Autor: Heike Brandl

  • Mein Weg in die Selbständigkeit

    Mein Weg in die Selbständigkeit

    23 Jahre ist es nun her, dass wir 1998 nach Lohr am Main gezogen sind – und ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich mich 6 Jahre später selbständig machen würde.

    Der Start nach der Familienzeit

    Mit einem einjährigen Sohn und ein Jahr später mit einer Tochter wollte ich mich erstmal auf die Familie fokussieren, die Zeit mit den Kindern genießen und Anschluss am neuen Lebensmittelpunkt finden. Als dann unsere Tochter einen Kita-Platz in Aussicht hatte, begann es innerlich bei mir zu kribbeln. Mir war klar, dass ich raus musste, Kontakte, Bestätigung, Leben um mich brauchte.

    Da die Kitas in diesen Jahren noch sehr eingeschränkte Betreuungszeiten hatten und Omas in weiter Ferne waren, holten wir uns ein Au-pair ins Haus. So konnten wir eine gute Betreuung der Kinder sicherstellen.

    Als Heilpädagogin bewarb ich mich zunächst bei der Lebenshilfe vor Ort und hatte am nächsten Tag einen Anruf: Vorstellungsgespräch, Notfall-Einsatz in einer Förderschule – davon hatte ich zwar keine Ahnung (ich war im vor den Kindern in einem Heilpädagogischen Fachdienst für Kindergärten, im Wohnbereich und in der Wohnbereichsleitung von Behindertenwohnheimen tätig) – aber auch keine Scheu. Wer wagt, gewinnt.

    Fünf Monate, die mich Improvisation, Geduld und Klarheit gelehrt haben.

    Am Ende des Schuljahres wurde die Stelle wieder regulär besetzt und ich bekam vom selben Träger ein Angebot in der Frühförderstelle. Das war eine Arbeit, die mir mit den Kindern und Eltern viel Freude bereitete, der Austausch im Team war fruchtbar, doch die Zusammenarbeit mit der Verwaltung war umständlich und zäh. Mein befristeter Vertrag konnte aus finanziellen Gründen nicht verlängert werden und so war ich erstmal arbeitslos. Was tun?

    Ein Jahr, das mich Fachwissen, Gesprächsführung und Organisation gelehrt hat.

    Der Beginn meiner freiberuflichen Arbeit

    Bewerbungen führten erstmal nicht weiter, der ländliche Raum gab wenig her. Nach einigen Monaten kam die Anfrage einer Mutter: Ich hatte ihr Kind in der Frühförderung betreut, nun sollte die Kleine in den Kindergarten kommen, sie brauchte eine Integrationsfachkraft. Ob ich das machen wollte und könnte?

    Einzelintegration steckte in Bayern damals auch noch in den Kinderschuhen. Organisiert war wenig. Also: Selbständig? Wer wagt, gewinnt.

    Kinder in der Kita beim Bemalen eines Pappmachee-Objekts
    Kinder in der Kita beim gemeinsamen Bemalen eines Objekts – Inklusion im Prozess

    Und: wenn schon, dann richtig. Damals gab es gerade die „Ich-AG“-Förderung vom Arbeitsamt, samt einer Schulung zu den Themen, die damit verbunden sind. Als freiberufliche Heilpädagogin lernte ich also nun Buchführung, Marketing und Kundengewinnung. Ab 2004 betreute ich zunächst Kinder in der Einzelintegration in Kitas im Landkreis, bald kamen Anfragen zur häuslichen Frühförderung hinzu. Nach kurzer Zeit richtete ich mir einen eigenen Praxisraum im Haus ein.

    Bei all diesen Kindern mit Handicap – Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensauffälligkeiten, Behinderungen – geht es mir darum, die Kinder sowie ihre Eltern und Erzieher:innen auf ihrem Weg zu begleiten.

    Frühförderungen und Einzelintegrationen werden vom Kostenträger in der Regel für ein Jahr gewährt. Manchmal gibt es Verlängerungen, oft entwickeln sich die Kinder gut und wir können eine Maßnahme beenden. Die Kinder kommen in die Schule oder in eine andere Einrichtung, dann endet die Maßnahme auch. Es gab Jahre, da fragte ich mich im Juni, ob ich wohl im September noch Kinder betreuen würde. Doch am Ende ging es immer weiter und die Kinder sind ja da. Die Eltern bzw. die Kitas müssen nur erfahren, dass es mich gibt.

    Sechs Jahre, die mich Selbstorganisation, Strukturierung und Durchhaltevermögen gelehrt haben.

    Kind spielt im Kaufladen mit Holz-Karotten
    Ein Kind spielt in meiner heilpädagogischen Praxis im Kaufladen

    Der Anfang als Dozentin

    Gleichzeitig war es mir in diesen Jahren ein Anliegen mich selbst stets weiterzubilden: Bewegungsorientierte Frühförderung, Bindungsbasierte Beratung und Therapie, Kinder psychisch kranker Eltern, Heilpädagogische Diagnostik, Sprachförderung … und vieles mehr.

    2010 entschloss ich mich, mein Wissen an Erzieher:innen weiterzugeben. Fortbildungen zu heilpädagogischen Themen über Verbände und Inhouse-Schulungen in Kitas waren mein Programm. Und anfangs war ich ziemlich aufgeregt.

    Ich beobachtete sowohl in der Einzelintegration als auch bei Fortbildungen in den verschiedenen Kitas, dass es oft Reibereien im Team gab, Missverständnisse und Unzufriedenheit der Mitarbeiter:innen. Das lag nicht am Fachwissen, sondern an der Kommunikation im Team und/oder der Führungskraft. Doch das war nicht mein Auftrag.

    Fünf Jahre, die mich Aufmerksamkeit, Selbstsicherheit und die Fähigkeit zu präsentieren gelehrt haben.

    Heike Brandl in einer Kita bei einer Fortbildung
    Heike Brandl (2.v.r.) in einer Kita-Fortbildung

    Eine gute Ergänzung: Lingva Eterna Sprach- und Kommunikationstrainerin

    Doch war mir das noch nicht genug. Ein Quantensprung war für mich die Weiterbildung als LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationstrainerin. Ich erkannte, dass die drei Säulen dieses Sprach- und Kommunikationskonzepts – Präsenz, Klarheit und Wertschätzung – eine Menge mit meinem beruflichen und privaten Leben zu tun haben.

    Sowohl als Heilpädagogin als auch als Sprach- und Kommunikationstrainerin sind sie die tragenden Elemente in den Beziehungen zu Kindern, Eltern, Erzieher:innen, Coachees und Teilnehmer:innen in Seminaren. In jeder beruflichen Situation ist es für mich elementar, mit meiner ganzen Persönlichkeit präsent zu sein, meine Botschaften klar zu kommunizieren und die beteiligten Menschen wertzuschätzen.

