existenzängsten, Homeoffice und Homeschooling, Zunahme von Alkoholkonsum und Gewalt bei Eltern. Klar hängen diese Gründe mit Corona zusammen.

    Doch wird in der Studie, die der Tagesspiegel nennt, auch gesagt: Menschen, die vor Corona schon psychisch belastet waren, Menschen, die bereits vorher familiäre Schwierigkeiten oder Suchtprobleme hatten, sind jetzt noch stärker betroffen. Corona wirkt also auch hier wie ein „Brennglas“: Es verstärkt alles Vorhandene.

    Das heißt im Umkehrschluss: Familien, die einigermaßen stabil sind, wo einigermaßen Strukturen da sind, die Liebe, Zusammenhalt, Zuversicht und Orientierung bieten, diese Familien kommen auch gut durch die Pandemie. Ich schreibe „einigermaßen“, denn das reicht aus. Es gibt keine perfekten Familien und die braucht es auch nicht.

    Wenn Vorschulkinder nun psychische Störungen entwickeln, kam sicher vieles zusammen. Corona mag ein Faktor dabei sein. 

    Update April 2022

    In den letzten Monaten bekam ich verstärkt Anfragen zur Begleitung von Kindern im Vorschulalter mit sozial-emotionalen Schwierigkeiten. Ich erlebe auch in manchen Kita-Gruppen einen erhöhten Anteil dieser Kinder, und zwar in einem Grad, der weit über das durchschnittliche Maß hinausgeht.

    Gleichzeitig erlebe ich, dass das Personal so knapp ist, dass alle nur noch im Überlebens-Modus unterwegs sind. Wie sollen Dauer-gestresste pädagogische Fachkräfte diese Kinder auffangen? Und wie sollen sie gleichzeitig noch die „unauffälligen“ im Blick behalten und adäquat begleiten? Ich male selten etwas schwarz, doch da sehe ich einen echten Notstand mit langfristigen Auswirkungen auf uns zukommen. Es ist zum Schreien in der Kita!

    Update November 2023

    Die sozial-emotionalen Schwierigkeiten stehen weiterhin im Vordergrund bei den Anfragen, die mich als Heilpädagogin erreichen. Dazu kommen wieder verstärkt Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung und motorischen Entwicklung.

    Diese Artikel können dir dabei hilfreich sein: 5 Tipps, um das Selbstwertgefühl von Kindern zu stärken und Heilpädagogische Sprachförderung – mit klaren Ansagen mehr erreichen

    Update Dezember 2025

    Leider hat sich weder die personelle Situation in den Kitas verbessert noch die Schwierigkeiten, die die Kinder mitbringen. Dazu kommt: Eltern, die unter Druck stehen und den Druck weitergeben – an Kinder wie an das pädagogische Fachpersonal.

    Ich habe den Eindruck, da sind viele im Überlebensmodus unterwegs. Stress. Dauerstress.

    Kinder können Resilienz entwickeln

    Resilienz, das ist die innere Widerstandskraft, entwickelt sich bereits im Kindesalter. Bei emotionaler Bindung, durchschnittlicher Intelligenz und positivem Temperament sowie Wertschätzung von außen halten Kinder die widrigsten Lebensbedingungen aus und überstehen sie unbeschadet.

    Das ist das, was die Kinder brauchen, um zu wachsen und zu gedeihen. Manche Kinder, bei denen ein oder mehrere dieser Bedingungen fehlen, bekommen bereits Hilfen. So ist es auch bei den Kindern, die ich mit ihren individuellen Schwierigkeiten begleite. Für sie ist es umso wichtiger, in die Kita zu gehen. Dort erfahren sie zusätzliche Förderung, Zuwendung, Wertschätzung.

    Sicher, mir ist klar, dass hier viele Kinder durchs Raster fallen: Wo Eltern die notwendigen Fördermaßnahmen nicht beantragen, wo erst durch die jetzige Situation der Druck so groß wurde, wo Lebensumstände prekär sind und das jetzt nicht mehr auszuhalten ist und manche, an die wir alle gar nicht denken.

