Autor: Heike Brandl

  • Quartalsrückblick Januar bis März 2024

    Quartalsrückblick Januar bis März 2024

    Als Viel-Leserin besuche ich auch häufig die örtliche Bibliothek und entdecke rein zufällig immer wieder kleine Schätze. So auch Michael Schlögls „Wohl plus Fühlen – Jahr für Jahr“ Der Coach und Kommunikationstrainer führt in nach Monaten strukturierten Kapiteln durch verschiedene Lebensthemen. Er regt dazu an, eigene und fremde Gefühle deutlicher wahrzunehmen. Im April, in dem ich das Buch beginne, steht erstmal ein Rückblick auf das erste Quartal an.

    Der entspannte Blick aus dem Bauhaus-Sessel in Weimar (Titelbild) passt doch da gut dazu.

    Der Blick zurück

    Darauf habe ich mich im ersten Quartal gefreut

    • Volles Programm: einige neue Kinder in der Heilpädagogik füllten meinen Terminkalender.
    • Weiterbildung LINGVA ETERNA Kommunikationstraining und SOS-Training (Stress-Regulation): Neben den theoretischen Inhalten und dem praktischen Üben war für mich der Austausch mit und die Beziehung zu den damit verbunden Menschen besonders wertvoll.
    • Ein Kulturwochenende in Weimar, ebenfalls verbunden mit dem Treffen lieber Freunde.
    • Die Radsaison begann wieder: Das eigene Bike freute sich, mal wieder bewegt zu werden und wir besuchten das erste MTB-Rennen unseres Sohnes in Deutschland in diesem Jahr.

    Das habe ich Wichtiges erledigt

    • Ein Kurs zur Prozess-Organisation mit Trello: Hurra, jetzt sind meine Aufgaben und Content-Planung noch übersichtlicher.
    • Wir haben die Renovierung der Wohnetage abgeschlossen. Struktur und Übersicht war dabei gar nicht das Hauptziel, sondern einfach mal alles frisch zu streichen. Gleichwohl konnte ich einiges aussortieren und entsorgen.
    • Ich habe den Garten nach dem Winterschlaf für Wachstum und Gedeihen vorbereitet: Abgestorbenes zurückgeschnitten und gehäckselt, Pferdemist, Kompost und frische Erde verteilt, gepflanzt und gesät, was schon ging.

    Und was war mit meinen eigenen Interessen?

    • Gesundheit: Die ließ anfangs noch zu wünschen übrig, doch seit Mitte Februar fühle ich mich wieder richtig fit und wohl.
    • Sport: Infolgedessen legte ich auch schon 320 km auf dem Mountainbike zurück, war ungefähr 55 km joggen und machte regelmäßig Yoga und andere Gymnastik.
    • Ich las etliche interessante Bücher, war einige Male im Kino mit Freund:innen und unternahm Wanderungen auch mal allein.
    • Mein Jahresmotto Fokus Verbundenheit brachte mir immer wieder Impulse: jemanden anrufen, mich mit einer Freundin verabreden, eine neue Art von Beziehung zu einem Kind (beruflich) finden, da die alte Art irgendwie nicht so lief. Darüber hinaus half mir die eigene Reflexion (zum Beispiel mit diesem Buch oder mit dem Blogartikel über das Schreiben) zur Verbundenheit mit mir.

    Diesen Belastungen bin ich offensiv begegnet

    • Eigene Gesundheit: Ich nahm mir die Zeit, die mein Körper brauchte, um zu regenerieren und achtete besonders auf ausreichend Vitamine.
    • Herzinfarkt bei meinem Mann: Informieren, sich austauschen und über Möglichkeiten sprechen gab Sicherheit. Jetzt sind wir erst mal froh, dass alles bislang gut verläuft.

    Das habe ich bewusst weggelassen

    • Alkohol: Nach dem Dry-January folgte noch ein fast Dry-February. Ich vermisste nichts. Langsam wird das Bier im Keller schlecht … Mal sehen, ob ich mich erbarme.
    • Social Media und Co.: Ich hielt mich in den vergangenen Wochen sehr zurück, hatte wenig Lust zu posten, geschweige denn zu kommentieren. Je weniger ich auf Instagram und Facebook unterwegs war, desto weniger interessiert es mich. Allerdings habe ich den Eindruck, dass ich doch etwas weniger Leser:innen auf dem Blog habe.