    Seit 2016 bin ich nun also auch als Sprach- und Kommunikationstrainerin aktiv. Angefangen von VHS Kursen und Selbsthilfegruppen, Workshops oder Fortbildungen für Schulen, Kitas und Firmen, Coaching für Fach- und Führungskräfte ist nun ein zweites Standbein gewachsen.

    Vier Jahre, die mich Angebote schreiben, Kooperationen bilden und Wahrhaftigkeit gelehrt haben.

    Heike Brandl in einem Eltern-Workshop
    Hier bin ich bei einem Eltern-Workshop

    Neue Wege: Online arbeiten

    Im Corona-Jahr 2020 begann ich, voller gespannter Neugier sowohl Coaching als auch Workshops online anzubieten. Und 2021 kam nun das Bloggen dazu. Meine Webseite wächst und gedeiht, indem ich nahezu wöchentlich einen Artikel schreibe. Blogartikel sind allerdings kein Selbstzweck. Sie dienen in erster Linie dazu mich als Mensch, Heilpädagogin und Trainerin für meine Kund:innen und Klient:innen nahbarer zu machen und meine Kompetenzen zu vermitteln. Dazu sollen sie nicht nur auf der Webseite, sondern auch über Newsletter und soziale Medien in die Welt.

    Eine Weiterbildung bei Judith Peters, Blogging-Queen und Kopf von „The Content Society“ macht dies möglich. Gemeinsam mit vielen anderen Solo-Preneurinnen bin ich unterwegs in der digitalen Welt. Ich bekomme von Fachfrauen unterschiedlichster Art Antworten auf Fragen und ich könnte eine schier unendliche Anzahl von interessanten und nützlichen Artikeln lesen.

    Heike Brandl im Büro
    Bei einer Online-Fortbildung im Büro

    Eineinhalb Jahre, die mich gelehrt haben zu bloggen, Tools und Medien zu nutzen und den Wert einer großen Gemeinschaft zu schätzen.

    Und das ist heute meine Vision: Menschen kommunizieren in Familie und Beruf klar und wertschätzend miteinander. 

    Die Geschichte wird weitergehen. Mal sehen, was das Leben mich noch so lehrt.

    Lebe als würdest du morgen sterben. Lerne als würdest du für immer leben.

    Mahatma Ghandi

    Dieser Artikel ist Teil der Blog-Parade von Michaela Schächner und entstand am 04.06.21 für meine frühere Website. Er wurde leicht überarbeitet

  • Kriegerische versus friedliche Sprache. Über den Gebrauch im Alltag.

    Kriegerische versus friedliche Sprache. Über den Gebrauch im Alltag.

    zuletzt überarbeitet:

    Bist du friedlich ins neue Jahr gestartet? Oder hast du es mit Raketen, Knallern und einer Bombenstimmung begonnen?

    So begann ich im Januar 2019 einen Artikel, den ich nun (3/2022) aufgrund des Krieges in der Ukraine leicht überarbeitet wieder aufgreife. Heute ruft mir so eine Ausdrucksweise schon kalte Schauer hervor. Geht es dir auch so? Welche Redewendungen nimmst du nun ganz neu wahr?

    Der Weg zum Frieden beginnt in unserer Sprache. Ich will hier deutlich machen, dass wir alle in unserer Alltagssprache unbedacht grob, aggressiv und mit kriegerisch geprägtem Wortschatz sprechen. Woher kommt das? Welche Auswirkungen hat es auf uns selbst und wie kann es anders gehen? Ich gebe dir 7 Tipps für eine friedliche Sprache.

    Info Box – Leichte Sprache

    Unsere Sprache kann Frieden möglich machen.
    Im Alltag reden viele Menschen grob.
    Manchmal nutzen Menschen Wörter aus dem Krieg.
    Manche Wörter haben zwei Bedeutungen.
    Viele Menschen bemerken das nicht.
    Diese Wörter können uns traurig machen.
    Manche Menschen bekommen auch Angst.
    Doch es geht anders.
    Wir können Wörter ohne Gewalt benutzen.
    Das heißt: Friedliche Sprache.

    Wie die Geschichte unsere Sprache geprägt hat

    Obwohl wir seit über 70 Jahren Frieden in Deutschland haben, ist unsere Sprache noch immer geprägt von kriegerischen und gewalttätigen Ausdrücken und Redewendungen. Das hat gewissermaßen historische Gründe: In unserer Geschichte gab es viele Kriege und der Krieg war in früheren Zeiten Alltag. Es gab selten solch lange Friedensperioden, wie wir sie heute erleben.

    Und in vielen anderen Regionen dieser Welt gibt es weiterhin Kriege. Davon hören wir täglich in den Nachrichten. Und auch wenn zwischen vielen Nationen keine Auseinandersetzung mit Waffen stattfindet, gibt es Wirtschaftskriege, da wird in den Verhandlungen mit harten Bandagen gekämpft, da werden die Parteien auf die Folter gespannt. Einige dieser Redewendungen reichen bis ins Mittelalter zurück.

    Friedliche Sprache – kriegerische Sprache. Erkennst du den Unterschied? Hast du schon mal darüber nachgedacht – oder zumindest bemerkt – welch unterschiedliche Wirkung das auf dich selbst hat? Mit unseren Wörtern senden wir innere Bilder ans Gehirn. Diese Bilder kommen auch in unserem Unterbewusstsein an und prägen damit wiederum unsere weitere Ausdrucksweise, Gedanken und Verhalten.

    Wie ist das mit dem Wort „kriegen“?

    Das Wort „kriegen“ klingt wie Krieg und ist mit diesem auch etymologisch (also vom Wort-Ursprung) verwandt. Wir verbinden damit unbewusst Ängste und Gewalt. Wir benutzen es in Sätzen wie

    • „Was hast du zu Weihnachten gekriegt?“
    • „Ich kriege ein Kind.“
    • Wenn sich jemand aufregt, sagt er auch „Ich kriege gleich einen Anfall!“

    Stelle dir die Sätze einmal bildhaft vor! Ein Kind kriegen klingt schon nach Kampf. Willst du wirklich einen Herzanfall oder Schlaganfall kriegen?

    In der Schweiz hingegen gibt es das Wort „kriegen“ nicht – oder wird zumindest wesentlich seltener gebraucht. Die Schweiz ist ein neutrales Land und führt keine Kriege. So aufschlussreich ist die Sprache.

    Kriegerische versus friedliche Sprache: So geht es ohne „kriegen“

    Wie klingen die oben genannten Sätze anders formuliert?

    • „Was hast du zu Weihnachten bekommen?“
    • „Ich bekomme ein Kind.“ (und wenn es noch eine Weile dauert: „Ich werde im Sommer ein Kind bekommen.“ Alternativ geht auch: „Ich werde ein Kind gebären.“)
    • Anstatt einen Anfall zu kriegen, sage je nach Situation, z.B. „Meine Geduld ist zu Ende.“ „Diese Situation ist ärgerlich.“ „Tanja, bitte erklär mir, wie es dazu kam!“

    „Bekommen“ klingt schon vom Wort weicher und für mich entsteht da ein schönes Bild: Um etwas zu bekommen oder entgegen zu nehmen, stehe ich dem Schenkenden mit offenen Händen und offenem Blick gegenüber. Diese Geste zeigte früher auch die friedliche Absicht zweier Menschen an. Zeigten sie die offenen Hände, war klar, dass keiner eine Waffe in der Hand führt oder aus dem Ärmel zieht.

