Glossar: Wertschätzung

Wortwolke Wertschätzung

Ein Glossar über Wertschätzung? Darin will ich dir diesen Begriff etwas vertrauter machen und mit Inhalt füllen. Also: Was ist mit Wertschätzung gemeint? Wie kannst du sie im Beruf oder in der Familie ausdrücken? Was gehört alles dazu? Was ist wertschätzender Umgang oder wertschätzendes Verhalten? Wie kannst du Wertschätzung zeigen und wie kannst du sie sprachlich ausdrücken?

Mit diesem Glossar bekommst du eine Übersicht mit vielen Fachbegriffen, Schlüsselwörtern und Ideen, die ich im Zusammenhang mit Wertschätzung für wichtig halte. Und ich werde es bestimmt immer wieder ergänzen.

Achtung

Achtung meint die Wertschätzung und den Respekt vor einem anderen Menschen. Dazu gehören, seine Menschenwürde zu achten und ihn gleich würdig mit anderen Menschen zu behandeln, also egal, ob groß oder klein, ob dick oder dünn oder andere Kriterien sie unterscheiden.

Sprachtipp: Viele Menschen nutzen nur noch den Ausruf „Achtung!“ im Sinne von Vorsicht. Nimm das Wort auch in der Bedeutung von Respekt in deinen Sprachgebrauch auf. Beispiel: „Ich habe vor Peter eine hohe Achtung. Er geht mit den Folgen seines Unfalls souverän um.“

Anerkennung

Häufig ist damit eine materielle Anerkennung gemeint, im beruflichen Umfeld zum Beispiel eine Prämienzahlung, eine Vergünstigung (Firmenwagen, Rabatt auf Firmenware usw.), die Teilnahme an einer Fortbildung oder einem Kongress. Auch Kinder erfahren bereits solche Anerkennungen in Form von „Wenn du brav bist, gibt es Schokolade.“ oder Zeugnis-Geld für gute Noten. Diese von außen kommende Motivation für weiteres erwünschtes Verhalten ist kritisch zu betrachten.

Anerkennung kann hingegen auch immateriell gezeigt werden, in Form von Blickkontakt, Zuwendung, Körpersprache oder entgegenkommendem Verhalten.

Angstfreiheit

Wertschätzung gedeiht nur in einer angstfreien Atmosphäre. Ob Familie oder Arbeitsplatz: Wer mit Angst vor Strafen, Repressionen, Mobbing oder ähnlichem lebt, wird sich nicht wertgeschätzt fühlen, sondern missachtet und erniedrigt.

Aufmerksamkeit

Zeit ist das wertvollste Gut, das wir heute haben. Wer seine Zeit an andere verschenkt, schenkt ihnen Aufmerksamkeit. Gemeinsam Zeit zu verbringen, gemeinsam spielen, kochen, wandern kostet (fast) nichts und ist doch das wertvollste aller Geschenke.

Aufmerksamkeit ist natürlich auch in den allerkleinsten Alltagssituationen gefragt: In jedem Gespräch und bei jedem Blickkontakt geht es darum, Präsenz zu zeigen. Das heißt, jetzt und hier geistig und seelisch anwesend zu sein.

Authentizität

Echt sein dürfen bedeutet, angstfrei eigene Ansichten vertreten zu können, Schwächen offenbaren zu können, Sorgen oder Schwierigkeiten zugeben zu dürfen. Echt sein dürfen, heißt angenommen zu werden, mit der ganzen Person. Fang an, andere so zu lassen, wie sie sind und zeige dich auch selbst so, wie du bist.

Bewertung

Ist es wirklich nötig, alles und jede:n ständig zu bewerten? Wessen Maßstäbe rechtfertigen ein „gut gemacht“ oder „na ja“? Im Menschen wohnt offenbar ein Automatismus inne, der auf Fehler und Schwächen fokussiert ist. Diesen zu erkennen, das Beurteilen zu lassen und das eigene „Recht haben-Wollen“ beiseite zu schieben ist eine hohe Kunst. Übe dich darin!

Bewunderung

Bewunderung ist eine Form besonderer Anerkennung für außergewöhnliche Leistungen. Es empfiehlt sich, sie dementsprechend zu nutzen. Dabei ist es wichtig, dass sie ehrlich, konkret, zeitnah und ohne Vergleiche ausgesprochen wird.

Sprachtipp: Sinnvoll kann es sein, zu fragen: „XY ist dir so hervorragend gelungen. Wie hast du das nur gemacht?“ Damit kommst du in den Dialog, du schenkst deiner Gesprächspartnerin Zeit und stärkst eure Beziehung.

