5 Tipps, um das Selbstwertgefühl von Kindern zu stärken

Selbstwertgefühl stärken: Kind malt eigene Hand an.

Die Kinder, mit denen ich in der Heilpädagogik arbeite, haben häufig ein angekratztes Selbstwertgefühl. Den meisten ist bewusst, dass bei ihnen irgendetwas nicht so ist, wie bei den anderen Kindern. Sie können sich weniger gut verständigen, haben oft Konflikte, verstehen manche Dinge einfach nicht oder haben geringe Ausdauer am Spiel. Gerade deshalb brauchen sie besondere Unterstützung, um ihr Selbstvertrauen zu stärken.

Nach meinen sprachlichen Tipps, um das Selbstwertgefühl von Kindern zu stärken, kommen hier einige Tipps, die anderes in den Fokus rücken.

Lernt Gefühle gemeinsam kennen

Kinder lernen im Laufe ihrer Entwicklung verschiedene Gefühle kennen, indem sie sie selbst erleben und bei Anderen beobachten. Zunächst mal haben sie keine Begriffe dafür, auch die lernen sie erst, indem ihre Bezugspersonen sie benennen. Vielleicht beobachten und erfahren sie, dass manche Gefühle unerwünscht sind, wenn Erwachsene sagen: „Stell dich nicht so an!“, „Du bist nicht immer im Mittelpunkt!“, „Jetzt beruhige dich mal!“

Ich halte es für elementar, dass Kinder erfahren: Jedes ihrer Gefühle ist okay. Es hat einen Namen. Wir können es beschreiben, wo sich was wie anfühlt. Andere kennen und erleben dieses Gefühl auch, auch die Mama, der Papa oder die Erzieher:in. Und gleichzeitig dürfen sie erleben: Die Erwachsenen lassen mich in meinem Gefühl nicht allein, sie begleiten mich, sie helfen mir, mich zu regulieren, indem sie da sind, präsent sind und mir Raum, Zeit und Halt geben. Sie lernen dadurch, sich selbst wahrzunehmen und zu reflektieren.

Schenke den Kindern deine Zeit

Auch wenn du zu einem Kind nur sagst „Ich hab jetzt keine Zeit.“ ergänzt es doch in Gedanken „Sie hat keine Zeit für mich.“ Das führt erstmal zur Enttäuschung. Willst du eine Aufgabe oder Tätigkeit zu Ende bringen, ist es sinnvoll, das dem Kind auch mitzuteilen: „Ich schreibe noch diese Liste zu Ende und dann komme ich zu dir.“ So hat das Kind eine ungefähre Perspektive und der Bedürfnisaufschub wird leichter gelingen.

In meinem beruflichen Setting von Einzelintegration in der Kita arbeite ich in der Regel mit Kleingruppen. Meist wollen mehr Kinder mitkommen, als (für mein Ziel) sinnvoll. Das liegt teilweise daran, dass sie in der Kleingruppe eine intensivere Form der Zuwendung erfahren.

Die Kinder genießen es, dass ich mit meiner ganzen Aufmerksamkeit ihnen zugewandt bin und ihnen meine Zeit schenke. Das gibt ihnen das Gefühl, dass sie mir das wert sind. Und hier beginnt „sich wertvoll fühlen“. In diesen wenigen Stunden pro Woche tanken die Kinder Kraft.

Ich weiß, als Eltern hast du viele Aufgaben. Und als pädagogische Fachkraft sind da außerdem noch viele andere Kinder, die ebenfalls deine Aufmerksamkeit brauchen. Mache dir einfach bewusst: Wo immer es möglich ist, gemeinsame Zeit zu genießen, stärkt das die Kinder.

Stärke die Selbstwirksamkeitserwartung des Kindes

Selbstwirksamkeitserwartung heißt, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu setzen, Situationen zu meistern und selbständig darin handeln zu können, also etwas zu bewirken. Diese Selbstwirksamkeitserwartung wird unter anderem durch eigene Erfolgserlebnisse gestärkt. Daher ist es wichtig, Situationen zu schaffen, die dem Kind aufgrund seiner Kompetenzen möglich sind, sie zu bewältigen. Mache dem Kind dabei klar: Das Bewältigen hängt mit seinen Kompetenzen zusammen und ist kein Zufall.