    Ein Kind zu bekommen ist wohl für die meisten Frauen nicht ganz so leicht, wie ein Geschenkpäckchen entgegen zu nehmen. Dennoch macht es deutlich, dass das Kind ein Geschenk ist, das unser Leben bereichert. Und ich habe tatsächlich gehört, dass Hebammen sagen, Frauen die Kinder bekommen, anstatt sie zu kriegen, hätten eine leichtere Geburt.

    Das allein wäre doch die Sache schon wert: Falls du gerade schwanger bist, lege ich dir sehr ans Herz, dein Kind zu bekommen. Wie gerne hätte ich das auch schon früher gewusst… Der Ausdruck „gebären“ hingegen verdeutlicht den aktiven Part der Frau.

    Regenbogen von Gyula Várnai im Budapester Museum Ludwig 2017
    Regenbogen von Gyula Várnai im Budapester Museum Ludwig 2017

    Alltagssprache klingt oft kriegerisch

    Kennst und nutzt du folgende Redewendungen? Hörst du dich manchmal so reden?

    • „Ich habe ein Attentat auf dich vor!“
    • (am Telefon) „Ich muss dich jetzt leider abwürgen!“
    • „Heute ist ein Bombenwetter!“
    • „Der Film war brutal spannend!“
    • „Ich habe einen Ratschlag für dich.“
    • „Ich könnte dich auf den Mond schießen!“
    • (über einen Dritten) „Der Typ hat doch einen Schlag!“
    • „Der Termin haut nicht hin.“
    Welche Alternativen willst du künftig dafür gebrauchen?
    Heike Brandl

    Selbst Menschen, die sich bereits mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg befasst haben, ist oft nicht bewusst, welch aggressives Potential noch in ihrer Sprache steckt. Es erfordert eine hohe Aufmerksamkeit, denn in der Regel reicht es nicht aus, einzelne Wörter zu tauschen. Wie du in meinem Beispiel oben („Ich kriege gleich einen Anfall.“) gesehen hast, kann es eben auch ganz unterschiedliche Alternativen geben.

    Wähle dir eine Situation aus dem beruflichen oder privaten Alltag aus, in der du bislang ein Wort oder eine Redewendung aus dem kriegerischen Bereich gebraucht hast. Finde dafür neue Formulierungen und integriere sie achtsam und allmählich in deine persönliche Sprache. Du wirst über das Hinhören, auch bei anderen, sensibler dafür werden.

    Kriegerische versus friedliche Sprache – wie sie im Gehirn wirkt

    Die Sprach- und Kognitionswissenschaftlerin Elisabeth Wehling erklärte im „merton magazin“ 2022 (Link leider nicht mehr verfügbar) dazu, dass sich Sprache direkt im Gehirn auswirkt. Ähnlich wie beim Laufen durch eine Wiese allmählich ein Trampelpfad entsteht, entstehen neuronale Verbindungen im Gehirn. Sprachinhalte oder -strukturen, die wir häufig verwenden, schaffen die Voraussetzungen, dass das Gehirn diese kennt und sie auch in Verhalten umsetzen kann. Sie erläutert, dass wir den Begriff „schlagen“ mit einer Hand- und Armbewegung verknüpfen.

    Das Wortfeld „schlagen“ ist groß, z.B. Aufschlag, Ratschlag, Vorschlag, Schlagabtausch, Schlagloch, Schlagwort, Ausschlag. Das Verb „schlagen“ kann man verwenden beim Sahne schlagen, etwas schlägt auf den Magen, jemanden beim Spiel schlagen, eine Rechnung überschlagen, die Seite aufschlagen, der Regen schlägt gegen die Fenster und vieles mehr.

    Wird aus Sprache Gewalt?

    Ich ziehe die Schlussfolgerung: Wenn ich aus diesem Wortfeld häufig Wörter benutze, liegt es nahe, dass ich dann auch leichter zuschlage. Vielleicht mag das mancher als gewagte Theorie einschätzen. Doch bei meiner Recherche fiel mir etwas auf:

    Im Januar 2019 (als dieser Artikel entstand) haben verschiedene Zeitungen sich mit dem Thema befasst: Die „Zeit“ vom 09.01.19 berichtet in dem Artikel „Wie aus Sprache Gewalt wird“ über die Brutalisierung der öffentlichen Rede und die dramatischen Konsequenzen für die Demokratie.

    Der Bonner General-Anzeiger vom 04.01.19 klärt über Begriffe zum Thema Gewalt in der Gesellschaft auf. Abschließend fasst die Autorin Dorothee Krings zusammen:

    Darum ist Verständigung in einer Gesellschaft nur möglich, wenn um die Bedeutung von Begriffen gerungen wird. Respektvoll. Und auch selbstkritisch.
    Dorothee Krings

    Wir tragen mit unserer Sprache folglich auch Verantwortung für unsere Gesellschaft.

    Welche Wege präge ich in meinem Gehirn mit meiner Sprache? Und welche willst du prägen? Es ist doch viel schlauer, mit friedlichen, positiven Formulierungen in der Sprache auf die neuronalen Verbindungen im Gehirn einzuwirken.

    Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Wörter,
    achte auf deine Wörter, denn sie werden Handlungen,
    achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten,
    achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
    Aus Asien

    Suche Frieden und jage ihm nach!

    So lautete 2019 die biblische Jahreslosung (Psalm 34,15b). Das ist ein Leitspruch, der das Jahr begleiten und prägen soll. Diese Losung ist wegweisend auch in sprachlicher Hinsicht. Jeder Einzelne ist aufgerufen, Frieden zu schaffen und dies kann ganz leicht in der eigenen Sprache beginnen. Wie das konkret aussehen kann, werde ich gleich erläutern. Zunächst will ich jedoch auf die Bedeutung des Friedens in diesem Psalm hinweisen.

    Budapest Friedensbrücke
    Budapest Friedensbrücke

    Die Journalistin und evangelische Theologin Anne Kampf schrieb dazu auf evangelisch.de:

    In diesem Fall: streben nach dem Frieden, hebräisch „Schalom“. Dieser Begriff bedeutet weit mehr als die Abwesenheit von Krieg oder Streit. Er umfasst laut Bibelwissenschaften.de Bedeutungen wie „ungefährdetes Wohlergehen, Glück, Ruhe und Sicherheit“, „lebensfördernde Geordnetheit der Welt“ oder auch „Zufriedenheit“. Renate Karnstein drückt es so aus: „‚Schalom‘ meint eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen, unversehrten Welt, in der keine Gefahr mehr droht. ‚Schalom‘ ist die unverbrüchliche Hoffnung auf ein gerechtes und alle Feindschaft überwindendes Miteinander der ganzen Schöpfung.
    Anne Kampf

    Dieser umfassende Friedensbegriff wirkt sich auf unser ganzes Leben aus. Suche den Frieden! Und ich ergänze: Dann wirst du Frieden finden! Beginne bei dir. Schalom.