    Was brauchen sie? Kinder brauchen die Kitas! Dort sind Erzieher:innen, die merken, welche Bedürfnisse die Kinder haben. Sie brauchen auch Großeltern und andere Erwachsene, die Eltern unterstützen und entlasten, eine aufsuchende sozialpädagogische Familienhilfe beispielsweise. Das heißt also: Wir brauchen eine Familienpolitik, die auch in der Pandemie greift.

    Kinder rennen auf zwei Frauen zu
    Menschen sind evolutionär auf Gemeinschaft angelegt – Corona wird das zum Glück nicht ändern

    Die Kinder werden das Socializing nicht verlernen

    Dass wir die Kunst des „Socializing“ (engl. Geselligkeit) verlernen könnten, darüber brauchen wir uns wohl keine Sorgen zu machen. In einem Artikel von perspective daily vom 22.03.21 schreibt die Autorin:

    „Stell dir vor, du müsstest anderthalb Jahre lang fasten und würdest nur durch Infusionen am Leben erhalten. Was würdest du tun, wenn du nach Ende der Fastenzeit vor einer Tafel voller Leckerbissen stündest? Weiter fasten? Eher unwahrscheinlich. … Wenn sich das (Kontakte-Fasten) auf unser Gehirn genauso auswirkt wie Nahrungsentzug, warum sollten wir uns nach Aufhebung aller Kontaktbeschränkungen anders verhalten als Ausgehungerte bei einem Festmahl?“
    Aureliana Sorrento

    Ach ja, die Sorgen um die kleine Ida … Ida lebt in einer Familie, in der es offenbar recht gut lief. Ich sehe die Eltern und Kinder häufig vor dem Haus spielen, natürlich inzwischen auch wieder mit anderen Kindern. Ida kennt mich aus der Kita, flitzt mit ihrem Roller auf mich zu und ruft fröhlich: „Hallo Heike“. 

    Falls dein Kind Schwierigkeiten in seiner sozial-emotionalen Entwicklung zeigt, dann melde dich gerne bei mir und wir überlegen gemeinsam, wie ich euch unterstützen und begleiten kann.

    Update Dezember 2025: Meine heilpädagogische Praxis ist inzwischen geschlossen. Beratung gibt es jedoch immer noch.

  • 3A – In 3 Schritten mehr Aufmerksamkeit erreichen

    3A – In 3 Schritten mehr Aufmerksamkeit erreichen

    Hast du deinen Partner auch schon mal etwas gefragt, während er am Computer sitzt oder im Fernsehen Fußball schaut? Egal, ob du fragst „Warst du schon auf der Bank?“ oder „Magst du einen Kaffee?“ – die meisten Männer reagieren gar nicht. Bei Frauen ist das genauso. Und bei Jugendlichen, die ins Smartphone schauen, bei Kindern, die vertieft ins Bauen, Träumen oder Buddeln sind. Und natürlich bei der Kollegin, die sich auf ihre Arbeit konzentriert. Eine wirksame Methode, mehr Aufmerksamkeit zu erreichen sind die 3A aus dem LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationskonzept.

    Wofür stehen die 3A?

    Die drei A stehen für

    • Ansprechen mit dem Namen
    • Anschauen und für
    • einen kurzen Atemzug Pause, bevor du weitersprichst.

    Die 3 A bewirken eine wertschätzende und wirksame Kontaktaufnahme, bei der beide Gesprächspartner mit ihrer vollen Aufmerksamkeit dabei sind, präsent sind!

    Heike Brandl
    Ansprechen mit dem Namen

    Ansprechen

    Der eigene Name ist das Wort, welches Menschen am allerliebsten hören. In der Regel reagieren sie auch darauf, wenn sie angesprochen oder gerufen werden. Falls nicht, geh hin – und je nach Kontext: Begib dich auf Augenhöhe, ins Blickfeld oder fass denjenigen oder diejenige kurz am Arm an.

    Achte darauf, dass du den Namen wohlwollend aussprichst. Das ist wie ein Türöffner für jedes nachfolgende Gespräch. Deine Gesprächspartnerin wird es am Ton hören und spüren, ob du sie magst, ob du gerade gereizt bist oder neutral in das Gespräch gehst. 

    Heike Brandl
    Anschauen

    Anschauen

    Stelle Blickkontakt her. Das heißt erstmal: Du schaust die Gesprächspartnerin an. Vielleicht braucht sie einen Moment, bis du ihre Aufmerksamkeit erreichst.

