Kennst du das? Du hast heute schon gefühlte 100-Mal geduldig erklärt, getröstet, gewartet, motiviert, und dann will dein Kind einfach nicht schlafen. Vor lauter Übermüdung rutscht dir ein Satz raus, den du eigentlich gar nicht sagen wolltest.
Ich sammle solche Momente seit über 30 Jahren – als Erzieherin, als Diplom-Heilpädagogin in eigener Praxis, als Dozentin in Kita-Fortbildungen und als LINGVA ETERNA Kommunikationstrainerin. Und als Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Kindern kenne ich die meisten dieser Momente auch ganz persönlich, nicht nur aus der Theorie.
Das Wichtigste in Kürze
– Hier sammle ich 133 konkrete Kommunikationstipps für Eltern – aus über 30 Jahren als Erzieherin, Heilpädagogin und Kommunikationstrainerin und aus über 50 eigenen Blogartikeln.
– Der wichtigste Grundsatz zuerst: Reguliere dein eigenes Nervensystem, bevor du mit deinem Kind sprichst – erst dann wirkt jeder Kommunikationstipp.
– Die Tipps sind in 9 Kapitel sortiert, von Nervensystem und Stress über klare Sprache bis zu schwierigen Situationen.
– Jeder Tipp funktioniert einzeln für sich – nimm dir einfach das mit, was gerade in deinen Alltag passt.
– Basis meiner Arbeit sind das LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationskonzept und aktuelles Nervensystemwissen.
Tipps um Nervensystem und Stress zu verstehen
Alles beginnt bei dir selbst. Bevor irgendein Kommunikationstipp wirkt, ist es hilfreich, wenn dein eigenes Nervensystem einigermaßen ruhig ist. Das ist der Kern meiner Methode Nervenklar reden.
- Beobachte deinen eigenen Stresslevel, bevor du mit deinem Kind sprichst. Ich arbeite seit über 30 Jahren mit Familien und Kita-Teams, und das ist für mich immer noch der wichtigste erste Schritt.
- Reguliere zuerst dein eigenes Nervensystem, dann kannst du das deines Kindes mitregulieren – leg dir sozusagen selbst zuerst die Sauerstoffmaske an, bevor du deinem Kind hilfst.
- Atme bewusst langsam durch die Nase aus, wenn du gestresst bist – das senkt deine Herzfrequenz spürbar.
- Halt inne, sobald du merkst, dass ein altes Muster in dir aktiviert wird.
- Konzentrier dich in unsicheren Momenten auf deinen stabilen Stand und deine Atmung. Ändere bewusst deine Körperhaltung, wenn du merkst, dass dich der Stress packt.
- Spür in dich hinein und finde heraus, wo genau in deinem Körper du den Stress spürst.
- Streich Stresswörter wie „schnell“, „müssen“ und „beeilen“ aus deinen Sätzen zu deinem Kind. Ihr müsst euch nicht beeilen, wenn ihr zum Spielplatz wollt, zum Bäcker, zur Oma. Behalte diese Wörter für „wirklich dringend“ in Reserve.
- Sag nicht „Jetzt beruhige dich doch mal!“, wenn dein Kind mitten im Stress steckt – das macht es meistens nur schlimmer. Worte kommen in diesem Moment nicht an. Sei einfach da.
- Beruhige dein Kind mit in den Arm nehmen, Trösten, Ablenken, Bewegung oder gemeinsamem Atmen. Ich befasse mich seit einigen Jahren intensiv mit dem Thema Nervensystem und habe dazu eine Weiterbildung zur Stressregulation absolviert.
- Nutze das „Handmodell“ des Gehirns, um deinem Kind große Gefühle anschaulich zu erklären. Ich habe das Buch dazu 2021 zum ersten Mal gelesen und konnte seitdem vielen Eltern und Fachkräften damit erklären, warum Kinder in Überforderung gerade nicht erreichbar sind.
- Frag dein Kind: „Stell dir vor, du bist ein Handy – wie voll ist dein Akku gerade?“
- Biete eine kleine Trink- oder Esspause an, das senkt nachweislich den Adrenalinspiegel.