    7 Tipps zur friedlichen Sprache

    1. Werde sensibel für kriegerische und gewalttätige Ausdrücke in der Sprache! Wie wirken diese auf dich selbst und auf deine Gesprächspartner*innen?
    2. Beginne bei dir selbst Alternativen zu finden! Integriere diese bewusst für vier Wochen in deine aktive Sprache!
    3. Lasse andere Menschen reden, wie sie es gewohnt sind. Wenn du dich an einer Redewendung störst, wandle sie für dich in Gedanken um.
    4. Wenn du eine gute Beziehung zu diesem Menschen hast oder die Vermutung, dass das Thema für sie oder ihn interessant ist, suche ein ruhiges Gespräch. Erzähle ihr oder ihm, womit du dich befasst.
    5. Sei ein positives Beispiel! Sprache steckt an! Indem du Vorbild bist, lernen andere. Mehr dazu in meinem Artikel „Wie du zu einem guten Sprachvorbild wirst“.
    6. Bring Wertschätzung in deine Sprache! Zum Beispiel, indem du souverän mit Lästern umgehst. Dazu findest du wertvolle Tipps in meiner PDF zum Thema. Für 0 € kannst du dir die PDF herunterladen.
    7. Nimm die Wörter „Frieden“ und „friedlich“ in deinen aktiven Wortschatz auf. Du wirst erleben, welch positive Wirkung das auf deine eigene Ausstrahlung und die Menschen in deiner Umgebung hat.
    8. Als Eltern oder pädagogische Fachkraft lege ich dir noch meinen folgenden Artikel ans Herz: Friedliche Sprache in der Pädagogik
    Mockup Freebie
  • Monatsrückblick Februar 2022 – Es läuft

    Monatsrückblick Februar 2022 – Es läuft

    Bei mir war es mal wieder ein ganz normaler Monat. Angesichts der Weltlage bin ich froh, dass bei mir gar nichts Besonderes los war und die Dinge einfach laufen, wie ich sie geplant habe. Ja, okay, ein VHS-Kurs fiel leider aus, doch was macht das schon, wenn ich es in Relation zu anderen Ereignissen setze. Die Arbeit mit den Kindern läuft gut und welche Themen mich sonst beschäftigt haben, erfährst du hier:

    Fortbildung Wahrnehmung und Wahrnehmungsstörungen bei Vorschulkindern

    Zwei volle Tage hielt ich die beliebte Fortbildung über Wahrnehmung, auch dieses Jahr wieder online. Erzieher:innen aus 16 verschiedenen Kitas aus dem Raum Unterfranken nahmen daran teil. Im letzten Jahr war ich schon sehr zufrieden mit dem Ablauf und mit Methoden, so dass ich kaum etwas verändern brauchte. Dies bestätigte sich auch in den Rückmeldungen, die durchweg positiv waren.

    Ein kleiner Auszug aus dem (anonymisierten) Feedbackbogen des Veranstalters, indem die Teilnehmer:innen den Satz ergänzten:

    Besonders gut gefallen hat mir

    • Viele praxisnahe Tipps 
    • Die Vermittlung der Inhalte
    • Der Praxisbezug mit vielen Anregungen und Ideen, die direkt umsetzbar sind. 

    Das beweist: Auch online können wir so ein interaktives und sinnesorientiertes Thema lebendig, abwechslungsreich und gehirngerecht anbieten. Ich freue mich, dass mir das gelungen ist.

    Setup für Fortbildung

    Website: Alle Seiten sind fertig

    So war der Plan für Februar und ich habe es geschafft! Alle Seiten sind fertig, das Design steht, alle Funktionen laufen. Es brauchte noch einmal viele Stunden (auch mit Fehlversuchen für andere Layouts), doch jetzt steht alles so, dass ich zufrieden bin. Mag sein, dass der eine Button noch nicht ganz gleich aussieht wie der andere, doch das ist nicht das Wesentliche.

    Die inneren Werte zählen und daran werde ich nun weiter arbeiten: Ich plane neue Fachartikel, Artikel über meine Haltung als Sprach- und Kommunikationstrainerin und Heilpädagogin und persönliche Artikel. Und ich werde noch zahlreiche ältere Artikel von meinen früheren Websites holen und überarbeiten.


    Nach dem Büro-Umzug: Aussortieren und Neuordnen

    Ende Dezember hatte ich mein Büro neu gestaltet und mir nun endlich ein verregnetes Wochenende dafür Zeit genommen, das begonnene Projekt abzuschließen. Da ich das Renovieren lange vor mir her geschoben hatte, waren fast alle meine Fachbücher, Aktenordner, Fortbildungsmaterialien usw. noch im früheren Büro einen Stock tiefer. Nun war die Gelegenheit, nochmal gründlich Ordnung zu schaffen.

    Ich füllte an diesem Wochenende eine komplette Papiertonne mit überflüssigen Unterlagen aus 20 Jahren Selbständigkeit, sogar Kopien aus dem Studium entdeckte ich noch. Bücher, die mir nicht mehr zeitgemäß oder praxisrelevant erschienen, wanderten ebenso in die Tonne wie verbogene (weil zu volle) Aktenordner. Selbst Overhead-Folien fanden sich noch … Die nahm ich dann mit in die Kita als Bastelmaterial.

    Effekt: Im alten Arbeitszimmer ist jetzt wieder Platz, Ordnung und Übersicht. Im neuen Büro habe ich nun alles bei mir, was ich für die Arbeit am Schreibtisch, Seminarvorbereitungen, Buchführung usw. brauche. Hach, wie fühle ich mich wohl!


    Diese Blog-Artikel schrieb ich im Februar 2022

    Drei ausführliche Artikel, für die ich schon einige positive Rückmeldungen bekommen habe. Mir wird beim Schreiben selbst immer so vieles klar. Ich merke immer mehr, wie mir das Bloggen liegt. Und:

    Wer schreibt, der bleibt.“

    Heike Brandl

    Und was war sonst noch so im Februar 2022

    • ein Besuch im Museum Kulturspeicher in Würzburg: Landschaften im Licht. Eine Ausstellung über Ludwig von Gleichen-Russwurm, den ersten deutschen Impressionisten – endlich wieder Kultur!
    • der Newsletter-Umzug zum neuen Anbieter hat gut funktioniert und war leichter als gedacht
    • ich habe die neuen Flyer getextet und druckfertig gestalten lassen von wirk-raum
    • gut 50 km war ich joggen – ganz regelmäßig 2x die Woche – dabei habe ich am Waldrand die ersten Krokusse entdeckt (Beitragsbild)

    Meine Bücher des Monats Februar 2022

    • Stefan Merath „Die Kunst, seine Kunden zu lieben – Neurostrategie für Unternehmer“
      Im Stil eines Business-Romans erzählt Merath unterhaltsam und spannend die strategische Neuausrichtung eines Unternehmers.
      Rezension: Ich fand es sehr erhellend, wie er die Liebe zu Kund:innen in den Mittelpunkt jeden unternehmerischen Handelns setzt und ich habe viel dabei gelernt.
    • Thérèse Lambert „Die Rebellin“
      Ein Roman über die Autorin Lou Andreas-Salomé, ihr Leben und ihre Beziehung zu Rainer Maria Rilke Ende des 19. Jahrhunderts.
      Rezension: Eine faszinierende Frau voller Freiheitsdrang und eine ungewöhnliche Geschichte, manchmal fand ich sie stilistisch jedoch ein wenig platt.