    Nun schauen sich zwei Menschen in die Augen. So entsteht Kontakt, so entsteht Beziehung. Ihr seid ganz im Moment, im Augenblick. Das heißt, jede:r ist bei der Sache, beim Anderen. Damit zeigt sich die Sprecherin – und sie sieht die Andere! 

    Heike Brandl
    Atmen

    Atmen

    Halte einen Moment inne, bevor du weitersprichst. Warte, bis deine Gesprächspartnerin reagiert – den Kopf hebt, oder „ja“ sagt – und stelle erst dann deine Frage. So wirst du gleich die Antwort bekommen. 

    Was passiert, wenn du die 3A außer Acht lässt?

    Hier geht es gleich um „Fehler“. Fehler sind nichts Schlimmes, sondern etwas, aus dem du lernen darfst. Wo ein Fehler ist, da fehlt noch etwas: eine neue Haltung, Achtsamkeit, Feinfühligkeit, was auch immer. 

    Fehler 1: Du nennst keinen Namen.

    Beispiel: „Willst du auch einen Kaffee?“

    Hast du es versäumt, die Aufmerksamkeit deiner Gesprächspartnerin herzustellen, kommt deine Botschaft nicht oder nur teilweise an. Daraus entstehen oft Missverständnisse und Ärger, der leicht vermeidbar gewesen wäre.

    Fehler 2: Du achtest nicht auf den Ton.

    Beispiel (okay, kannst du nicht hören, dir aber vorstellen): „MARTIN, du kommst schon wieder zu spät!“

    Sprichst du den Namen genervt oder zornig aus, ist das eine Missbilligung der Person. Besser ist es, die Missbilligung einer Handlung in den nachfolgenden Sätzen zu formulieren. Stell dir ein Kind vor, das häufig kritisiert wird, weil es beispielsweise sehr unruhig oder impulsiv ist. Gerade für so ein Kind führt das Ansprechen in lautem oder genervten Ton in eine Spirale von Widerstand und Ärger. Die Missbilligung der Person führt außerdem zum Verlust des Selbstwertes. Male dir aus, was ein solches Kind alles anstellt, um sich zu beweisen. 

    Fehler 3: Du sagst den Namen erst am Satzende.

    Beispiel: „Räum bitte die Spülmaschine aus, Marina!“

    Den Namen am Ende einer Botschaft zu sagen, ist nahezu sinnlos. Meist hat die Gesprächspartnerin den Inhalt des Satzes vorab nicht mitbekommen. Im Unterricht beispielsweise fühlt sich die Schülerin dann ertappt und reagiert entsprechend. Mit dem Namen am Anfang erzeugst du Aufmerksamkeit.

    Okay, das heißt jetzt nicht, im Dialog am Tisch, wo du dir sowieso gegenübersitzt, in jedem Satz den Namen an den Anfang zu stellen. Es geht um Situationen, wo du Aufmerksamkeit herstellen willst oder ein neues Gespräch beginnst.

    Fehler 4: Du rufst quer durch den Raum oder das Haus.

    Beispiel: „Simon, das Essen ist fertig.“

    Selbsterklärend, oder? Woher weißt du, dass Simon auf deinen Ruf wartet? Vielleicht hat er Kopfhörer auf, ist vertieft in ein spannendes Online-Spiel oder ist gerade auf den Balkon gegangen und kann dich sowieso nicht hören. Du rufst zweimal, dreimal und dir schwillt schon der Kamm.

    Erspare dir den hohen Blutdruck und Simon das gereizte 4. Mal: „Mann, ich hab‘ schon dreimal gerufen, nie hörst du!“

    Lösung: Geh gleich hin oder spätestens beim 2. Mal, wenn du merkst, der andere hat dich nicht gehört.

    Fehler 5: Du lässt keine Pause.

    Beispiel: „Sabine wann bist du soweit?

    Womöglich war die Gesprächspartnerin in ihre Arbeit oder auf ihr Smartphone vertieft und hat gar nicht richtig registriert, dass du mit ihr gesprochen hast. Wenn du ein zweites Mal fragst, wird sie an deiner Stimme hören, dass du leicht verärgert bist. Vielleicht denkt sie dann, „Was hat denn die wieder für eine Laune?“ und so entsteht ein leicht vermeidbarer Ärger. 