Blickkontakt

Zwei Menschen sehen sich in die Augen. Wertschätzung pur. Empfehlenswert: auf Augenhöhe. Das meine ich im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Wertschätzung meint immer auch gleichwertig.

Das Anschauen ist ein ganz wesentlicher Aspekt klarer und wertschätzender Kommunikation. Mit den 3A – Ansprechen, Anschauen, Atmen – erreichst du in 3 Schritten mehr Aufmerksamkeit.

Dankbarkeit

Dankbarkeit ist eine innere Haltung. Dankbare Menschen sehen eher das, was in ihrem Leben schön ist, als diejenigen, die vieles für selbstverständlich halten. Daraus erwächst Lebensfreude und Kreativität. Dankbarkeit gehört zu meinen persönlichen Werten.

Ehrlichkeit

Es ist wertschätzend gegenüber Gesprächspartner:innen offen und ehrlich über Themen zu sprechen, die vielleicht auch unangenehm sind. Gleichzeitig ist es wichtig, Zeit und Ort dafür passend zu wählen, einen Gesprächsinhalt vertraulich zu behandeln und die Worte so zu wählen, dass sie das Gegenüber auch annehmen kann.

Erfahrung

Nur wer selbst Wertschätzung erfahren hat, kann sie auch weitergeben. Hm. Was, wenn du nie Wertschätzung erfahren hast? Ist das wirklich so? Niemals? Kannst du dir da ganz sicher sein? Vielleicht kann dir jemand beim Finden von Wertschätzung in deinem Leben helfen. Lass dir helfen.

Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben
Ben Furman

Freude

Freude entsteht durch positive Emotionen, und zwar aufgrund von schönen Erfahrungen, Erlebnissen und Erinnerungen. Im Teilen der Freude zeigst du deine Wertschätzung.

Freude ist die einfachste Form der Dankbarkeit.
Karl Barth

Freundlichkeit

Neulich las ich, Freundlichkeit beginnt im Kopf. Es ist also eine bewusste Entscheidung, freundlich zu sein. Wahrhaft freundlich zu sein heißt auch, keine Bedingung damit zu verknüpfen, sondern einfach um des anderen Menschen willens. Es geht um die Person, der ich mein echtes Interesse zeige, der ich wohlwollend und höflich gegenüber bin und die ich öfter mal anlächle. Wie man in den Wald ruft …

Haltung

Die innere Grundeinstellung, die das Denken und Handeln eines Menschen prägt, wird Haltung genannt. Haltung bezeichnet jedoch auch die Körperhaltung. Beides ist eng miteinander verbunden. Die Körperhaltung bringt die innere Haltung zum Ausdruck. Wenn ich jemanden wertschätze, bin ich ihm/ihr zugewandt, bewege mich auf Augenhöhe, zeige meine offenen Arme.

Interesse

Echtes Interesse signalisiert Wertschätzung. Hilfreich ist es, nicht nur sachbezogenes Interesse zu zeigen, sondern auch personenbezogenes Interesse. Für ein Team kann es von großem Nutzen sein, Stärken und Schwächen zu kennen, sofern die Atmosphäre angstfrei und authentisch ist.

Sprachtipp: Verzichte auf Floskeln wie „Wie war es heute in der Schule?“ Frage lieber nach etwas Konkretem: einem schönen Erlebnis, mit wem das Kind die Pause verbracht hat oder was es heute in Geschichte gelernt hat.

Körpersprache

Auch mit Mimik und Gestik kannst du Wertschätzung signalisieren. Ein offenes Lächeln, strahlende Augen beim Dank, ein aufmunternder Blick, ein zustimmendes Nicken, das sind verschiedene Möglichkeiten mimisch wertschätzend zu wirken. Gestik ist sehr Zielgruppen- und Situationsorientiert anzupassen. Was in der Kita passt, ist im Büro deplatziert. Insbesondere gilt es, achtsam mit der persönlichen Distanz, dem Sicherheits-Raum eines anderen Menschen umzugehen.

Heike Brandl - Wertschätzung - Glossar

Lächeln

Lächeln ist ein mimischer Ausdruck der Freude, der Zustimmung, der Aufmerksamkeit und des guten Willens. Eine angenehme Kommunikation beginnt häufig mit einem Lächeln. Übrigens schüttet das Gehirn beim Lächeln Glückshormone, Endorphine, aus.

Ein Lächeln versteht man in jeder Sprache.
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Loben

Loben kann definitiv mehr sein als zu sagen „Das hast du gut gemacht.“ Es gibt verschiedene verbale und nonverbale Formen, Lob zum Ausdruck zu bringen. Eine verbale Form ist es, eine vorher beobachtete Handlung zu beschreiben: „Wow, heute hast du es das erste Mal geschafft, den Reißverschluss allein zu schließen.“

Nonverbale Formen können Lächeln, Blickkontakt, Zuwendung sein. Mehr dazu findest du in meinem Artikel: 10 Tipps zum sinnvollen Loben.