    So sieht meine Zufriedenheitsskala aus

    Auf einer Skala von 1 bis 10 (mies bis sehr gut) bin ich Stand heute bei 8.

    Der Blick nach vorne

    Auf das freue ich mich in den nächsten drei Monaten

    • Abschluss SOS-Training Weiterbildung: Die intensive Auseinandersetzung mit Nervensystem und Stress-Regulation brauchte viel Zeit. Mit dem Abschluss werde ich wieder neue Kapazität für andere Themen gewinnen. Mit theoretischem Wissen darf dann auch mal eine Weile Pause sein.
    • Reisen: Elbsandsteingebirge (Wandern), Tschechien (MTB-Rennen unterstützen und Familiengeschichte erforschen) und Altmühltal (selbst Mountainbiken)
    • Besuche bei Family & Friends in Süddeutschland
    • Frühling erleben: Radtouren, Garten und Natur genießen, Treffen mit Freunden im Freien

    Das will ich Wichtiges erledigen

    • Kursplanung SOS-Training
    • Suchmaschinen-Optimierung für die Website

    Diesen meiner Interessen will ich nachgehen

    • siehe „Freu-Liste“
    • Fitness pflegen: joggen, Rad fahren, wandern, bei über 25° C beginnt die Freibad-Saison und SUP auf dem Main

    Folgenden schweren „Brocken“ will ich beseitigen

    • Da fällt mir gerade nichts ein. Ich brauche auch keinen schweren Brocken.
    • Ah, doch: 15 Dia-Kästen aus den 90ern … Die Digitalisierung ist allerdings eher unterhaltsam als „schwer“.

    Das will ich bewusst weglassen

    • Alkohol: Da will ich bei maximal einmal pro Woche bleiben.
    • Ich will keine neuen Kleidungsstücke kaufen. Der Schrank ist voll, mal sehen, ob ich durch Auftragen Leere schaffen kann. Ich hoffe, die Regenjacke hält nochmal eine Weile dicht.
  • Die Macht der Worte: Wie Sprache unsere Persönlichkeitsentwicklung beeinflusst

    Die Macht der Worte: Wie Sprache unsere Persönlichkeitsentwicklung beeinflusst

    Gastbeitrag von Korina Dielschneider

    Wenn sich eine Sprachexpertin und ein Life Coach begegnen, dann können spannende Fragen entstehen. Zum Beispiel die, wie Sprache und Persönlichkeitsentwicklung zusammenhängen. Das haben Kommunikationsexpertin Heike Brandl und ich uns bei einem informellen Austausch gefragt.

    Als Coach vertrete ich die Ansicht, dass Geschichten unsere Weltsicht bestimmen. Genauer gesagt, die Art, wie wir uns selbst unsere Geschichte erzählen. Meine eigene Geschichte ist die einer Ausdauerläuferin. Zumindest erzähle ich sie mir so am liebsten. Obwohl ich gut in der Schule war, durfte ich zunächst nicht auf die weiterführende Schule und habe mein Abitur dann berufsbegleitend am Abendgymnasium gemacht. Trotz aller Widrigkeiten bin ich erstaunlich weit gekommen. Wie weit wäre ich wohl gekommen, wenn ich mir die Geschichte unter der Überschrift „Sie hätte gekonnt, aber sie durfte ja nicht“ erzählt hätte?

    In diesem Beitrag geht es um Sprache und die Macht der Geschichten, die wir uns erzählen und wie wir sie für unsere persönliche Veränderung nutzen können.

    Die Macht unserer erzählten Geschichten

    Alle Menschen erzählen sich Geschichten über ihr Leben. Wenn zwei Menschen ein zur Hälfte gefülltes Glas sehen, ist es für den einen halb leer und für den anderen halb voll. Die Unterschiedlichkeit liegt in der individuellen Bewertung. An diesem sehr einfachen Beispiel lässt sich auch die Macht von Geschichten zeigen. Hierzu zwei beispielhafte, weit verbreitete Geschichten:

    Ich bin nicht gut genug

    Dies ist eine sehr verbreitete Geschichte. Es spielt für diesen Beitrag keine Rolle, wie diese Geschichte zustande gekommen ist. Interessant ist hier nur ihre Auswirkung. Wenn jemand davon überzeugt ist, nicht genug zu sein, ist das wie ein Wahrnehmungsfilter und alle Ereignisse werden unter diesem Gesichtspunkt interpretiert. Von kleinen Fehlern bis zu verpatzten Chancen: Alles lässt sich dadurch erklären, dass man eben nicht gut genug ist.