- Warte mit dem klärenden Gespräch, bis sich das Nervensystem deines Kindes wieder beruhigt hat – meistens reichen 7 bis 10 Minuten, wenn kein weiterer Stress dazu kommt.
- Probier die 4-6-Atmung: vier Sekunden einatmen, sechs Sekunden ausatmen.
- Führ bei akutem Stress die Schmetterlingsumarmung durch: Arme vor der Brust kreuzen und abwechselnd links und rechts klopfen. Ich habe diese S-O-S-Übungen von Kati Bohnet kennengelernt und mache sie mindestens einmal pro Woche.
- Schau dich um und zähl alle schönen Dinge, die du gerade siehst. Das holt dich aus dem Gedankenkarussell.
- Atme einmal bewusst durch, bevor du mit deinem Kind sprichst – dieser eine Atemzug macht oft schon den Unterschied. Eine Teilnehmerin aus meinem Seminar hat es mal so formuliert: Wenn sie stressfrei ist, spricht sie gelassen – und umgekehrt.
Du findest meine Tipps cool, hilfreich und empfehlenswert? Dann freue ich mich über deine Unterstützung. Ich freue mich, wenn du in meine virtuelle Kaffeekasse etwas „einwirfst“.
Tipps für Selbstfürsorge und Gelassenheit im Alltag
Du kannst nur so viel Ruhe weitergeben, wie du selbst hast. Deshalb gehört Selbstfürsorge für mich untrennbar zu Kommunikation dazu.
- Sag öfter Nein zu zusätzlichen Terminen und Aufgaben.
- Achte auf ausreichend Pausen und genug Schlaf.
- Mach eine Atemübung, statt durch Social Media zu scrollen.
- Sprich mit dir selbst so freundlich wie mit deiner besten Freundin. Wenn ich meinen Schlüssel vergesse, sage ich nur „Oh nein, nicht schon wieder …“ zu mir selbst statt mich als Schussel zu beschimpfen.
- Schreib dir zwei Listen für stressige Tage – Ideen für eine 5-Minuten-Pause und für eine 30-Minuten-Pause.
- Setz wertschätzende Grenzen, wenn dir Krankheitsgespräche zu viel werden. Ich erlebe in meinem Umfeld oft Gespräche über Krankheiten statt über Gesundheit und antworte dann manchmal ganz direkt: „Du, jetzt ist es genug. Lass uns über etwas anderes reden.“
- Schreib dir neue, positiv formulierte Sätze auf und kleb sie sichtbar an den Spiegel.
- Füll deinen eigenen Bedürfnistank regelmäßig auf, bevor er ganz leer ist.
- Nimm dir die Wörter „zufrieden“ und „Zufriedenheit“ bewusst in deinen aktiven Wortschatz. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Zufriedenheit auch in herausfordernden Zeiten möglich ist, wenn wir auf das sehen, was wir dennoch haben.
- Beobachte eine Weile bewusst, wie oft du Dinge und Menschen bewertest. Auch ich gerate immer wieder in diese Falle und ertappe mich dabei, andere zu bewerten. Und mache mir – meistens – dann bewusst, dass mir das nicht zusteht.
- Trau dich, auch mal Nein zu sagen, wenn dich jemand zum Bleiben überreden will. Prüfe deine Entscheidung daraufhin, ob dir das Bleiben gut täte.
- Wende die 80/20-Regel an: 80 Prozent Einsatz reichen für 80 Prozent Ergebnis, der Rest ist Perfektionismus. Mit zwei Kleinkindern hatte ich schlicht keine Energie mehr, um Babynahrung selbst zu kochen, und griff dann auf Fertigprodukte zurück – und das war okay.
- Halte dir Nüsse und Obst griffbereit, das ist die schnellste Nervennahrung im stressigen Alltag. Obst war für mich als junge Mama immer meine Rettung, heute vertraue ich eher auf Nüsse.