    In welchen ganz alltäglichen Situationen kannst du die 3A einsetzen und dir so eine neue Gewohnheit schaffen?

    Diese drei A beherrschen übrigens alle kleinen Kinder. Das ist einer der Gründe, warum sie so erfolgreich sind. Sie sagen „Mama!“ oder „Papa!“ Sie reden erst weiter, wenn sie den Kontakt aufgebaut haben. Kinder verlieren keine Worte! Sie haben eine hohe Präsenz. Sie sind ganz bei dem, was sie gerade tun. Von ihnen können wir viel lernen!  Mit den 3A erreichst du die volle Aufmerksamkeit des Zuhörers für dein Anliegen.

    Willst du regelmäßig Tipps für deine Sprache und Kommunikation? 


    Dieser Artikel erschien am 21.05.21 auf meiner früheren Website und wurde hier leicht überarbeitet.

  • Monatsrückblick März 2022 – Live is life

    Ein arbeitsintensiver Monat ging zu Ende. Es gab viel zu tun am Bildschirm, jedoch auch in der heilpädagogischen Praxis. Dazu kamen jede Menge „Ausgleichstätigkeiten“ im Garten. Und es war mir eine große Freude, sowohl einen Vortrag wieder live in Präsenz halten zu können als auch ein wunderschönes Konzert zu besuchen. Live is life eben.

    Ich freue mich über neue Kinder in der Heilpädagogik

    Mit einem neuen Kind startete ich im März in einer Kita im Rahmen der Einzelintegration. Witzigerweise waren meine eigenen Kinder vor Jahren selbst dort. Sogar die Erzieherin ist noch die gleiche. Ich begleitete dort schon mal eine Weile ein Integrationskind und im letzten Jahr durfte ich eine Fortbildung über Bindung dort halten. Beste Voraussetzungen also für eine gelungene Zusammenarbeit. Die ersten Stunden mit dem neuen Kind ließen sich gut an, doch dann kam Corona und es wurde krank. Im April wird es weiter gehen.

    Ein weiteres Kind kommt nun zur Frühförderung in meine Praxis. Hier arbeite ich nun mit einem Vorschulkind mit einer auditiven Wahrnehmungsstörung. Das heißt, es hat trotz gutem Gehör Schwierigkeiten auf Ansprache zu reagieren, sich an Gehörtes korrekt zu erinnern oder Anweisungen auszuführen. Auch Schwierigkeiten sich auf eine Sprecherin zu konzentrieren, kommen vor. Die ersten Schritte in der Frühförderung waren: Wir lernten uns näher kennen und begannen mit dem Herausfinden von Stärken und Schwächen (auch Eingangsdiagnostik genannt).

    Ich nahm an einer Fortbildung teil

    Die Fortbildung behandelte die ICF-CY (Internationale Klassifikation von Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit für Kinder und Jugendliche) in der Frühförderung – die Einführung eines neuen Konzepts zur Entwicklung von Fördermaßnahmen. Es handelt sich dabei um ein bio-psycho-soziales Modell (im Unterschied zu einem medizinischen, meist defizitorientierten Modell), welches Kompetenzen und Funktionen von Kindern neutral beschreiben soll. Ergänzt werden diese Beschreibungen durch eine Codierung aus tausenden von Möglichkeiten.

    Das waren zwei seeeehr theoretische und recht zähe halbe Tage. Es erschloss sich mir nicht wirklich, wozu das ganze gut sein soll. Kompetenzorientiert beschreiben kann ich auch so. Zudem sieht es nur nach mühsamer Spezifikation aus, zeitaufwendig und womöglich kontraproduktiv: Leider sehen dann Kostenträger keine Notwendigkeit für eine Maßnahme, wenn es zu gut klingt. Das ist eine Krux, die sich nur schwer auflösen lässt.