    Stellen wir uns für einen Moment jemanden vor, der sich die Geschichte erzählt „Ich kann alles schaffen, wenn ich es wirklich will.“ Dieser Mensch hat einen vollkommen anderen Wahrnehmungsfilter und wird – genau wie der andere – Beweise für seine Annahme finden. Er wird die kleinen und großen Erfolge sehen und sie nicht auf Zufälle und Glück zurückführen.

    Äpfel zwischen Herbstlaub, reif, schrumpelig, verfault
    Quelle: Wolfgang Eckert auf pixabay

    Da kann man nichts machen

    Wie wird sich wohl ein Mensch verhalten, der davon überzeugt ist, seine Lebensumstände nicht ändern zu können? Schwer vorstellbar, dass dieser Mensch aufbegehrt. Im besten Fall ist er ein Meister der Akzeptanz des Unvermeidlichen. Andererseits gibt es immer wieder erstaunliche Geschichten von Menschen, die das scheinbar unabänderliche nicht hinnehmen und mit Mut und Entschlossenheit dagegen angehen.

    Greta Thunberg ist so ein Mensch, der es nicht länger hinnehmen wollte, dass die Gesellschaft nichts gegen die Klimakrise unternehmen wollte und sich deshalb im August 2018 mit einem Schild mit der Aufschrift „Schulstreik“   vor das schwedische Parlament in Stockholm begab. Wir alle wissen, wie die Geschichte weiterging.

    leeres Klassenzimmer mit Plakat von der Decke
    Quelle: geralt auf pixabay

    Beide Beispiele zeigen, dass unsere Geschichten eine mächtige Wirkung auf uns haben. Und deshalb ist es nicht egal, wie wir selbst mit uns sprechen. Im Gegenteil: Es ist wichtig, dass wir erkennen, welche Geschichten wir uns über unser Leben erzählen. Die Veränderung dieser Geschichten ist der erste Schritt, dem nach und nach weitere folgen werden.

    Sprache und Denken

    Sprache bestimmt unsere Wahrnehmung der Welt. Diese Ansicht wird von verschiedenen linguistischen Theorien geteilt, z.B. der Whorf-Hypothese oder dem linguistischen Determinismus. Demnach beeinflusst die Struktur einer Sprache auch die Wahrnehmung der Welt. Soweit ich es überblicke, ist diese Frage wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Einigkeit scheint aber darin zu bestehen, dass das Denken komplexerer bzw. abstrakterer Gedanken Sprache als Voraussetzung hat.

    Wenn das so ist, dann scheint mir logisch, dass auch die Art, wie ich über mich und die Welt spreche, meine Wahrnehmung davon verändert. Das heißt, wenn ich freundlicher über mich spreche, werde ich auch freundlicher über mich denken.

    Sprachliche Muster beobachten und verändern

    Nehmen wir das Beispiel von oben. Wenn ich mich dabei ertappe, das Glas als halb leer zu bezeichnen, dann kann ich diesen Ausdruck korrigieren und stattdessen von einem halb vollen Glas sprechen.

    Es ist vermutlich nicht einfach, lange eingeschliffene Denk- und Sprachmuster überhaupt zu erkennen. Das soll diese kleine Geschichte illustrieren:

    Ein junger Fisch schwimmt durch das Meer und begegnet einem älteren Fisch. Der ältere Fisch grüßt den jungen Fisch und sagt: „Guten Morgen, wie ist das Wasser heute?“ Verwirrt antwortet der junge Fisch: „Was ist Wasser?“ (Quelle)

    Selbstreflexion und Achtsamkeit können dabei helfen, den eigenen Mustern auf die Spur zu kommen. Wenn wir innere Stimmen erkennen, die wir nicht mögen, können wir anfangen, an ihrer Stelle geeignetere Ausdrücke zu setzen.

    Statt: „Ich kann das nicht.“ →Ich kann das noch nicht.“
    Statt: „Da kann man nichts machen.“ →Es sieht schwierig aus, aber ich kann es wenigstens versuchen.“

    Es ist nicht notwendig, dass wir schon überzeugt sein müssen. Unser Gehirn lässt sich austricksen, wie wir im nächsten Abschnitt sehen werden.

