3A – In 3 Schritten mehr Aufmerksamkeit erreichen

Heike Brandl mit Buchstabe A

Hast du deinen Partner auch schon mal etwas gefragt, während er am Computer sitzt oder im Fernsehen Fußball schaut? Egal, ob du fragst „Warst du schon auf der Bank?“ oder „Magst du einen Kaffee?“ – die meisten Männer reagieren gar nicht. Bei Frauen ist das genauso. Und bei Jugendlichen, die ins Smartphone schauen, bei Kindern, die vertieft ins Bauen, Träumen oder Buddeln sind. Und natürlich bei der Kollegin, die sich auf ihre Arbeit konzentriert. Eine wirksame Methode, mehr Aufmerksamkeit zu erreichen sind die 3A aus dem LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationskonzept.

Wofür stehen die 3A?

Die drei A stehen für

  • Ansprechen mit dem Namen
  • Anschauen und für
  • einen kurzen Atemzug Pause, bevor du weitersprichst.

Die 3 A bewirken eine wertschätzende und wirksame Kontaktaufnahme, bei der beide Gesprächspartner mit ihrer vollen Aufmerksamkeit dabei sind, präsent sind!

Heike Brandl
Ansprechen mit dem Namen

Ansprechen

Der eigene Name ist das Wort, welches Menschen am allerliebsten hören. In der Regel reagieren sie auch darauf, wenn sie angesprochen oder gerufen werden. Falls nicht, geh hin – und je nach Kontext: Begib dich auf Augenhöhe, ins Blickfeld oder fass denjenigen oder diejenige kurz am Arm an.

Achte darauf, dass du den Namen wohlwollend aussprichst. Das ist wie ein Türöffner für jedes nachfolgende Gespräch. Deine Gesprächspartnerin wird es am Ton hören und spüren, ob du sie magst, ob du gerade gereizt bist oder neutral in das Gespräch gehst. 

Heike Brandl
Anschauen

Anschauen

Stelle Blickkontakt her. Das heißt erstmal: Du schaust die Gesprächspartnerin an. Vielleicht braucht sie einen Moment, bis du ihre Aufmerksamkeit erreichst.

Nun schauen sich zwei Menschen in die Augen. So entsteht Kontakt, so entsteht Beziehung. Ihr seid ganz im Moment, im Augenblick. Das heißt, jede:r ist bei der Sache, beim Anderen. Damit zeigt sich die Sprecherin – und sie sieht die Andere! 

Heike Brandl
Atmen

Atmen

Halte einen Moment inne, bevor du weitersprichst. Warte, bis deine Gesprächspartnerin reagiert – den Kopf hebt, oder „ja“ sagt – und stelle erst dann deine Frage. So wirst du gleich die Antwort bekommen. 

Was passiert, wenn du die 3A außer Acht lässt?

Hier geht es gleich um „Fehler“. Fehler sind nichts Schlimmes, sondern etwas, aus dem du lernen darfst. Wo ein Fehler ist, da fehlt noch etwas: eine neue Haltung, Achtsamkeit, Feinfühligkeit, was auch immer. 

Fehler 1: Du nennst keinen Namen.

Beispiel: „Willst du auch einen Kaffee?“

Hast du es versäumt, die Aufmerksamkeit deiner Gesprächspartnerin herzustellen, kommt deine Botschaft nicht oder nur teilweise an. Daraus entstehen oft Missverständnisse und Ärger, der leicht vermeidbar gewesen wäre.

Fehler 2: Du achtest nicht auf den Ton.

Beispiel (okay, kannst du nicht hören, dir aber vorstellen): „MARTIN, du kommst schon wieder zu spät!“

Sprichst du den Namen genervt oder zornig aus, ist das eine Missbilligung der Person. Besser ist es, die Missbilligung einer Handlung in den nachfolgenden Sätzen zu formulieren. Stell dir ein Kind vor, das häufig kritisiert wird, weil es beispielsweise sehr unruhig oder impulsiv ist. Gerade für so ein Kind führt das Ansprechen in lautem oder genervten Ton in eine Spirale von Widerstand und Ärger. Die Missbilligung der Person führt außerdem zum Verlust des Selbstwertes. Male dir aus, was ein solches Kind alles anstellt, um sich zu beweisen. 

