30 und mehr wertschätzende Sätze für dein Kind

Wordcloud zum Thema Wertschätzung

Wie kannst du das Selbstbewusstsein deines Kindes stärken? Viele Menschen meinen, mit Lob und Anerkennung könnte man da viel erreichen. Doch sind Lob und Anerkennung kritisch zu hinterfragen. Oftmals geht es um Wertung, Bewertung. Und zwar nach den Maßstäben der Erwachsenen. Wie soll der kleine Mensch da eigene Maßstäbe von „gut und schön“ entwickeln? Ich habe mehr als 30 Sätze für dich gesammelt, die deinem Kind einfach deine Wertschätzung zeigen.

Wann das Loben negative Wirkung haben kann

Ellen Girod beschreibt in einem Artikel in ihrem Blog Chezmamapoule ausführlich, dass Loben Kindern auch schaden kann. Sie führt dazu einige wissenschaftliche Studien auf. Diesen Artikel habe ich schon vor ein paar Jahren gelesen und inzwischen noch mehr beobachtet und gesammelt.

Manipulation

Häufig wissen wir das durchaus, dass wir mit einem Lob die Kinder in Wirklichkeit manipulieren:
„Ach komm, du kannst doch schon so toll den Tisch decken.“ soll zur Hilfe motivieren.
„Heute hast du brav aufgegessen.“ beinhaltet die Wertung „brav“. Mal davon abgesehen, dass fünf Personen wahrscheinlich fünf verschiedene Vorstellungen von „brav“ haben – vermittelt es doch auch gleich, dass nur brave Kinder geliebt werden.

Wenig zutrauen

Du brauchst dein Kind nicht dafür zu loben, wenn es zum 30. Mal die Schuhe richtig herum anzieht oder den Teller abräumt. Alltägliche Aufgaben und Fähigkeiten ständig zu loben wirkt, als ob du das deinem Kind üblicherweise nicht zutrauen würdest. Für den Teller abräumen kannst du danken. Beim Schuhe anziehen ist es anfangs angebracht, dies beschreibend zu kommentieren, dann nur noch zu nicken oder anzulächeln.

Abhängigkeit schaffen

Wo zu viel gelobt wird, erwarten dies Kinder regelrecht. Ich kenne Kinder, die dann fragen „Habe ich das toll ausgemalt?“ oder „Bin ich super?“ Ihr Selbstvertrauen ist so von ständigem Lob abhängig, dass sie das permanent einfordern. Eine Variante ist, dass die Kinder sich ständig so verhalten, dass sie anderen gefallen oder Dinge nur tun, um ein Lob zu bekommen.

Lob auf Kosten anderer

„Du bist einfach meine Beste!“ Mit dem Vergleich der Geschwister untereinander werden andere schlechter gemacht.

„Du kannst höher springen als die anderen.“ ist ebenfalls ein Vergleichslob und wirkt auf den eigenen Antrieb des Kindes eher negativ. Es vermittelt dem Kind, dass es wichtiger ist, besser zu sein als zum Beispiel die eigene Messlatte höher zu legen.

Leistungsorientierung

„Gut gemacht!“ enthält gleichzeitig auch: Es gibt ein „schlecht gemacht“. Damit wird sich dein Kind fragen „War das gut genug, was ich gemacht habe? Bin ich gut genug, um geliebt zu werden?“ Auch hier geht es nur um das „anderen gefallen“.

Perfektionismus befördern

Lob kann dem Kind vermitteln, dass es nur bei Bestleistungen geliebt wird. Insbesondere gilt dies für Formulierungen wie „Das war schon nicht schlecht.“ oder „Das ist schon ziemlich gut.“ Diese Wertungen verdeutlichen einen höheren Anspruch. Dabei beinhalten sie auch, dass die erwachsene Person damit ihre Sicht der Dinge, eine Interpretation oder Bewertung abgibt.

Übertreibung

„Das ist der höchste Turm, den ich jemals gesehen habe.“ motiviert entgegen der Erwartungen nicht zum noch höher bauen. Das übertriebene Lob führt dazu, dass gerade Kinder mit schwachem Selbstbewusstsein sich einfachere Aufgaben suchen. Sie haben Zweifel daran, dass sie ihre Leistung immer weiter bringen können und wollen keinesfalls scheitern.

Interessant ist auch, wie der bekannte dänische Familientherapeut Jesper Juul die Folgen von übertriebenem Lob gerade bei Kindern und Jugendlichen aus „gutem Haus“ beschreibt. Eltern aus diesen Kreisen loben ihre Kinder oft in den höchsten Tönen. Doch diese entwickeln dann kein gesundes Selbstwertgefühl, sondern werden zu aufgeblasenen Egos. „Da braucht nur eine Kleinigkeit vorzufallen, und schon lösen sich diese Egos in Nichts auf. Eine kleine Enttäuschung, dass die Zensuren nicht gut genug sind, reicht diesen jungen Menschen, um in Wut auszubrechen. Diese Kinder wurden zwar dauernd gelobt und mit großen Worten betört, aber sie haben keine Wärme und authentische Nähe erfahren. Mit anderen Worten: Diese Kinder sind von ihren Eltern konsequent betrogen worden.“ so Juul in seinem Buch Aus Erziehung wird Beziehung.

