Was ist das Lingva Eterna Kommunikationsmodell?

LINGVA ETERNA Kommunikationsmodell
Lingva Eterna Kommunikationsmodell

Kommunikationsmodelle gibt es verschiedene. Bestimmt hast du schon vom 4-Ohren-Modell (nach Friedemann Schulz von Thun) gehört, vielleicht auch von Modellen der Transaktionsanalyse, dem Neurolinguistischen Programmieren oder vom Modell Paul Watzlawicks. Sicher ist es nützlich zu wissen, dass sich manches unter der Oberfläche verbirgt, wie beim Eisberg-Modell von Sigmund Freud. Aber was nützen dir diese Modelle tatsächlich in einer realen Gesprächssituation?

Ich stelle dir hier ein Kommunikationsmodell vor, das dich durch jedes einzelne Gespräch führt: Das LINGVA ETERNA Kommunikationsmodell.

Was ist das LINGVA ETERNA Kommunikationsmodell?

Dieses Modell besteht aus 5 Schritten, die ich hier kurz erläutere:

  1. Intention
    Der erste Schritt findet bereits vor Beginn eines Gesprächs statt. Mache dir bewusst, worum es dir geht. Was ist deine Absicht oder der Sinn dieses Gesprächs? Was willst du erreichen? Was ist also deine Intention? Manchmal folgen daraus noch weitere Fragen: Ist die Person vor dir die richtige Ansprechpartnerin? Ist jetzt die passende Zeit, der passende Ort?
  2. Ansprache
    Wähle je nach Situation die passende Ansprache. Dazu gehören eine Begrüßung, ein Ansprechen mit dem Namen, Blickkontakt. Manchmal sind ein paar Sätze „warm-up“ angemessen. Es ist gut, einen Augenblick innezuhalten, bis die Gesprächspartnerin ihre Aufmerksamkeit auf dich ausgerichtet hat.
  3. Rahmen
    Gib der Gesprächspartnerin eine Rahmeninformation. Worum geht es hier gerade? Hole sie ins Bild. Hier fasst du das in Worte, was du im Schritt 1 für dich geklärt hast.
  4. Diskurs
    Nun geht es in den Austausch. Du stellst deine Frage – die Gesprächspartnerin antwortet. Manchmal geht das eine Weile hin und her. Oder du erzählst etwas – der Gesprächspartner fragt nach.
  5. Abschluss
    Ist das Thema abgeschlossen oder das Gespräch neigt sich dem Ende zu, so finde einen runden Abschluss. Je nach Situation folgen hier ein oder mehrere Elemente: eine Zusammenfassung des Besprochenen, gute Wünsche, ein Dank, eine weitere Verabredung, ein Abschiedsgruß.

Wie sieht die praktische Anwendung aus?

Situation Kinderzimmer: Dein 4jähriges Kind spielt morgens vertieft mit seinen Bausteinen. Du willst es nun in die Kita bringen.

  1. Intention: Dein Kind soll zügig in die Garderobe kommen, so dass ihr euch anziehen und gehen könnt.
  2. Ansprache: Gehe zu ihm ins Kinderzimmer, begib dich auf Augenhöhe und sprich es an: „Tim, – (Pause) ah, ich sehe, dass du wieder eine Garage für die Feuerwehr baust.“ (Pause – vielleicht kommentiert Tim nun auch).
  3. Rahmen: „Jetzt ist es Zeit für den Kindergarten. Heute Nachmittag wirst du weiterbauen können.“
  4. Diskurs: „Bitte komm jetzt mit in die Garderobe! (optional z.B.: „Schau, heute ist Regenwetter. Was brauchst du denn da zum Anziehen?“ – oder: „Magst du mit deiner Freundin Mila im Kindergarten auch was bauen?“) – So kommt das Gespräch in einen Fluss.
  5. Abschluss: „So, nun sind wir beide startklar. Lass uns losgehen.“
Heike Brandl
Gute E-Mails schreiben ist nützlich

Situation E-Mail schreiben:

  1. Intention: Du willst eine Versicherung kündigen.
  2. Ansprache: „Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, „
  3. Rahmen: „ich habe bei Ihnen eine Reiseversicherung mit der Vertragsnummer 1234567.“
  4. Diskurs: „Hiermit kündige ich diese Versicherung fristgerecht zum 18.01.22 (Ende des Versicherungsjahres).“
  5. Abschluss: „Mit freundlichem Gruß“

Situation Stadtbummel: Du bist mit deinem Partner unterwegs beim Einkaufen und hast Lust auf Kaffee und Kuchen.

  1. Intention: Du willst ins Café gehen.
  2. Ansprache: „Matthias, …
  3. Rahmen: „… wir sind schon eine Weile unterwegs. Ich brauche eine Pause und habe Lust auf Kaffee und Kuchen.“
  4. Diskurs: „Wie ist es mit dir? Hast du auch Appetit?“ – Matthias hat zwar auch Lust auf Kuchen, will aber lieber zu Hause noch das Biathlon-Rennen anschauen. Ihr einigt euch darauf, beim Bäcker Kuchen mitzunehmen.
  5. Abschluss: „Gut, dann lass uns einen Kuchen holen und die übrigen Sachen nächsten Samstag erledigen.“

Das letzte Beispiel zeigt: Es geht nicht darum zu gewinnen und die eigene Absicht durchzusetzen. Es geht darum, präsent, klar und wertschätzend Gespräche zu führen. Wichtig ist es, im Dialog zu bleiben.