- Etabliere eine feste Morgenroutine mit Frühstück. Seit meinem 6:30-Uhr-Dienstbeginn im Wohnheim frühstücke ich konsequent. Ohne Frühstück würde ich bei der ersten Gelegenheit grantig reagieren …
- Setzt euch als Familie zusammen und besprecht, wie die Weihnachtsfeiertage für alle entspannter laufen können. Überleg dir, was letztes Jahr richtig anstrengend war, und plane dieses Jahr bewusst eine Alternative dafür.
- Prüfe deinen Wochenplan regelmäßig auf Balance zwischen Terminen und Pausen. Leg nach Kita oder Schule ein festes Pausen-Ritual ein, zum Beispiel gemeinsam Tee oder Kakao trinken.
- Ersetz den Gedanken „Ich habe versagt“ durch „Ich tue, was ich kann.“
- Sag dir „Gut ist gut genug“, wenn der Anspruch an elterliche Perfektion dich stresst. Kinder kommen klar mit Fehlern. Und es wichtig für sie, dass sie den Umgang mit Schwächen von dir lernen.
Tipps rund um deine eigene Sprache: Klar sprechen
Bevor du an der Kommunikation mit deinem Kind feilst, lohnt sich der Blick auf deine eigene Sprache. Kleine Wörter machen oft einen großen Unterschied.
- Verzichte auf Füllwörter wie „eigentlich, irgendwie, also, quasi“. Sie machen deine Botschaft schwammig.
- Früher habe ich selbst in Schachtelsätzen geredet, und meine Stimme blieb am Satzende oft „oben“. Kurze, klare Sätze mit einem hörbaren Punkt (d.h. die Sprachmelodie senkt sich am Satzende) wirken souverän. Bau kurze, vollständige Hauptsätze statt verschachtelter Nebensätze.
- Übe deine Sprechweise ruhig mal allein, wenn dich niemand hört, zum Beispiel beim Bügeln oder Autofahren. Genau so habe ich selbst geübt.
- Sag zu dir selbst lieber „Das kann ich noch nicht“ statt „Das kann ich nicht“. So erfährt auch dein Kind, dass Lernen und Entwicklung möglich ist.
- Höre dir mal eine Weile bewusst selbst zu und schreibe deine eigenen Sprachmuster auf.
- Schreibe Kurznachrichten, SMS und E-Mails in ganzen Sätzen, dann rutschen dir auch im Gespräch weniger Stummelsätze raus.
- Bitte eine Vertrauensperson, dich drei Mal am Tag auf ein Wort hinzuweisen, das du loswerden willst.
- Hänge dir einen Notizzettel mit deinem Sprachziel an einen Ort, an dem du ihn oft siehst. Eine Erzieherin aus meinem Seminar hängte spontan das Wort „müssen“ an ihre Schranktür.
- Achte auf deine ersten Sätze, wenn du morgens am Arbeitsplatz ankommst – sie geben den Ton für den ganzen Tag vor.
- Mache dir deinen eigenen „kriegerischen“ Wortschatz bewusst – Wörter wie kriegen, kämpfen oder Bombenwetter schleichen sich schneller ein, als man denkt. Ich habe diesen Gedanken schon 2019 geschrieben, lange bevor 2022 tatsächlich ein Krieg in Europa ausbrach.
- Wähle eine einzige Situation, in der du oft kriegerische Wörter benutzt, und probiere vier Wochen lang bewusst eine neue Formulierung dafür aus.
- Nutze die Wörter „Frieden“ und „friedlich“ aktiv in deinem Alltag. Benenne friedliche Momente ausdrücklich als „friedlich“, dann lernen Kinder das Wort ganz nebenbei kennen.
- Nimm dir jede Woche ein einzelnes Wohlfühlwort vor und baue es bewusst in deine Sätze ein. Sprich öfter das Wort „Achtsamkeit“ aus, dann taucht mehr davon auch im Gespräch mit anderen auf.
- Sage „ich werde“ statt „ich muss“, das nimmt dir den Druck aus dem Satz. Hebe dir das Wort „muss“ für wirklich Dringendes auf, sonst verliert es seine Kraft.
- Ersetze ein zaghaftes „ich möchte“ durch ein klares „ich will“ oder „ich will gerne“.
- Sprich in ganzen Sätzen mit „ich“ statt in Stummelsätzen wie „komme gleich“ oder „bin im Garten“.