    Zur Zeit differenziere ich als Heilpädagogin natürlich dahingehend, wer einen Antrag oder Bericht liest und wozu. Mit Eltern führe ich dann ein ergänzendes Gespräch. Darin erkläre ich, dass wir einem Kostenträger deutlich machen müssen, dass ein erhöhter Förderbedarf besteht. Gleichzeitig hat ein Kind ja viele Stärken, Fähigkeiten oder Eigenschaften, die es einzigartig macht, die wir an ihm schätzen und mögen. Wir reden über die Widersprüche und wie wir damit umgehen können. Das Benennen macht es oftmals schon erträglich.

    Ich freue mich über meine neuen Flyer und Visitenkarten

    Tadatada, hier sind sie:

    Flyer Heike Brandl

    Nach der fleißigen Vorarbeit meiner Grafiker Sabine Stärker-Bross von wirkraum wurden Flyer und Visitenkarten geliefert. Nun kann ich sie unters Volk bringen – Hurra!

    Diese Blog-Artikel schrieb ich im März 2022

    Im März zogen eine Menge Artikel von meinen früheren Websites auf diese hier um, insgesamt waren es 15! Ich bin ganz schön stolz auf mich. Dabei handelt es sich um zeitlose und für mich wichtige Artikel. An jeden habe ich beim Transfer nochmal „Hand angelegt“ und sie leicht überarbeitet, Bilder angepasst, Links überprüft und und und … Ich lade dich zum Stöbern und Schmökern ein:

    Und was war sonst noch so im März 2022

    • Das erste MTB-Rennen der Saison meines Sohnes Maximilian in Deutschland (Obergessertshausen in der Nähe von Augsburg) begann mit einem Sieg. Wie schön, dass wir dabei sein konnten.
    • Das Konzert mit Bodo Wartke, auf das ich mich lange gefreut hatte, fiel leider wegen Krankheit des Künstlers aus. Am Ersatztermin habe ich schon was anderes vor.
    • Dafür besuchten wir ganz kurzfristig ein Konzert mit dem italienischen Liedermacher Pippo Pollina und seiner Band in Würzburg. Ohrwürmer und emotionale Lieder brachten italienisches Flair in die Halle. Wir genossen einen wunderschönen Abend voller Musik und Poesie.
    • Ich fuhr im März etwa 200 km mit dem Mountainbike im Maintal und Spessart herum und freute mich an den vertrauten Ausblicken und dem trockenen, sonnigen Wetter.
    • Gartenaktionen: Baumfällung (da er zu viel Licht und Sonne nahm und zu groß geworden war) und Neuanlage unseres Gemüsebeetes im Kasten. Das alte war morsch und die Erde verbraucht. Der Frühling kann kommen.
    • Der VHS Vortrag „Lange Rede, kurzer Sinn – in Besprechungen auf den Punkt kommen“ fand mit wenigen, jedoch ganz engagierten und interessierten Teilnehmer:innen statt. Was für eine Freude!

    Meine Bücher des Monats März 2022

    • Manfred Pretis „ICF-basiertes Arbeiten in der Frühförderung“
      Passend zur Fortbildung, ähnlich theoretisch abgehoben 😉
    • Sharon Dodua Otoo „Adas Raum“
      Der Roman erzählt darüber, was es bedeutet, in verschiedenen Jahrhunderten Frau zu sein. Ada ist viele Frauen, sie lebt viele Leben. Eine brillante Erzählkonstruktion, die mich immer mehr in den Bann zog.
    • Juli Zeh „Leere Herzen“
      Bereits 2017 erschien dieser provokante Politthriller, der im Jahre 2025 spielt. „Ein Lehrstück über die Grundlagen und die Gefährdungen der Demokratie … und … über eine Generation, die im Herzen leer und ohne Glauben und Überzeugungen ist.“ (Umschlagtext) Großartig!
    • Amelie Fried „Die Spur des Schweigens“
      Roman über eine Journalistin, die sich im Umfeld einer Hochschule mit Machtmissbrauch und Vertuschung sexueller Übergriffe auseinander setzen muss und dabei Verbindungen zu ihrem verschwundenen Bruder entdeckt. Spannende Geschichte, aktuell und leicht erzählt.

    Ausblick April 2022

    • Besuch meiner lieben Freundin und Kollegin Antonia
    • Osterurlaub am Comer See
    • Meine Blogger-Community „The Content Society“ trifft sich live in Stuttgart
    • ein weiteres Radrennen meines Sohnes in Heubach
    • noch ein VHS Vortrag „Wissen Sie, was Sie sagen?“
  • Was ist der Unterschied zwischen Rhetoriktraining und Kommunikationstraining?