    Ausblick März 2022

    • Flyer und Visitenkarten werden geliefert und ich kann sie unters Volk bringen – Hurra!
    • Ich bekomme noch ein neues Integrationskind in der Kita.
    • Eine Fortbildung für mich über ICF (Internationale Klassifikation von Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit) in der Frühförderung – die Einführung eines neuen Konzepts zur Entwicklung von Fördermaßnahmen.
    • Abwicklung der alten Websites
    • Das erste MTB-Rennen der Saison meines Sohnes Maximilian in Deutschland und wir werden dabei sein.
    • Der Garten ruft: Wir werden unser Beet neu anlegen.
    • Die Fahrradsaison startet auch für mich.
    • Ich freue mich schon riesig (seit bald zwei Jahren…) auf ein Konzert mit dem Musikkabarettisten Bodo Wartke.
  • Es ist zum Schreien in der Kita

    Es ist zum Schreien in der Kita

    Ja, es ist zum Schreien in der Kita. Und manchmal ist es auch zum Heulen. Ob Corona oder nicht, die Personaldecke ist meistens zu knapp. Fachkräfte sind oft überlastet und versuchen dann – je nach Konstitution – den Laden irgendwie zusammenzuhalten oder werden krank. Und manche schreien einfach. Sie schreien die Kinder an.

    Darüber rege ich mich immer wieder auf, denn die Kinder sind die Schwächsten in der Kita. Und gleichzeitig weiß ich, dass die Ursachen für das Schreien der Erzieher:innen vielschichtig sind. Der Versuch einer Analyse:

    Was ich sehe an Rahmenbedingungen in der Kita

    Die Gruppen sind voll, 25 Kinder auf engem Raum. Rechnerisch kommen in Bayern 8,3 Kinder auf eine Fachkraft. In dem Augenblick, wo ich mir diese Zahl aus dem Netz recherchiere, steht darunter, dass die Bertelsmann Studie zum Stichtag 01.03.19 für 67 % der bayerischen Kitas zu wenig Personal festgestellt hat. Es ist nicht anzunehmen, dass sich seither etwas geändert hätte. Im Gegenteil, der „Markt“ für Erzieher:innen ist leergefegt, der Ausbau von Krippenplätzen und die zunehmende Akzeptanz in der Bevölkerung trugen dazu bei.

    Aber was heißt schon rechnerisch. Was soll die Leitung tun, wenn eine Fachkraft sich morgens krank meldet? Urlaub lässt sich zwar planen, Krankheit jedoch nicht. Kommen also zur geplanten Abwesenheit durch Urlaub oder Fortbildung noch ein oder zwei kranke Kolleg:innen, wird es schnell eng. Eine mobile Reserve gibt es nicht.

    Wie Reizüberflutung selbst gemacht wird

    Spielzeug durcheinander (Frösche aus Holz, Lego)
    Wie gut kannst du die Frösche auf so einem unruhigen Hintergrund finden?

    Was ich auch sehe, sind oftmals völlig überladene Gruppenräume. Ob es die eigenen Ansprüche der Fachkräfte sind oder die Erwartungshaltung von Eltern: Da werden Fenster bunt bemalt und von der Decke Mobiles und zur Jahreszeit passende Dekorationen gehängt. Welche Haltung steht dahinter? Ist es: „Seht mal, wir haben etwas Sichtbares produziert!“ Pädagogisches Handeln kann man eben nicht so einfach sichtbar machen.

    An den Wänden hängen bunte Plakate zum aktuellen Thema oder Abschiedsgeschenke von früheren Vorschulkindern. Auf dem Boden liegen quietschbunte Spielteppiche. Offene Regale überfordern selbst mich mit ihrem vielfältigen Angebot und machen mich orientierungslos. Die Krönung sind für mich immer bunt gemusterte Folientischdecken auf dem Maltisch.

    Was passiert? Viele Kinder sind überfordert. Sie wissen gar nicht, welchem Reiz sie zuerst folgen sollen. Manche merken auch nicht, wenn etwas Neues da ist – es ist einfach immer viel. Bevor sie sich für eine Sache oder ein Spiel entschließen, rennen sie lieber erstmal eine Weile herum. Das Material von der Decke bewegt sich auch noch und schafft zusätzliche Irritationen.

    Und du kannst davon ausgehen, dass in nahezu jeder Gruppe ein oder mehrere Kinder mit Autismus-Spektrums-Störungen, ADHS oder Wahrnehmungsstörungen sind. Gerade sie sind mit diesen unzähligen Reizen völlig überfordert. Der Blick hinaus ins Grüne, in eine hoffentlich sichtbare Natur ist durch Fensterbilder versperrt. Dabei wissen wir inzwischen, dass schon der Blick auf Natur die Psyche stabilisieren kann und zur Gesundheit beiträgt.

    Blumenwiese
    Der Blick auf Natur entspannt und beruhigt.

    Was ich höre an Lautstärke

    Schon oft hörte ich Eltern sagen: „Ich würde den Lärm den ganzen Tag nicht aushalten.“ Ich gestehe: Ich auch nicht. Als Heilpädagogin bin ich nur stundenweise in einer Gruppe und nehme meist ein paar Kinder mit in einen ruhigen Nebenraum oder Bewegungsraum, weil da Lernen besser gelingt. Es ist keine Überraschung für mich: Meist habe ich mehr als genug Kinder, die gerne mitkommen wollen. Auch sie genießen das ruhigere Spielen.

    Ja, 25 mehr oder weniger lebhafte Kinder, da gibt es viel zu reden beim Spielen und Lernen. Allein das schafft schon einen Grundpegel. Und natürlich wollen Kinder auch mal laut sein. Dazu kommt klapperndes Spielzeug aus Kunststoff.