- Nutze für Dinge, die erst noch passieren, die Zukunftsform – sag „wir werden gleich losfahren“ statt „wir müssen jetzt los“.
Tipps rund um die richtigen Worte für dein Kind
Manche Sätze sind wie kleine Schlüssel. Sie öffnen ein Gespräch, statt es zuzumachen.
- Sag statt „Mach dich fertig, wir müssen los“ lieber „In fünf Minuten gehen wir los.“ Ich habe diesen Satz jahrelang morgens gesagt, wenn ich meine Tochter um 6:35 Uhr zum Zug brachte. Er sorgte regelmäßig für Stirnrunzeln und genervtes Murren – meine Tochter hat mir später bestätigt, wie nervig die alte Formulierung war.
- Frag „Hast du alles, was du brauchst?“, statt einfach nur eine Anweisung zu geben.
- Sprich in kurzen, vollständigen Sätzen nach dem Muster „Wer tut was“. Im Coaching erlebe ich immer wieder, dass Eltern sich unverständlich ausdrücken.
- Nutz die 3-A-Methode – Ansprechen mit Namen, Anschauen, Atempause – erst dann kommt deine Aufforderung.
- Sage zuerst den Namen deines Kindes, mach dann eine kurze Pause, damit es den Fokus wechseln kann, und erst danach kommt deine Bitte. Ich erzähle in diesem Artikel, wie oft ich selbst als junge Mutter quer durchs Haus gerufen habe und mich ärgerte, dass keiner reagierte – dabei war das mein eigener Fehler.
- Sprich dein Kind mit seinem vollen Namen an, wenn du wirklich gehört werden willst, und heb dir Kosenamen für kuschelige Momente auf. Eine Teilnehmerin erzählte mir mal, dass ihr Partner sie fast nur mit Kosenamen ansprach – nur der volle Name signalisierte ihr, dass es gerade ernst wurde.
- Kündige Übergänge im Tagesablauf rechtzeitig an – und zwar in kurzen, vollständigen Sätzen.
- Benenne die Gefühle deines Kindes regelmäßig, damit es dafür Worte bekommt.
- Sag deinem Kind konkret, was es tun soll, statt nur zu sagen, was es lassen soll. Botschaften mit „nicht“ kommen im Gehirn schlecht an.
- Sag statt „Ist doch nichts passiert!“ lieber, was du wirklich siehst und fühlst – dein Kind merkt sonst, dass es nicht ernst genommen wird.
- Sag deinem Kind bei Schwierigkeiten ruhig: „Du wirst das lernen.“ Ich habe viele Kinder in ihrer Entwicklung begleitet und damit gute Erfahrungen gemacht.
- Frag dich vor jedem kritisierenden Satz an dein Kind: Würde ich das genauso zu meiner besten Freundin sagen?
- Beschreib sachlich und freundlich, was du siehst, statt gleich zu schimpfen.
- Stell deinem Kind offene Fragen statt geschlossener Ja-Nein-Fragen, wenn du zum guten Sprachvorbild werden willst.
Tipps für Grenzen setzen ohne Strafen
Grenzen und Strafen sind zwei verschiedene Dinge. Das eine gibt Halt, das andere kostet vor allem Vertrauen.
- Sag deinem Kind, was es stattdessen tun darf, statt nur zu verbieten. Biete konkrete Alternativen an, zum Beispiel „Du darfst auf der Matratze hüpfen“ statt „Nicht auf dem Sofa“.
- Sorg selbst für genug Erholung, damit du deine Grenzen auch wahren kannst.
- Verteile Zumutungen im Alltag fair zwischen dir und deinem Kind.
- Unterscheide zwischen Bedürfnissen und Wünschen deines Kindes und erfüll nicht automatisch jeden Wunsch.
- Setz deinem Kind klare, deutliche und liebevolle Grenzen, ganz ohne Strafen.
- Ersetz Sätze wie „weil ich das sage“ durch echte Beteiligung deines Kindes.
- Prüf, ob deine Verhaltenserwartungen wirklich zum Entwicklungsstand deines Kindes passen.