    Was ist der Unterschied zwischen Rhetoriktraining und Kommunikationstraining?

    In meinen Vorträgen und Seminaren sagen mir die Teilnehmer:innen häufig, sie halten Rhetorik für sehr wichtig oder sie hätten schon verschiedene Rhetorikseminare besucht. Dann wiederum gibt es welche, die meinen, es ginge bei mir um Körpersprache. Und am Ende kommt oft so eine Rückmeldung: „Oh, ich hatte mir etwas anderes vorgestellt, aber das was ich hier gehört habe, ist großartig.“ So will ich einmal für mehr Klarheit sorgen und die Unterschiede zwischen Rhetoriktraining und Kommunikationstraining aufzeigen.

    Was bedeutet überhaupt Rhetorik?

    Rhetorik ist ein altes griechisches Wort und bezeichnet die Kunst der Rede. In der Antike hatte die Rhetorik eine außerordentliche Bedeutung: Sie war das Leitfach, an dem sich andere Fächer zu orientieren hatten. Es gab Rhetoriklehrer und bereits Rhetorikhandbücher. Auch im Mittelalter gehörte die Rhetorik noch zu den wichtigsten Künsten.

    Zur Zeit der Aufklärung und Romantik verlor die Rhetorik an Bedeutung. Durch die Nationalsozialisten wurde sie propagandistisch so vereinnahmt, dass sie regelrechte Verachtung erfuhr. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts gibt es wieder einen differenzierten Umgang mit Rhetorik und sie wird wissenschaftlich von verschiedenen Fachrichtungen erforscht.

    Zum einen geht es um die Kunst, Menschen von einer Ansicht zu überzeugen oder zu einer Handlung zu bewegen, zum anderen um die Wissenschaft vom wirksamen Reden.

    Und was ist Rhetoriktraining?

    In den verschiedenen Angeboten geht es oft um souveränes Präsentieren, überzeugende Ausdrucksfähigkeit und einsetzen von Stilmitteln, Überzeugungskraft durch Körpersprache, Schlagfertigkeit, effektives Einsetzen der Stimme sowie die Vorbereitung von Auftritten. Auch der durchdachte Inhalt und die Struktur einer Rede können Thema sein. Häufig geht es darum, mit der Rede die Zuhörer:innen zu überzeugen, also um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. 

    Heike Brandl bei Kommunikationstraining-Seminar

    Für wen ist Rhetoriktraining geeignet?

    Meist werden Menschen angesprochen, die präsentieren wollen oder müssen. Es gibt spezielle Rhetoriktrainings zum Erlernen von Strategien gegen Lampenfieber und Blackouts. Rhetoriktraining für Führungskräfte setzen Schwerpunkte in Verhandlungssicherheit und überzeugender Argumentation im direkten Gespräch. 

    Was bedeutet überhaupt Kommunikation?

    Kommunikation (Wikipedia, Abruf vom 05.04.22) ist der Austausch von Informationen auf verbale und nonverbale Art und beinhaltet sowohl Sprechen wie Schreiben. Zu den Informationen zählen in diesem Zusammenhang nicht nur Zahlen, Daten, Fakten sondern auch Wahrnehmungen, Empfindungen, Erfahrungen und Erkenntnisse.

    Kommunikation ist einerseits alltäglich und wird nicht ständig hinterfragt. Weder über Inhalte noch Formen der Kommunikation machen wir uns im Alltag Gedanken. Wir reden einfach drauf los. Meist funktioniert das problemlos. Erst bei Missverständnissen und Misserfolgen kommen wir ins Grübeln.

    Es gibt ganz unterschiedliche Zugangswege zum Thema. Zum Beispiel hören wir von Interkultureller Kommunikation, Mensch-Maschine-Kommunikation oder Gebärden-unterstützter Kommunikation, je nachdem in welchem Kontext wir uns bewegen. Natürlich gibt es auch eine Kommunikationswissenschaft.

    Sprachwissenschaft (Linguistik) gibt es ebenso. Sie untersucht die Prinzipien, Regeln und Bedingungen einer konkreten Sprache. 