Missverständnis zwischen zwei Personen
Missverständnisse?

Was passiert, wenn du einzelne Schritte weglässt?

  1. Die Intention fehlt: Nehmen wir an, du sagst zu deinem Kind im Kinderzimmer „Wie siehts denn hier aus?“- Was wird dann wahrscheinlich passieren? Ein fragender Blick deines Kindes, schließlich fühlt es sich zum Spielen so wohl. Sonst nichts. Willst du morgens um halb acht wirklich eine Diskussion über Ordnung im Kinderzimmer anfangen? Nein? Dann lass es einfach. Atme durch und begib dich in die Perspektive des Kindes.
  2. Die Ansprache fehlt: Hast du auch schon mal eine Frage oder Aufforderung in den Raum gerufen und dich gewundert, dass keine Reaktion gefolgt hat? Das liegt daran, dass du keinen Kontakt hergestellt hast. Nehmen wir das Beispiel mit dem Kind von oben. Rufst du aus dem Bad „Anziehen, wir müssen los.“ so fehlt hier der Kontakt. Das Kind fühlt sich nicht angesprochen und wird auch kaum reagieren. Es ist vertieft in sein Spiel. Oft geht es dann weiter: „Kannst du nicht hören? …“ Dabei war es erstmal dein Fehler.
  3. Der Rahmen fehlt: Versäumst du es, deiner Versicherung die Vertragsnummer mitzuteilen, wird sie nachfragen. Es entsteht ein Mehraufwand auf beiden Seiten und womöglich läuft sogar die Frist ab.
  4. Der Diskurs fehlt: Sagst du deinem Partner nur „Ich brauche eine Pause.“ kann er auch annehmen, dass du eine Weile auf die Parkbank sitzen willst.
  5. Diskurs und Rahmen sind vertauscht: Nehmen wir an, du hast eine Reklamation bei einem Handwerker und rufst an: „Das geht so überhaupt nicht, Sie haben die Anschlüsse vertauscht und da müssen Sie nochmal herkommen und das richtig machen. Es geht um die Baustelle in der Ahornstraße 22, …“ Selbsterklärend, oder? Natürlich will die Firma erstmal wissen, worum es geht.
  6. Der Abschluss fehlt: Hattest du schon mal nach einem Gespräch das Gefühl, dass etwas Wesentliches gefehlt hat? Oftmals handelt es sich dabei um den Abschluss. Ihr habt versäumt, Absprachen nochmal zu wiederholen oder auch zu sagen: „Hm, da kommen wir heute nicht weiter. Lass uns nächsten Montag nochmal darüber sprechen.“

Wer hat das LINGVA ETERNA Kommunikationsmodell entwickelt?

Die Sprachwissenschaftlerin Mechthild von Scheurl-Defersdorf begründete in den 1990er Jahren das LINGVA ETERNA Kommunikationskonzept. Es beruht auf den den drei Säulen Präsenz, Klarheit und Wertschätzung. Seit 2004 entwickelte sie es gemeinsam mit dem Arzt und Neurowissenschaftler Dr.med. Theodor von Stockert weiter.

Mit dem Konzept für mehr Präsenz in Gesprächen, Klarheit im Ausdruck (Wortschatz, Satzbau, Grammatik) und Wertschätzung gegenüber den Gesprächspartner:innen ließ sich die Kommunikation schon wesentlich verbessern. Von Stockert merkte jedoch, dass noch etwas entscheidendes fehlte: Eine Struktur, die durch den Kommunikationsprozess führt.

Von Stockert war langjähriger Leiter einer Klinik und nach seiner Pensionierung als Ausbilder am LINGVA ETERNA Institut in Erlangen tätig. Er entwickelte mit seinem Hintergrund aus Neurobiologie und seiner jahrelangen Erfahrung aus Seminaren und Ausbildungen 2015 das praxisorientierte Modell.

Willst du lernen, damit zu kommunizieren?

In diesem Artikel habe ich einfache Beispiele für die Anwendung ausgewählt. Wie überall ist es sinnvoll, eine neue Technik oder Kompetenz erstmal in Standard-Situationen anzuwenden und einzuüben. Erst mit einiger Sicherheit wird es dir gelingen, auch herausfordernde Situationen damit zu meistern. Und falls es nicht sofort funktioniert: Frage dich, ob du wirklich alle Schritte gegangen bist?

  • Ist deine Intention klar gewesen?
  • Hast du einen guten Kontakt hergestellt und deinen Gesprächspartner angesprochen?
  • Hast du ihm eine Rahmeninformation gegeben?
  • Seid ihr im Diskurs gewesen?
  • Habt ihr einen guten Abschluss gefunden?

Brauchst du mehr Unterstützung für deine Kommunikation? Ich habe meine Ausbildung zur Sprach- und Kommunikationstrainerin bei Mechthild von Scheurl-Defersdorf und Dr. Theodor von Stockert gemacht.

Es ist noch kein Kommunikationsmeister vom Himmel gefallen. Auch ich habe die Bausteine einer klaren und wertschätzenden Kommunikation gelernt. Das wird auch dir gelingen.“

Heike Brandl
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Kategorisiert in Kommunikation

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