- Führ Erziehungsgespräche mit deinem Kind unter vier Augen, nicht vor der ganzen Familie.
- Kündige Übergänge rechtzeitig an, zum Beispiel mit einem Lied, einem Timer oder einem Bewegungssignal, statt dein Kind zu überrumpeln.
- Wähle „Time-in“ statt „Time-out“ – bleib mit deinem Kind in Verbindung, statt es wegzuschicken.
- Frage dich in schwierigen Momenten ehrlich, ob du gerade aus Verbindung oder aus Kontrollbedürfnis handelst.
- Wenn dein Kind etwas falsch gemacht hat, besprecht gemeinsam, was beim nächsten Mal anders laufen könnte, statt es nur zu tadeln.
- Überleg dir vor dem Gespräch, wie eine Lösung aussehen könnte, mit der alle gut leben können.
- Zerlege Aufgaben für jüngere Kinder in einzelne Teilschritte, statt nur „räum dein Zimmer auf“ zu sagen. Meine Kids waren auch phasenweise Genies, die das Chaos beherrschten – das kenne ich also aus erster Hand.
Tipps rund um Verbindung und Vertrauen stärken
Verbindung ist die Grundlage, auf der alles andere aufbaut. Ohne sie hört uns niemand wirklich zu, nicht mal die eigenen Kinder.
- Nutz Körperkontakt, um deinem Kind Geborgenheit zu vermitteln.
- Sucht beim Reden bewusst Blickkontakt – das setzt Oxytocin frei und stärkt eure Verbindung. Das ist besonders vor einem wichtigen Satz hilfreich. Geh dann auf Augenhöhe mit deinem Kind.
- Übe aktives Zuhören, statt schon an deiner Antwort zu feilen.
- Frag konkret nach, zum Beispiel „Was hat dich heute besonders interessiert?“, statt nur „Wie war’s?“ zu fragen.
- Wenn sich dein Kind etwas wünscht, frag (dich) zuerst nach dem Bedürfnis dahinter, statt gleich einzukaufen.
- Gehe zu deinem Kind hin, statt quer durchs Haus oder über den Flur zu rufen.
- Berühre dein Kind kurz am Arm, wenn du seine Aufmerksamkeit brauchst.
- Zeige deinem Kind schon durch deine Körpersprache, dass du es verstanden hast, bevor du überhaupt etwas sagst.
- Verbinde dich erst emotional mit deinem Kind, bevor du es zur Lösung anleitest.
- Sei für dein Kind der sichere Hafen, wenn es gerade richtig Stress hat.
- Sag deinem Kind, wann du Zeit für es hast, statt nur „Ich hab jetzt keine Zeit“ zu sagen.
- Schenk deinem Kind regelmäßig ein paar Minuten volle, ungeteilte Aufmerksamkeit – in diesen Momenten tanken Kinder Kraft.
- Sag auch mal selbst „Es tut mir leid“, wenn du einen Fehler gemacht hast – dein Kind lernt von dir, wie man damit umgeht.
- Sprich den Namen deines Kindes immer freundlich aus – möglichst nicht genervt oder schimpfend.
- Gib deinem Kind selbst Aufmerksamkeit, bevor du sie von ihm einforderst.
- Leg dein Handy weg, wenn dein Kind mit dir redet oder dich um etwas bittet.
- Sag „Ich danke dir“ statt einem schnellen „Danke“, wenn du wirklich in die Verbindung gehen willst.
- Lass deinem Kind Zeit zu antworten und nimm seine Antwort ernst.
Tipps rund um Selbstwert stärken und richtig loben
Wie wir über unsere Kinder sprechen, wird irgendwann zu dem, wie sie über sich selbst sprechen.
- Streich das Wort „kindisch“ als Abwertung aus deinem Sprachgebrauch.
- Nutz das Wort „gelingen“ aktiv in deinem Sprachgebrauch.
- Danke deinem Kind für seine Kooperation, statt es dafür zu loben. Oft merken wir als Erwachsene gar nicht, dass und wie oft wir von Kindern Kooperation erwarten.