    Was ist dann Sprach- und Kommunikationstraining?

    Man kann nicht nicht-kommunizieren.“
    Paul Watzlawick

    sagte der berühmte Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick (Paul Watzlawick, Janet H. Beavin, Don D. Jackson. Menschliche Kommunikation. Huber Bern Stuttgart Wien 1969, S. 53).

    Sprach- und Kommunikationstraining trainiert die Fähigkeiten, in den unterschiedlichsten beruflichen und privaten Gesprächssituationen erfolgreicher zu sein. Oft geht es um Kommunikation mit „schwierigen“ Mitarbeiter:innen und Kund:innen, um Umgang mit Konflikten, um Führungsqualitäten. 

    Satzzeichen symbolisieren Satzarten - im Kommunikationstraining nutzen wir solche Veranschaulichungen
    Bist du dir darüber klar, welche Satzart gerade passend ist?

    Was ist das LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationstraining?

    Im LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationstraining beruht auf dem LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationskonzept. Dabei betrachten wir differenziert die Sprache eines Menschen und machen deren Wirkung bewusst. Wir entwickeln gemeinsam mit den Coachees oder Teilnehmer:innen im Seminar, welche weiteren Möglichkeiten es dann gibt. Da geht es z.B. um Alternativen für eine bestimmte Formulierung. Ich nenne bei den folgenden Punkten nur eine kleine Auswahl an Beispielen.

    • Wie ist der Wortschatz? Benutzt du häufig „müssen“, Füllwörter wie „eigentlich“ oder sprichst von „Kopfzerbrechen“? Was bedeutet für dich ein bestimmtes Wort?
    • Wie ist der Satzbau? Bildest du vollständige Sätze oder lässt du häufig das „ich“ am Satzanfang weg?
    • Gebrauchst du eine sinnvolle Grammatik? Bildest du einen Aufforderungssatz, wenn du jemand zu etwas aufforderst? Oder sagst du: „Der Mülleimer ist voll.“ und erwartest, dass dein Gegenüber erkennt, was zu tun ist?
    • Wie sind deine individuelle Sprachmelodie und die Sprechgeschwindigkeit? Sie haben unterschiedliche Wirkungen.
    • Ist der Inhalt deiner Botschaft klar? Ist sie wertschätzend?
    • Wir zeigen dir, wie du deine persönliche Präsenz in Gesprächen verbesserst.
    • Wir sprechen über deine Werte und welchen Einfluss sie auf deine Sprache haben.
    • Wir zeigen dir, aus welchen 5 Schritten ein Gespräch besteht – das LINGVA ETERNA Kommunikationsmodell – und wie du es in Alltagssituationen anzuwenden lernst. Mit einer Routine darin wird dir die Umsetzung auch in schwierigen Gesprächen gelingen.

    Im Grunde ist ein LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationstraining Persönlichkeitsentwicklung. Du bringst damit Ordnung, Klarheit und Struktur in deine Gespräche, deine Sprache und damit in dein Leben. 

    Für wen ist LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationstraining geeignet?

    LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationstraining ist für Fach- und Führungskräfte aller Branchen geeignet. Im Unterschied zum Rhetoriktraining geht es beim Kommunikationstraining um die allgemeine Kommunikation im Dialog. Ich nenne eine Auswahl an Menschen, für die es geeignet ist:

    • Lehrer:innen, die die Kinder verbal besser erreichen wollen,
    • Abteilungsleiter:innen, die ihr Team leichter führen wollen,
    • Kita-Leiter:innen, die sich in Elterngesprächen mehr Sicherheit wünschen oder
    • Ausbilder:innen in Handwerk und Pflege, die den richtigen Führungsstil für eine dauerhafte Bindung ihrer Azubis kennenlernen wollen.

    Bitte beachte: Auch Eltern sind Führungskräfte 😉

    Nun hoffe ich, dass dir der Unterschied zwischen Rhetoriktraining und Kommunikationstraining deutlich wurde.


    Im KommunikationsCoaching begleite ich ganz individuell bei deinen beruflichen und familiären Herausforderungen. Hast du Interesse an einem Seminar, ein Training für deinen Betrieb oder deine Einrichtung?

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