Lob nimmt die innere Freude und Motivation

Stell dir vor, du liest ein Buch und dein Partner oder deine Partnerin sagt: „Toll, dass du schon wieder ein Buch liest.“ Was würdest du denken? Du liest doch, weil es dir selbst Freude macht. Vielleicht willst du auch etwas lernen. Doch keinesfalls, um ein Lob zu bekommen.

Einfache Regeln zur Orientierung: Sinnvoll Wertschätzung vermitteln

Beziehungsorientiert, auf Augenhöhe gibt es einige andere Optionen, Kindern Wertschätzung zu vermitteln. Zwei einfache Regeln dienen zur Orientierung:

  • Würdest du den gleichen Satz zu deiner besten Freundin sagen? 
  • Wie würdest du dich fühlen, wenn das dein Kind zu dir sagt?

Und wenn deine Emotionen wirklich im Vordergrund stehen und du keine weitere Absicht damit verfolgst, ist es auch völlig in Ordnung einfach begeistert „bravo“ oder „großartig“ zu sagen. 

Hier findest du noch ganz konkrete Tipps zum Loben:

Heike Brandl - 10 Tipps um Kinder zu loben - besser reden

30 und mehr Sätze, die deinem Kind Wertschätzung vermitteln

  1. Ich habe dich gern/lieb.
  2. Ich danke dir für das Tischdecken/deine Hilfe bei …
  3. Sag mir Bescheid, wenn du Hilfe brauchst.
  4. Ich freue mich, dass du mit deinem Bild/Werk/deiner Aufgabe … zufrieden bist.
  5. Ich glaube an dich.
  6. Schön, dass es dich gibt.
  7. Ich sehe dich.
  8. Es tut mir leid. (Nobody is perfect. Zeige deinem Kind, dass es normal ist, Fehler zu machen. Es lernt an deinem Vorbild.)
  9. Ich sehe, was du gebaut/gemalt/gebastelt hast. Ich mag das … Und du?
  10. Du warst mir eine große Hilfe.
  11. Ich bin bei dir, wenn du traurig/wütend/ängstlich bist. 
  12. Wir stehen das gemeinsam durch.
  13. Glaube an dich!
  14. Du kannst stolz auf dich sein!
  15. Ich bin auch stolz auf dich. (Ich finde es völlig in Ordnung, das auch bei besonderen Gelegenheiten zu sagen.)
  16. Du hast dich ganz schön angestrengt!
  17. Das war bestimmt eine knifflige Aufgabe.
  18. Du warst ganz geduldig/fleißig/achtsam …
  19. Du wirst das schaffen!
  20. Lass uns zusammen überlegen, wie du es schaffen kannst. Was kannst du anders machen, wenn du es wieder machst?
  21. Ich schätze deine Kreativität/Hilfsbereitschaft/Umsicht/ …
  22. Wie bist du auf diese Idee gekommen?
  23. Ich freue mich über deine Idee.
  24. Trau dich! Ich bin da, wenn du Hilfe brauchst.
  25. Du hast dich gut vorbereitet. Für heute ist es genug.
  26. Ich höre dir genau zu.
  27. Wie war dein Tag? (Lass dein Kind erzählen, was es erlebt hat, was es bewegt hat, wie es sich in bestimmten Situationen gefühlt hat. Genieße diese gemeinsame Zeit.)
  28. Ich freue mich, dass du deine Kekse/Bausteine/Stifte mit Anna/Anton teilst.
  29. Der Dino/Schmetterling/Traktor … auf deinem Pullover gefällt mir. (Und jetzt mach ein Gespräch daraus und frage weiter: Kannst du mir was über Dinos/Schmetterlinge/Traktoren erzählen? – Und falls dein Kind den Kopf schüttelt: Vielleicht könnt ihr ein Buch dazu anschauen.)
  30. Ich sehe, was du in den letzten Tagen/Wochen … gelernt hast. Erkennst du auch die Unterschiede?
  31. Ja, da ist dir ein Fehler passiert, doch du hast schon den richtigen Lösungsansatz erkannt.
  32. Du wirst eine Lösung finden, denn das ist dir in ähnlichen Fällen auch gelungen.
  33. Es ist so schön, dass es dich gibt.
  34. Komm, ich nehme dich in den Arm!
  35. Ich bin gern mit dir zusammen.
  36. Du hast recht. (Dein Kind hat eine andere Lösung gefunden, einen neuen Weg, etwas besser gewusst – das ist großartig. Freut euch gemeinsam und zeige deinen Respekt.)
  37. Ich freue mich, dass du wieder da bist. (War das Kind über das Wochenende beim anderen Elternteil oder im Schullandheim, ist es besser, die Wiedersehensfreude zu formulieren als das Vermissen. Das Kind könnte sonst ein schlechtes Gewissen haben.)
  38. Ich bin für dich da.

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