Ich habe es getan. Quer durchs Haus die Kinder gerufen, immer lauter werdend. Ohne Erfolg. Bis ich erfuhr, dass der Schlüssel zur Botschaft der Kontakt ist.
Was habe ich genau falsch gemacht?
Wie war das damals? Ich rief durch das Haus zum Aufstehen, Essen, Gehen. Als meine Kinder spielten, vertieft waren in Träume, Geschichten, Hausaufgaben. Als meine Kinder Teenager waren, im oberen Stockwerk hinter geschlossenen Türen schlafend, Musik hörend, lesend. Ich rief zweimal, dreimal, stieg dann genervt die Treppe hoch und polterte ins Zimmer: „Kannst du nicht hören?“
Du kannst dir die Reaktionen vorstellen: ebenso genervt, pampig, Stimmung im Eimer. Natürlich konnten sie nicht hören. Sie hörten nämlich nichts. Türen geschlossen, manchmal Musik, immer in irgendwas vertieft, in eigenen (Spiel-)Welten und Gedanken. Es war kein Kontakt zwischen uns da. Ich hatte es versäumt, diesen Kontakt herzustellen.
Hätte ich es besser wissen müssen?
Dabei waren meine Kinder doch kooperationsbereit und gut erzogen (schließlich bin ich vom Grundberuf Erzieherin 😉). Doch das mit dem Kontakt wusste ich wirklich nicht. Weder in meiner Ausbildung noch im Studium zur Heilpädagogin war das ein Thema. Im Rahmen von „Gesprächsführung“ ging es um Warm-ups, Sender und Empfänger und Ich-Botschaften. Doch niemals darum: Wie erreiche ich die Aufmerksamkeit von Menschen, die gerade etwas anderes tun?
Ich hätte das wissen und können müssen, so dachte ich viele Jahre. Warum bin ich nicht selbst auf die Lösung gekommen? Seit ich sie kenne, erscheint sie mir so logisch. Dabei weiß ich heute, dass das oft so ist: Wir haben unsere blinden Flecken in den Themen, in denen wir scheinbar besonders kompetent sind.
Der Wendepunkt: Mein erstes LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationsseminar
Anfang 2014 nahm ich an meinem ersten LINGVA ETERNA Seminar teil. Und das war der Wendepunkt. Die Kontaktaufnahme mit den drei A ist eines der wichtigsten Elemente des LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationskonzepts. Und es war für mich ein riesiges Aha-Erlebnis. Es war, als ob ich plötzlich einen Schlüssel, einen Zugang gefunden hätte.
Ich lernte, wie es geht, die Aufmerksamkeit einer Person zu erreichen, die gerade etwas anderes tut:
- Ich spreche ihn oder sie mit dem Namen an (Ansprechen).
- Ich stelle Blickkontakt her (Anschauen).
- Ich halte einen Augenblick inne und atme (Atmen).
Meine Kinder waren damals 16 und 14 Jahre alt. Und ich nutzte diese Chance, die ich entdeckt hatte. Mit den drei A gelang es wesentlich leichter, in Kontakt zu gehen und anschließend meine Botschaft zu vermitteln.
Das hat sich dadurch verändert
Bald entdeckte ich, dass das Ansprechen mit dem Namen natürlich nicht aus großer Distanz durch Haus oder Garten oder mit geschlossenen Türen wirklich funktionierte. Es gehört also dazu, gleich die Treppe hochzugehen, bei den Teenagern zu klopfen und sie erst dann freundlich anzusprechen.
Ich erfuhr, wie wertvoll es für ein Kind sein kann, seinen Namen freundlich zu hören. Der wohlwollend ausgesprochene Name vermittelt dem Kind die Wertschätzung seiner Person. Auch wenn es kritische Punkte zu besprechen gibt, die sein Verhalten oder Handeln betreffen.
Im Blickkontakt entsteht dann der Kontakt, eine echte Aufmerksamkeit füreinander. Viele Jahre später lernte ich außerdem, dass der Blickkontakt einen entscheidenden Effekt für die Beziehung hat: Im Blickkontakt wird das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet. Das ist doch wunderbar für Eltern-Kind-Beziehungen.
Ich erlebte, wie wirksam die kleine Atempause vor dem Weitersprechen ist. Sie gibt kleinen und großen Kindern – ebenso wie allen anderen Menschen – die Gelegenheit, sich aus ihren Gedanken, ihrem Spiel, ihrer Arbeit zu lösen. Und mir als Sprecherin dann folgen zu können. Und meine Botschaft zu hören, aufzunehmen und sich entsprechend dazu zu verhalten.
Wie froh war ich, einen großen Teil der Spannung aus den Beziehungen zu meinen Teenagern nehmen zu können. Ich brauchte nicht die Teenager zu verändern, ich konnte meine eigene Kommunikation weiterentwickeln und unser Zusammenleben damit erheblich erleichtern.
Das Geständnis war unbequem – doch Transparenz ist mir wichtiger
Puh, Fehler einzugestehen ist immer eine Herausforderung. Ich glaube, für mich wurde das Zeit. Schließlich schreibe ich gerade an einem Ratgeber für Eltern. Kommunikation und so …
Für dich ist eines wichtig zu wissen: Du kannst jederzeit beginnen, an deiner Kommunikation etwas weiter zu entwickeln. Und vielleicht hast du einen anderen blinden Fleck, fragst dich, warum deine Botschaften nicht ankommen, warum du nicht gehört wirst. Dann melde dich bei mir. Ich helfe dir gern weiter.