    Gespräche souverän führen - Die Macht der Sprache

    Strategien und Beispiele für die Macht der Worte

    Fake it until you make it

    Die Idee hinter Fake it until you make it ist, dass man sich so verhalten soll, als ob man bereits erfolgreich oder kompetent ist, auch wenn man es noch nicht ist. Es gibt Untersuchungen darüber, dass sich unser Gehirn austricksen lässt. Wenn wir schlechte Laune haben und uns dann im Spiegel anlächeln, kann das die Laune bessern. Wir tun also so, als ob wir gute Laune hätten und wenn es gut läuft, lässt sich unser Gehirn überlisten und schüttet die richtigen Hormone aus.

    Wenn ich freundlicher über mich denken möchte, dann kann ich bei der Sprache ansetzen und mir fest vornehmen, nicht mehr abfällig über mich selbst zu sprechen („Ich Idiot, warum habe ich …“). Ganz allmählich wird sich dadurch ein anderes Selbstbild ergeben. Du könntest z.B. sagen „Ich darf Fehler machen und kann daraus lernen.“ Oder „Niemand ist perfekt und Fehler zu machen gehört zum Menschsein dazu.“

    Ich kann, ich will, ich werde

    Genau so können wir Sprache bewusst einsetzen, um erwünschte Veränderungen auf den Weg zu bringen. So können wir beispielsweise auf das Wort „muss“ weitestgehend verzichten.

    Statt. „Ich muss nach Hause.“ Ich will nach Hause.“ Als Daumenregel können wir statt dem unschönen Wörtchen „muss“ die Wörter „wollen, können oder werde“ nutzen. „Ich muss am Samstag arbeiten.“ wird so zu „Ich werde am Samstag arbeiten.“

    Ja, es scheint wie eine Kleinigkeit, aber ich bin davon überzeugt, dass die Summe kleiner Änderungen dann irgendwann doch einen Unterschied erzeugen. In Heikes Artikel Wie du dir weniger Druck in der Erziehung machst, findest du noch mehr zum Thema „müssen“.

    Mensch hält beschriftetes Papier vor den Kopf
    Foto: fuzznails on gettyimages @Canva / Grafik: k. dielschneider

    Eigentlich sollte ich …

    Noch ein weiteres Beispiel für eine scheinbar kleine Änderung. Wie oft verwenden wir das Wörtchen eigentlich? „Eigentlich sollte ich jetzt arbeiten.“ – „Eigentlich sollte ich jetzt ins Bett gehen.“ Dieses Wort ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Warum arbeitet man dann nicht oder geht ins Bett?

    Wenn wir uns sehr oft bei diesem Wörtchen ertappen, erzählen wir unserem Unbewussten die Geschichte von Ohnmacht und mangelnden Gestaltungsmöglichkeiten. Was hindert uns denn daran, das zu tun, was wir eigentlich tun wollen?

    Innere Monologe: Wie wir mit uns selbst sprechen

    Vermutlich hat jeder schon einmal bei sich selbst oder anderen erlebt, wie wir oder sie bei einem Missgeschick nicht gerade liebevoll mit sich selbst sprechen. Das Handy verlegt? „Das ist mal wieder typisch!“ Den Rucksack in der S-Bahn vergessen – „Klar, dass mir das passiert.“ Genau wie in den Gesprächen mit Anderen, können wir auch hier Veränderungen bewirken, wenn wir darauf achten, wie wir mit uns selbst sprechen und uns selbst genauso wertschätzend und liebevoll behandeln, wie wir es mit einem lieben Freund tun würden.

    Mann führt inneren Dialog mit seinem anderen "Ich" in Miniaturgröße
    Foto: fuzznails on gettyimages @Canva / Grafik: k. dielschneider

    Persönlichkeitsentwicklung und Sprache: Zwei, die zusammengehören

    Persönlichkeitsentwicklung und Sprache gehen Hand in Hand. Worte sind mächtig und wenn wir die Geschichten, die wir uns selbst über uns und die Welt erzählen, anders erzählen, dann verändern wir dadurch auch unsere Sicht auf die Welt.

    Allerdings ist Sprache nicht die einzige Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln. Es gibt unzählige weitere Möglichkeiten, denn nicht nur die Methoden, auch die Menschen sind unterschiedlich und sprechen auf unterschiedliche Methoden an.