Perspektivenwechsel

Einmal durch die Brille eines anderen Menschen zu sehen oder, wie es auch heißt, in den Stiefeln des Anderen zu gehen, schenkt oftmals Erkenntnisse. Es kann deutlich machen, dass das Reden oder Handeln des/der Anderen aus seiner/ihrer Perspektive sinnvoll war oder ist. Das macht es leicht, auf eine Bewertung zu verzichten und wertschätzend zu bleiben.

Respekt

Ähnlich wie Achtung wird auch Respekt häufig als Synonym für Wertschätzung gebraucht. Wir respektieren Meinungen, Leistungen oder auch Personen mit einer bestimmten Ausstrahlung. Zum respektvollen Verhalten gehört grundlegend die Höflichkeit. Sprachliche Elemente, um jemandem Respekt zu erweisen, sind zum Beispiel der korrekte Name, Bitten und Danken, sich sprachlich auf jemanden einzustellen.

Transparenz

Einblick geben, teilhaben lassen, offen und ehrlich kommunizieren, Informationen frei zugänglich und verstehbar machen, das bedeutet Transparenz. Auch das ist einer meiner wichtigen Werte im Beruf.

Vorausschauendes Verhalten

Sich gegenüber Mitmenschen vorausschauend zu verhalten, zeigt ebenfalls Wertschätzung. Dabei kann es zum Beispiel darum gehen, Anzeichen von Ermüdung zu erkennen und eine Pause anzubieten. Auch Geschenke können vorausschauend sein: das Ticket für ein lang ersehntes Konzert oder der Kuchen für die Freundin, die ungern backt.

Merke ich in einem Gespräch mit mehreren Personen, dass eine die Zusammenhänge nicht versteht oder mit einem Thema überfordert ist, kann ich vermitteln oder das Gespräch in eine andere Richtung lenken.

Werte/Wertschätzung

Wertschätzung ist ein ganzes Wertesystem. Zugeordnet werden von der Values Academy die Werte: Anerkennung, Aufmerksamkeit, Dankbarkeit, Empathie, Freundlichkeit, Großzügigkeit, Herzlichkeit, Höflichkeit, Interesse, Mitgefühl, Respekt, Sympathie, Teilen, Toleranz, Treue, Vertrauen, Zuneigung.

Meine Blogger-Kollegin Michaela Arlinghaus hat einen nützlichen Artikel dazu geschrieben: Was sind persönliche Werte und wie kommst du ihnen auf die Spur.

Wohlwollen

Wohlwollen bedeutet, dem Anliegen einer Person mit Güte, Freundlichkeit und offener Haltung zu begegnen. So wird sich die Person angenommen und geschätzt fühlen.

Wörter

Gehören die Wörter „Wertschätzung“, „wertschätzen“ und „wertschätzend“ zu deinem aktiven Wortschatz? Das heißt, gebrauchst du sie mehrmals in der Woche? Es lohnt sich, darüber einmal nachzudenken.

Sprachtipp: Lege dir ein paar Sätze zurecht, die du in einer bestimmten Situation gebrauchen kannst. Beispiel: „Tanja, ich habe dich heute im Elterngespräch so wohlwollend gegenüber Frau Müller erlebt. Das war eine wirklich herausfordernde Situation und du hast sie mit deiner Wertschätzung für unser Anliegen erreicht.“

Zugehörigkeit

Zugehörigkeit ist ein menschliches Grundbedürfnis. Wenn du dich über ein merkwürdiges Verhalten eines anderen wunderst, dann frage dich zuerst: Kann es sein, dass der/die das macht, um dazuzugehören? Und dann überlege im nächsten Schritt: Wie kann ich ihm/ihr künftig dieses Gefühl der Zugehörigkeit vermitteln? Wie kann ich ihn/sie wertschätzen?

Zuwendung

Sich jemandem zuwenden heißt, Blickkontakt suchen, körperlich zugewandt sein, je nach Beziehung – beruflich, privat, eigenes Kind, Alter … – eine freundliche oder liebevolle Behandlung bis hin zum Körperkontakt zu pflegen.

Sprachtipp: Es ist sinnvoll, diese Zuwendung auch in Worte zu fassen: „Ich bin bei dir.“, wenn es beispielsweise um das Trösten eines Kindes geht. Ebenso kann es sinnvoll sein, die Zuwendung in Aussicht zu stellen: „Ich mache noch XY fertig und dann komme ich zu dir.“

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Kategorisiert in Kommunikation

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