    Lärm ist der stärkste Belastungsfaktor für die Gesundheit der Kinder und Erzieherinnen in einer Kita. Untersuchungen haben ergeben, dass es in einer Kita bis zu 117 Dezibel (dB) laut wird. Zum Vergleich: Ein in 100 m Entfernung startender Düsenjet ist „nur“ 100 dB laut.

    pro-kita.com

    Warum pädagogische Fachkräfte in der Kita schreien

    Manche wollen vielleicht einfach nur lauter sein, als die Kinder, um eine Ansage zu machen. Bestimmt schaukelt sich das bei einigen auch im Laufe des Tages mit dem Lärmpegel hoch. Sicher ist es auch ab und zu nötig, ein lautes „Stopp!“ zu rufen, um eine gefährliche Situation zu unterbrechen.

    Oft höre ich jedoch auch die Überforderung der Fachkraft aus ihrem Schrei heraus. Es ist ein „Ich kann nicht mehr!“, weil eigene Bedürfnisse zu kurz kommen:

    • das Bedürfnis nach Ruhe – na ja, geringerem Lärmpegel
    • das Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit – der pädagogischen Aufgabe gerecht werden zu können, wenn ständig zu wenig Personal da ist
    • das Bedürfnis, als Mensch gesehen zu werden, mit Schwächen und Grenzen
    • das Bedürfnis, geschätzt, geachtet und respektiert zu werden
    • das Bedürfnis nach genug zu trinken, frischer Luft oder einmal in Ruhe zur Toilette gehen zu können
    • das Bedürfnis nach Vertrauen von Seiten der Eltern oder Leitung
    • das Bedürfnis nach Beteiligung an Konzeption und Bedingungen.

    Der Hilfeschrei braucht übrigens nicht immer laut zu sein. Noch häufiger höre ich gereizten und genervten Tonfall, bevormunden, Respektlosigkeit, missbilligen, abwerten, schimpfen und lästern.

    Ich verstehe diese Ausdrucks-Formen auch als Überforderung. Die Fachkräfte, die so mit Kindern, Eltern oder Kolleg:innen umgehen, können im Moment nicht anders. Vielleicht haben sie auch über die Wirkung von Lästern und beschämen noch nicht nachgedacht. Doch eins ist sicher:

    Bild: Frau schreit
Text: Wer schreit, verliert!
    Wer schreit, verliert!

    Wer schreit, verliert die Achtung der Kinder, die der Kolleg:innen, die von Eltern und letztlich von sich selbst. Denn jede pädagogische Fachkraft weiß, dass Schreien im Grunde eine Kapitulation ist. Es ist eine Kapitulation vor der momentanen Situation.

    Und es führt zu weiterem Schreien. Als Erzieher:in bist du immer Vorbild. Wie sollen die Kinder lernen, „normal“-leise zu sprechen oder Konflikte im Dialog zu klären, wenn du selbst ihnen das anders vorlebst?

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    Was können Fachkräfte in der Kita tun?

    1. Schrei für bessere Rahmenbedingungen. Ich weiß, das kostet auch wieder Energie. Und gleichwohl ist es so wichtig.
    2. Reduziere die Reizüberflutung. Geh mit offenen Augen durch die Kita, den Flur, die Gruppe, die Nebenräume. Weniger ist mehr! Lass die Dekoration eine Weile leer und beobachte, wie die Kinder und du reagieren.
    3. Prüfe, was akustisch noch zu verbessern ist. Hier geht es um Arbeitsschutz für die Mitarbeiter:innen. Hole dazu den Kita-Träger ins Boot, das ist seine Pflicht. Im oben genannten Artikel von pro-kita findest du noch eine ganze Menge Tipps dazu.
    4. Achte auf deine Bedürfnisse. Das heißt natürlich nicht, zu sagen „Ich brauch jetzt mal ne Pause.“ und sich zu verdrücken. Das kann aber heißen, mit den Kindern darüber zu reden, warum dein Stresspegel am Limit ist und sie um Unterstützung bitten. Mehr dazu findest du in dem großartigen Buch von Lea Wedewardt und Kathrin Hohmann „Kinder achtsam und bedürfnisorientiert begleiten“.
    5. Fange bei dir selbst an: Lerne klar und wertschätzend zu kommunizieren. Hier findest du eine Anleitung: Wie du zu einem guten Sprachvorbild wirst.
    Bild: Kind malt mit Pinsel seine Hand an
Text: Es ist zum Schreien in der Kita
  • Was ist das Lingva Eterna Sprach- und Kommunikationskonzept?

    Was ist das Lingva Eterna Sprach- und Kommunikationskonzept?

    Vor etwa 9 Jahren hatte auch ich noch nichts vom Lingva Eterna Sprach- und Kommunikationskonzept gehört, obwohl es bereits seit Mitte der neunziger Jahre existiert. Ich entdeckte damals das Buch “In der Sprache liegt die Kraft” und war gleich fasziniert:

    Die individuelle Ausdrucksweise eines Menschen steht in direktem Zusammenhang mit seiner Lebensgeschichte. Mit jedem Wort sind individuelle Erinnerungen und Gefühle gespeichert. Diese schwingen bei allen Äußerungen mit und können die ursprünglich beabsichtigte Botschaft verändern und belasten. Dabei gibt es Formulierungen, die gut tun und aufbauen, und es gibt auch solche, die belasten und herunterziehen.” 

    Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf (im oben genannten Buch)

    Was also ist das Lingva Eterna Sprach- und Kommunikationskonzept?

    Die Grundlagen des Konzepts

    Die Sprachwissenschaftlerin Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf begründete Lingva Eterna Mitte der neunziger Jahre und entwickelte es ab 2004 gemeinsam mit dem Arzt und Neurowissenschaftler Dr. med. Theodor von Stockert weiter. Dadurch ist das Konzept sprachwissenschaftlich und neuropsychologisch fundiert.

    Auf der Website des LINGVA ETERNA Instituts kannst du dich näher informieren.

    Lingva Eterna basiert auf drei Säulen: Präsenz, Klarheit und Wertschätzung.

    Präsenz steht für die Persönlichkeit der Sprecherin und für ihre Ausstrahlung. Die Sprecherin ist aufmerksam im Augenblick, im Gespräch. Sie zeigt sich selbstbestimmt und übernimmt Verantwortung für ihr Denken, Sprechen und Handeln. 

    Klarheit meint die Klarheit der Botschaft. Zu einer klaren Sprache gehören beispielsweise kurze, vollständige Sätze mit einem sinnkonformen Wortschatz und einer widerspruchsfreien Grammatik. Mit einer klaren Botschaft zeigt die Sprecherin Kompetenz und Souveränität. 

    Beispiel aus dem Lingva Eterna Sprach- und Kommunikationskonzept zum Thema sinnkonforme Aussage

    Wertschätzung meint hier die grundlegend wertschätzende Einstellung zu Gesprächspartner:innen, ihren Wertvorstellungen und Meinungen. Sie schließt jede Manipulation aus. Diese wertschätzende Haltung gilt generell jedem Menschen und der Welt, in der wir leben.

    Das Lingva Eterna Sprach- und Kommunikationskonzept befasst sich mit der differenzierten Wirkung von Sprache. Es befreit von einengenden und unbewussten Sprachmustern, bietet Alternativen an und fördert die kommunikative Kompetenz. Es ist in allen Bereichen menschlicher Begegnung wirkungsvoll einsetzbar. 