Fehler 3: Du sagst den Namen erst am Satzende.

Beispiel: „Räum bitte die Spülmaschine aus, Marina!“

Den Namen am Ende einer Botschaft zu sagen, ist nahezu sinnlos. Meist hat die Gesprächspartnerin den Inhalt des Satzes vorab nicht mitbekommen. Im Unterricht beispielsweise fühlt sich die Schülerin dann ertappt und reagiert entsprechend. Mit dem Namen am Anfang erzeugst du Aufmerksamkeit.

Okay, das heißt jetzt nicht, im Dialog am Tisch, wo du dir sowieso gegenübersitzt, in jedem Satz den Namen an den Anfang zu stellen. Es geht um Situationen, wo du Aufmerksamkeit herstellen willst oder ein neues Gespräch beginnst.

Fehler 4: Du rufst quer durch den Raum oder das Haus.

Beispiel: „Simon, das Essen ist fertig.“

Selbsterklärend, oder? Woher weißt du, dass Simon auf deinen Ruf wartet? Vielleicht hat er Kopfhörer auf, ist vertieft in ein spannendes Online-Spiel oder ist gerade auf den Balkon gegangen und kann dich sowieso nicht hören. Du rufst zweimal, dreimal und dir schwillt schon der Kamm.

Erspare dir den hohen Blutdruck und Simon das gereizte 4. Mal: „Mann, ich hab‘ schon dreimal gerufen, nie hörst du!“

Lösung: Geh gleich hin oder spätestens beim 2. Mal, wenn du merkst, der andere hat dich nicht gehört.

Fehler 5: Du lässt keine Pause.

Beispiel: „Sabine wann bist du soweit?

Womöglich war die Gesprächspartnerin in ihre Arbeit oder auf ihr Smartphone vertieft und hat gar nicht richtig registriert, dass du mit ihr gesprochen hast. Wenn du ein zweites Mal fragst, wird sie an deiner Stimme hören, dass du leicht verärgert bist. Vielleicht denkt sie dann, „Was hat denn die wieder für eine Laune?“ und so entsteht ein leicht vermeidbarer Ärger. 

In welchen ganz alltäglichen Situationen kannst du die 3A einsetzen und dir so eine neue Gewohnheit schaffen?

Diese drei A beherrschen übrigens alle kleinen Kinder. Das ist einer der Gründe, warum sie so erfolgreich sind. Sie sagen „Mama!“ oder „Papa!“ Sie reden erst weiter, wenn sie den Kontakt aufgebaut haben. Kinder verlieren keine Worte! Sie haben eine hohe Präsenz. Sie sind ganz bei dem, was sie gerade tun. Von ihnen können wir viel lernen!  Mit den 3A erreichst du die volle Aufmerksamkeit des Zuhörers für dein Anliegen.

Willst du regelmäßig Tipps für deine Sprache und Kommunikation? 


Dieser Artikel erschien am 21.05.21 auf meiner früheren Website und wurde hier leicht überarbeitet.

3 Kommentare

  1. Liebe Heike,
    deine „3A“ sind sehr sinnvoll und praktikabel, ich kann den jeweiligen Inhalten nur zustimmen – aufgrund von eigenen Erfahrungen sowohl im beruflichen Kontext als auch in der privaten Kommunikation.
    Und dass wir von (Klein-)Kindern sehr viel lernen können – übrigens auch in Sachen Lebensfreude – , ist wahr und eigentlich wunderbar, finde ich.

    1. Liebe Veronika,
      ich danke dir für deine Rückmeldung und ich gebe dir völlig recht: Kinder geben uns gute Impulse im Bezug auf „den Augenblick wahrnehmen und genießen“. Heike

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.