Auch eine stellvertretende Erfahrung kann für das Kind hilfreich sein: Erlebt es, dass seine gleichaltrige Freundin etwas kann, traut es sich das eher zu, als wenn es dieselbe Fähigkeit beim fünf Jahre älteren Bruder sieht.

Die emotionale Erregung bei herausfordernden Aufgaben hat ebenfalls Einfluss auf die Selbstwirksamkeitserwartung. Eine angstfreie und entspannte Lernsituation ist daher die Grundvoraussetzung für gelingendes Lernen.

Verbale Ermutigung ist ebenfalls eine wichtige Quelle zur Stärkung der Selbstwirksamkeitserwartung. Im Artikel Meine besten sprachlichen Tipps, um das Selbstwertgefühl von Kindern zu stärken habe ich drei Kinder beschrieben. Hier nenne ich noch ein paar nicht-sprachliche Ideen für sie:

Für Sophie (5 Jahre, clever, laut, ungestüm und häufig in Konflikte verwickelt) könnte es hilfreich sein, sie in potenziellen Konfliktsituationen zu begleiten. Oft kann ich als Erwachsene schon ahnen, wann der kritische Punkt erreicht ist. Das bedeutet nicht, ihn zu vermeiden. Das bedeutet, dann präsent zu sein und als „Moderatorin“ Gefühle und Bedürfnisse aller zu benennen und gemeinsam eine Lösung zu finden. So erfährt auch Sophie, dass sie selbst mit daran beteiligt ist, neu mit dem Konflikt umzugehen.

Selbstwertgefühl stärken: Kind malt eigene Hand an.

Arbeite mit den Stärken

Ein Kind mit einem schwachen Wortschatz zu fragen „Wie heißt das?“ ist für das Kind nur frustrierend. Egal ob es gern puzzelt, Einkaufen spielt oder lieber malt: Ich habe zahllose Ideen dafür, wie wir dabei den Wortschatz erweitern können. Dabei benenne ich die Ziel-Wörter häufig und gebe sie dem Kind in vielfältiger Weise vor. So gelangen diese Wörter langsam, aber sicher in den Wortschatz.

Bei Luis (5 Jahre, Sprachentwicklungsstörung, wird oft mit seinem älteren Bruder verglichen) würde ich in einem Elterngespräch das Thema „Vergleich, Bewertung und Lob“ ansprechen. Und ich würde mit ihm selbst über Fehler und Lernen sprechen. Hilfreich kann es sein, visuell darzustellen, was er schon alles gelernt hat, dass er noch nicht das Gleiche können muss, wie sein Bruder. Das stärkt seine Selbstachtung.

Hierfür kann das Diagnostikset „Bunte Steine – Mein Entwicklungshaus“ nützlich sein. Stein für Stein werden Entwicklungsschritte dabei gemeinsam mit dem Kind ausgemalt. Sowohl für die Eltern wie für Luis ist wichtig: Jedes Kind hat sein eigenes Tempo und es hat seine eigenen Interessen und Fähigkeiten. Und das ist okay.

Vermittle den Kindern Zuversicht

Jonas (6 Jahre, schüchtern, „ungeschickt“) braucht Gelegenheit, seine Handgeschicklichkeit bei Spielen, Malen und Basteln zu üben, bei der er nicht im Vergleich zu anderen steht. Und es ist wichtig, dass es ihn thematisch dort abholt, wo er Interessen hat, wo er etwas erreichen will und dafür bereit ist, sich anzustrengen. Dann entsteht Freude und durch das Tun auch Fortschritte.

Bei Jonas zum Beispiel muss eins klar sein: Es geht nicht um künstlerisch wertvolle Bilder. Das Ziel ist die Schulreife zum Schreiben hin. Das wird leichter gelingen, wenn die Handmotorik locker und gut trainiert ist. Ergotherapie kann dabei eine große Hilfe sein, doch auch in Elternhaus und Kita braucht er Unterstützung. Sowohl durch das Schaffen von Gelegenheiten, durch praktische Hilfe als auch die Vermittlung von Zuversicht: „Mit der Zeit wird es leichter gehen. Du wirst das lernen.“ Zuversicht stärkt wiederum das Selbstwertgefühl.

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