    Wie arbeite ich mit dem Lingva Eterna Sprach- und Kommunikationskonzept?

    Lingva Eterna ist ein Sprach- und Kommunikationstraining.. Es lenkt den Blick auf die Wirkung von Wortschatz, Grammatik, Satzmelodie und Sprechgeschwindigkeit. Bereits kleine Änderungen der gewohnten Ausdrucksweise sind sofort spürbar und haben eine nachhaltige Wirkung.

    Ich biete für meine Kund:innen verschiedenes an: Vorträge geben dir einen ersten Einblick. Workshops und Inhouse-Seminare entwickle ich nach Kundenbedarf in unterschiedlichem Umfang. Das bietet die Möglichkeit, gezielt, fachspezifisch und lösungsorientiert auf die Kommunikations-Themen und Aufgaben in einer Einrichtung oder Firma einzugehen. KommunikationsCoaching ermöglicht, an deinen individuellen sprachlichen Herausforderungen zu arbeiten. 

    Welchen Nutzen hast du von diesem Konzept?

    Ich lasse die Teilnehmer:innen in Seminaren oder Coachees entdecken, wie sie auf andere wirken – und zeige ihnen, wie sie mit klarer und wertschätzender Sprache mehr erreichen.

    Heike Brandl

    Gespräche werden effizient, Führungskräfte kommunizieren klar, Mitarbeiter:innen sind motiviert und engagiert. Der achtsame Umgang mit der Sprache wirkt sich auch auf den Frieden in der Familie und im beruflichen Bereich auf das Betriebsklima und den Umgang mit Kund:innen und Geschäftspartner:innen positiv aus. 

    Deine Kommunikation wird reflektierter, du bist achtsamer mit dir selbst und deinen Mitmenschen. Mit Präsenz, Klarheit und Wertschätzung wird es dir gelingen, souveräner aufzutreten, deine Position deutlich zu vertreten und gleichzeitig respektvoll mit deinen Gesprächspartner:innen (auch Kindern) umzugehen. So pflegst du gute Beziehungen und schaffst die Basis für ein zufriedenes, gelingendes Leben.

    Welchen Nutzen ich vom Lingva Eterna Sprach- und Kommunikationskonzept habe

    Als Heilpädagogin bin ich mit Sprachförderung durchaus vertraut. Auch die Beratung von Eltern und Erzieher:innen gehört seit Jahren zu meinen Aufgaben. Dennoch habe ich mit Lingva Eterna einen neuen Ansatz entdeckt: Ich habe erkannt, dass die drei Säulen dieses Sprach- und Kommunikationskonzepts – Präsenz, Klarheit und Wertschätzung – eine Menge mit meinem beruflichen und privaten Leben zu tun haben.

    Sowohl als Heilpädagogin als auch als Sprach- und Kommunikationstrainerin sind sie die tragenden Elemente in den Beziehungen zu Kindern, Eltern, Erzieher:innen, Coachees und Teilnehmer:innen in Seminaren. 

    In jeder beruflichen Situation ist es für mich elementar, mit meiner ganzen Persönlichkeit präsent zu sein, meine Botschaften klar zu kommunizieren und die beteiligten Menschen wertzuschätzen.

    Heike Brandl

  • Was ist das Lingva Eterna Kommunikationsmodell?

    Was ist das Lingva Eterna Kommunikationsmodell?

    Kommunikationsmodelle gibt es verschiedene. Bestimmt hast du schon vom 4-Ohren-Modell (nach Friedemann Schulz von Thun) gehört, vielleicht auch von Modellen der Transaktionsanalyse, dem Neurolinguistischen Programmieren oder vom Modell Paul Watzlawicks. Sicher ist es nützlich zu wissen, dass sich manches unter der Oberfläche verbirgt, wie beim Eisberg-Modell von Sigmund Freud. Aber was nützen dir diese Modelle tatsächlich in einer realen Gesprächssituation?

    Ich stelle dir hier ein Kommunikationsmodell vor, das dich durch jedes einzelne Gespräch führt: Das LINGVA ETERNA Kommunikationsmodell.

    Was ist das LINGVA ETERNA Kommunikationsmodell?

    Dieses Modell besteht aus 5 Schritten, die ich hier kurz erläutere:

    1. Intention
      Der erste Schritt findet bereits vor Beginn eines Gesprächs statt. Mache dir bewusst, worum es dir geht. Was ist deine Absicht oder der Sinn dieses Gesprächs? Was willst du erreichen? Was ist also deine Intention? Manchmal folgen daraus noch weitere Fragen: Ist die Person vor dir die richtige Ansprechpartnerin? Ist jetzt die passende Zeit, der passende Ort?
    2. Ansprache
      Wähle je nach Situation die passende Ansprache. Dazu gehören eine Begrüßung, ein Ansprechen mit dem Namen, Blickkontakt. Manchmal sind ein paar Sätze „warm-up“ angemessen. Es ist gut, einen Augenblick innezuhalten, bis die Gesprächspartnerin ihre Aufmerksamkeit auf dich ausgerichtet hat.
    3. Rahmen
      Gib der Gesprächspartnerin eine Rahmeninformation. Worum geht es hier gerade? Hole sie ins Bild. Hier fasst du das in Worte, was du im Schritt 1 für dich geklärt hast.
    4. Diskurs
      Nun geht es in den Austausch. Du stellst deine Frage – die Gesprächspartnerin antwortet. Manchmal geht das eine Weile hin und her. Oder du erzählst etwas – der Gesprächspartner fragt nach.
    5. Abschluss
      Ist das Thema abgeschlossen oder das Gespräch neigt sich dem Ende zu, so finde einen runden Abschluss. Je nach Situation folgen hier ein oder mehrere Elemente: eine Zusammenfassung des Besprochenen, gute Wünsche, ein Dank, eine weitere Verabredung, ein Abschiedsgruß.

    Wie sieht die praktische Anwendung aus?

    Situation Kinderzimmer: Dein 4jähriges Kind spielt morgens vertieft mit seinen Bausteinen. Du willst es nun in die Kita bringen.

    1. Intention: Dein Kind soll zügig in die Garderobe kommen, so dass ihr euch anziehen und gehen könnt.
    2. Ansprache: Gehe zu ihm ins Kinderzimmer, begib dich auf Augenhöhe und sprich es an: „Tim, – (Pause) ah, ich sehe, dass du wieder eine Garage für die Feuerwehr baust.“ (Pause – vielleicht kommentiert Tim nun auch).
    3. Rahmen: „Jetzt ist es Zeit für den Kindergarten. Heute Nachmittag wirst du weiterbauen können.“
    4. Diskurs: „Bitte komm jetzt mit in die Garderobe! (optional z.B.: „Schau, heute ist Regenwetter. Was brauchst du denn da zum Anziehen?“ – oder: „Magst du mit deiner Freundin Mila im Kindergarten auch was bauen?“) – So kommt das Gespräch in einen Fluss.
    5. Abschluss: „So, nun sind wir beide startklar. Lass uns losgehen.“

    Situation E-Mail schreiben:

    1. Intention: Du willst eine Versicherung kündigen.
    2. Ansprache: „Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, „
    3. Rahmen: „ich habe bei Ihnen eine Reiseversicherung mit der Vertragsnummer 1234567.“
    4. Diskurs: „Hiermit kündige ich diese Versicherung fristgerecht zum 18.01.22 (Ende des Versicherungsjahres).“
    5. Abschluss: „Mit freundlichem Gruß“
    Heike Brandl - E-Mails wirksam und wertschätzend schreiben

    Situation Stadtbummel: Du bist mit deinem Partner unterwegs beim Einkaufen und hast Lust auf Kaffee und Kuchen.