- Setz bei dem an, was dein Kind schon gut kann, statt bei seinen Schwächen.
- Sei vorsichtig mit Lob wie „Du kannst das doch schon so toll“ – das kann sich für dein Kind wie eine versteckte Erwartung anfühlen.
- Sag deinem Kind lieber „Erzähl mir davon“, wenn es dir ein Bild zeigt, anstatt es nur schön zu finden.
- Ersetz Pauschallob wie „toll“ oder „super“ durch eine genaue Beschreibung dessen, was du siehst. Ich ertappe mich selbst und mein Umfeld immer wieder dabei, in diese Gewohnheits-Falle zu tappen.
- Nutze neben Worten auch Lächeln und Nicken, um Wertschätzung zu zeigen.
- Benenn die Anstrengung, die dein Kind investiert hat, statt nur das Ergebnis zu loben.
- Verzichte auf Vergleiche mit anderen Kindern oder mit früheren Leistungen deines Kindes. Mein Sohn ist ein erfolgreicher Leistungssportler geworden – nicht, weil ich ihn dafür gelobt habe.
- Sag deinem Kind nie „Du bist ein Zappelphilipp“ oder ähnliche Etiketten – die bleiben hängen.
Tipps um schwierige Situationen zu meistern
Für die Momente, in denen es gerade so richtig kracht – im Kopf oder am Küchentisch.
- Sag klar, wenn dich ein Gespräch überwältigt, und bitte um eine Pause.
- Verzichte auf Multitasking, wenn es gerade brenzlig wird. Du kannst nicht gleichzeitig aufmerksam Auto fahren und ein Konfliktgespräch sinnvoll führen.
- Frag zu Beginn eines schwierigen Gesprächs erst „Was funktioniert schon?“, statt gleich mit dem Problem einzusteigen.
- Nutz ab und zu Kopfstand-Brainstorming – überlegt gemeinsam, wie ihr das Problem noch schlimmer machen könntet, dann seht ihr, was ihr lassen solltet.
- Frag bei einem Missgeschick statt zu schimpfen: „Hast du eine Idee, wie du es beim nächsten Mal anders machen kannst?“
- Warte nach einem großen Gefühlsausbruch deines Kindes erstmal sieben bis zehn Minuten, bis die Stresshormone abgeflaut sind, bevor du mit ihm über die Situation sprichst.
- Check erstmal, wann dein Kind zuletzt etwas gegessen hat, bevor du dich über fehlende Kooperation ärgerst. Häufig erlebte ich, dass Kinder ohne Frühstück in die Kita kamen – ich fragte Kinder deshalb oft, ob sie schon etwas gegessen haben.
- Frag dein Kind, ob es müde ist, Schmerzen hat oder aufs Klo muss, bevor du Unlust als Trotz abstempelst.
- Greif zu einem Bilderbuch, wenn dein Kind gerade ein schwieriges Thema verarbeitet – das macht vieles leichter begreifbar.
- Frag dein Kind nach einem Streit erst, was es vorher gespielt oder gemacht hat, statt gleich schlichten zu wollen. So kommen die Situation und die Absichten ins Bewusstsein und oft ergibt sich dadurch eine mögliche Lösung.
- Frag bei Streit unter Kindern erstmal, ob die anderen schon über die Absicht eines Kindes Bescheid wissen.
- Wähl für schwierige Gespräche einen Zeitpunkt, der nicht direkt vor einem wichtigen Termin liegt.
- Antworte auf unpassende Sprüche von außen freundlich, aber bestimmt, und sprich die Person direkt mit Namen an, falls möglich.
Tipps rund um Sprachentwicklung
Manche Kinder brauchen noch ein bisschen mehr Zeit oder eine besondere Herangehensweise. Diese Tipps sind aus meiner heilpädagogischen Praxis.
- Sprich von Anfang an mit einem reichen Wortschatz statt in vereinfachten Begriffen. Diese Erfahrung bringe ich als Heilpädagogin mit, die viele Kinder mit verzögerter Sprachentwicklung begleitet hat.
- Verwende einfache Wörter bei Kindern mit kognitiven Einschränkungen.