    1. Intention: Du willst ins Café gehen.
    2. Ansprache: „Matthias, …
    3. Rahmen: „… wir sind schon eine Weile unterwegs. Ich brauche eine Pause und habe Lust auf Kaffee und Kuchen.“
    4. Diskurs: „Wie ist es mit dir? Hast du auch Appetit?“ – Matthias hat zwar auch Lust auf Kuchen, will aber lieber zu Hause noch das Biathlon-Rennen anschauen. Ihr einigt euch darauf, beim Bäcker Kuchen mitzunehmen.
    5. Abschluss: „Gut, dann lass uns einen Kuchen holen und die übrigen Sachen nächsten Samstag erledigen.“

    Das letzte Beispiel zeigt: Es geht nicht darum zu gewinnen und die eigene Absicht durchzusetzen. Es geht darum, präsent, klar und wertschätzend Gespräche zu führen. Wichtig ist es, im Dialog zu bleiben.

    Missverständnis zwischen zwei Personen
    Missverständnisse?

    Was passiert, wenn du einzelne Schritte weglässt?

    1. Die Intention fehlt: Nehmen wir an, du sagst zu deinem Kind im Kinderzimmer „Wie siehts denn hier aus?“- Was wird dann wahrscheinlich passieren? Ein fragender Blick deines Kindes, schließlich fühlt es sich zum Spielen so wohl. Sonst nichts. Willst du morgens um halb acht wirklich eine Diskussion über Ordnung im Kinderzimmer anfangen? Nein? Dann lass es einfach. Atme durch und begib dich in die Perspektive des Kindes.
    2. Die Ansprache fehlt: Hast du auch schon mal eine Frage oder Aufforderung in den Raum gerufen und dich gewundert, dass keine Reaktion gefolgt hat? Das liegt daran, dass du keinen Kontakt hergestellt hast. Nehmen wir das Beispiel mit dem Kind von oben. Rufst du aus dem Bad „Anziehen, wir müssen los.“ so fehlt hier der Kontakt. Das Kind fühlt sich nicht angesprochen und wird auch kaum reagieren. Es ist vertieft in sein Spiel. Oft geht es dann weiter: „Kannst du nicht hören? …“ Dabei war es erstmal dein Fehler.
    3. Der Rahmen fehlt: Versäumst du es, deiner Versicherung die Vertragsnummer mitzuteilen, wird sie nachfragen. Es entsteht ein Mehraufwand auf beiden Seiten und womöglich läuft sogar die Frist ab.
    4. Der Diskurs fehlt: Sagst du deinem Partner nur „Ich brauche eine Pause.“ kann er auch annehmen, dass du eine Weile auf die Parkbank sitzen willst.
    5. Diskurs und Rahmen sind vertauscht: Nehmen wir an, du hast eine Reklamation bei einem Handwerker und rufst an: „Das geht so überhaupt nicht, Sie haben die Anschlüsse vertauscht und da müssen Sie nochmal herkommen und das richtig machen. Es geht um die Baustelle in der Ahornstraße 22, …“ Selbsterklärend, oder? Natürlich will die Firma erstmal wissen, worum es geht.
    6. Der Abschluss fehlt: Hattest du schon mal nach einem Gespräch das Gefühl, dass etwas Wesentliches gefehlt hat? Oftmals handelt es sich dabei um den Abschluss. Ihr habt versäumt, Absprachen nochmal zu wiederholen oder auch zu sagen: „Hm, da kommen wir heute nicht weiter. Lass uns nächsten Montag nochmal darüber sprechen.“
    Bild: Heike Brandl mit Foto des LINGVA ETERNA Kommunikationsmodells

    Wer hat das LINGVA ETERNA Kommunikationsmodell entwickelt?

    Die Sprachwissenschaftlerin Mechthild von Scheurl-Defersdorf begründete in den 1990er Jahren das LINGVA ETERNA Kommunikationskonzept. Es beruht auf den den drei Säulen Präsenz, Klarheit und Wertschätzung. Seit 2004 entwickelte sie es gemeinsam mit dem Arzt und Neurowissenschaftler Dr.med. Theodor von Stockert weiter.

    Mit dem Konzept für mehr Präsenz in Gesprächen, Klarheit im Ausdruck (Wortschatz, Satzbau, Grammatik) und Wertschätzung gegenüber den Gesprächspartner:innen ließ sich die Kommunikation schon wesentlich verbessern. Von Stockert merkte jedoch, dass noch etwas entscheidendes fehlte: Eine Struktur, die durch den Kommunikationsprozess führt.

    Von Stockert war langjähriger Leiter einer Klinik und nach seiner Pensionierung als Ausbilder am LINGVA ETERNA Institut in Erlangen tätig. Er entwickelte mit seinem Hintergrund aus Neurobiologie und seiner jahrelangen Erfahrung aus Seminaren und Ausbildungen 2015 das praxisorientierte Modell.

    Willst du lernen, damit zu kommunizieren?

    In diesem Artikel habe ich einfache Beispiele für die Anwendung ausgewählt. Wie überall ist es sinnvoll, eine neue Technik oder Kompetenz erstmal in Standard-Situationen anzuwenden und einzuüben. Erst mit einiger Sicherheit wird es dir gelingen, auch herausfordernde Situationen damit zu meistern. Und falls es nicht sofort funktioniert: Frage dich, ob du wirklich alle Schritte gegangen bist?

    • Ist deine Intention klar gewesen?
    • Hast du einen guten Kontakt hergestellt und deinen Gesprächspartner angesprochen?
    • Hast du ihm eine Rahmeninformation gegeben?
    • Seid ihr im Diskurs gewesen?
    • Habt ihr einen guten Abschluss gefunden?

    Brauchst du mehr Unterstützung für deine Kommunikation? Ich habe meine Ausbildung zur Sprach- und Kommunikationstrainerin bei Mechthild von Scheurl-Defersdorf und Dr. Theodor von Stockert gemacht.

    Es ist noch kein Kommunikationsmeister vom Himmel gefallen. Auch ich habe die Bausteine einer klaren und wertschätzenden Kommunikation gelernt. Das wird auch dir gelingen.“

    Heike Brandl

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