- Rede in kurzen, einfachen Sätzen mit deinem Kind statt in komplizierten Schachtelsätzen.
- Bevorzuge Aktivsätze statt Passivsätze, wenn du mit Kindern sprichst.
- Achte darauf, welche Bilder deine Redewendungen im Kopf erzeugen.
- Pass deine Sprechgeschwindigkeit an dein Kind an, gerade wenn es noch mitten im Sprachlernprozess steckt. Dann kann dir dein Kind leichter folgen.
- Mach zwischen deinen Sätzen bewusst eine kleine Pause, damit dein Kind das Gesagte verarbeiten kann und warte auf seine Antwort.
- Wenn dein Kind noch unvollständige Sätze spricht, kannst du das, was dein Kind ausdrücken will wiederholen und es zu einem ganzen Satz erweitern.
- Korrigiere dein Kind nicht ständig, wenn es sich verspricht – wiederhol das Wort einfach richtig, ohne Kommentar.
- Nutze den ganz normalen Alltag zur Sprachförderung, statt extra Übungsstunden einzuplanen.
- Verzichte im Vorschulalter auf Ironie – dein Kind versteht sie noch nicht.
Wenn dich dieses Thema interessiert, trag dich gern in meinen Newsletter ein – dort teile ich regelmäßig neue Sprach- und Stressregulationstipps für den Alltag mit Kindern. Und falls du merkst, dass du dir für dich selbst noch mehr Klarheit und Gelassenheit wünschst: Schau gern mal bei meinem KommunikationsCoaching vorbei.
FAQ
Ich fange nie beim Kind an, sondern bei mir selbst: erst mein eigenes Nervensystem regulieren, dann sprechen. Danach helfen kurze, konkrete Sätze mehr als lange Erklärungen – zum Beispiel Blickkontakt und der Name deines Kindes, bevor die eigentliche Bitte kommt. In meiner Sammlung findest du dazu 133 einzeln nutzbare Tipps in 9 Kapiteln.
Meistens hilft es, erst Verbindung herzustellen, bevor du sprichst – auf Augenhöhe gehen, Blickkontakt suchen, den Namen deines Kindes sagen und dann eine kurze Pause lassen. Auch ein Check, ob dein Kind gerade müde, hungrig oder überfordert ist, klärt oft mehr als ein weiteres Ermahnen. Konkrete Beispiele dazu findest du in meinem Kapitel „Verbindung und Vertrauen stärken“.
Der erste Schritt ist immer, das eigene Nervensystem zu beruhigen, bevor du reagierst – zum Beispiel mit bewusstem Ausatmen oder einer kurzen Körperübung wie der Schmetterlingsumarmung. Erst wenn du selbst wieder ruhig bist, kannst du dein Kind mitregulieren. Das ist der Kern meiner Methode „Nervenklar reden“.
ag deinem Kind konkret, was es stattdessen tun darf, statt nur zu verbieten, und bleib dabei mit ihm in Verbindung, statt es wegzuschicken. Strafen kosten vor allem Vertrauen, während klare, liebevolle Grenzen Halt geben. Mein Kapitel „Grenzen setzen ohne Strafen“ zeigt dazu 14 konkrete Beispiele.
Ersetz Pauschallob wie „toll“ oder „super“ durch eine genaue Beschreibung dessen, was du siehst, und benenne die Anstrengung statt nur das Ergebnis. Vergleiche dabei nie mit anderen Kindern oder früheren Leistungen. Mehr dazu in meinem Kapitel „Selbstwert stärken und richtig loben“.
Über die Autorin:
Ich bin Heike Brandl, Trainerin für Kommunikation und Stressregulation. Seit über 30 Jahren begleite ich Menschen in Kita, Familie und Bildung – erst als Erzieherin und Diplom-Heilpädagogin in eigener Praxis, seit fast 20 Jahren als Dozentin in Kita-Fortbildungen. Auf Basis von LINGVA ETERNA und aktuellem Nervensystemwissen zeige ich, wie klare, wertschätzende Kommunikation gelingt – beginnend beim Nervensystem. Mehr über mich: heikebrandl.de/ueber-mich