    Wer schreibt hier?

    Korina Dielschneider - Portrait

    Korina Dielschneider ist zertifizierter Coach und ehemalige Managerin eines IT-Unternehmens. Sie unterstützt Menschen in der Lebensmitte bei der beruflichen und persönlichen Neuorientierung. Neben Coaching bietet sie Workshops (on- und offline) mit Themen rund um die persönliche Weiterentwicklung in der zweiten Lebenshälfte an. Ein regelmäßiges Online-Netzwerktreffen für Menschen ab der Lebensmitte sowie ihr regelmäßiger Newsletter mit Impulsen zur Lebensgestaltung (nicht nur) in der Lebensmitte runden das Angebot ab.

  • Schreiben. Warum? Wie? Wozu?

    Schreiben. Warum? Wie? Wozu?

    Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade von Anna Koschinski „Schreiben über das Schreiben“. Anna will wissen: Was motiviert uns, was bringt uns das Schreiben, welche Gefühle haben wir dabei? Eine Erkundungsreise über das eigene Schreiben, gewissermaßen. Liebe Anna, ich danke dir für diese Inspiration!

    Entwicklung

    Schreiben war für mich immer etwas Leichtes. Ich war eine Schülerin, der die Aufsätze gut gelangen, wählte in den Deutsch-Klausuren meist die Erörterungen und natürlich schrieb ich als Teenager auch Tagebücher.

    In meiner Ausbildung zur Erzieherin und im Studium der Heilpädagogik gab es ebenfalls jede Menge zu schreiben: Berichte, Hausarbeiten, Diplomarbeit. Weiter gings in meinen beruflichen Stationen mit noch mehr Berichten, Protokollen, Anträgen, Präsentationen, Konzeptionen … Routine durch Masse, Qualität durch Quantität. Kein Wunder, dass mir oft die einschlägigen Projekte unter die Schreib-Hände gelangten bzw. aufgetragen wurden.

    Eine intensive Auseinandersetzung mit Sprache begann mit meiner Weiterbildung zur LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationstrainerin. 2017 startete ich auf meiner ersten Website einen Blog. Die Artikel teilte ich im Newsletter. Ich wollte mehr Menschen etwas über Wortschätze zu erzählen, klare und wertschätzende Sprache vermitteln, Erfahrungen aus meinen Workshops weitergeben und Tipps zum Transfer geben. Dabei schrieb ich maximal einen Artikel im Monat. Ich lernte vieles über Ausdruck und Präzision.

    Im Dezember 2020 beteiligte ich mich erstmals bei Judith Peters Jahresrückblog und von da an war ich im Flow. In Judiths Business-Blog-Werkstatt „The Content Society“ lernte ich das dynamische Bloggen: persönliche Artikel, meine Fachthemen (Kommunikation, Kita, Eltern, Heilpädagogik), Rückblicke, Business-Themen. Die Häufigkeit des Bloggens stieg: Oft schrieb ich drei bis vier Artikel pro Monat.

    Und natürlich lernte ich noch viel, viel mehr: eigene Webseiten-Texte schreiben, meine Newsletter besser (und häufiger) schreiben, Angebote präzisieren, Social Media Texte zu schreiben und und und. Ich hatte und habe nie ein Problem mit Ideen und Themen. In der Regel sind mehr Ideen im Kopf, als ich umsetzen kann.

    Tools und Technik

    Ich schreibe direkt in WordPress, am liebsten und effektivsten am Laptop. Heute bin ich dankbar dafür, dass ich seinerzeit in der Realschule Maschinenschreiben lernen musste. An der mechanischen Schreibmaschine mit Musik und Diktat von der Schallplatte, um Rhythmus und Geschwindigkeit zu erhöhen – das kann sich heute keiner mehr vorstellen.

    Unterwegs schreibe ich jedoch auch am Smartphone, z.B. auf dem Beifahrersitz – auch wenn ich mich da immer wieder über die ruckeligen Autobahnen aufrege. Auf unseren Radreisen habe ich natürlich ebenfalls keinen Laptop dabei und behelfe mir dann mit der WordPress-App.

    Seit Herbst 2023 lasse ich mich auch immer wieder von ChatGPT inspirieren. Nicht mit dem eigentlichen Text, doch zum Beispiel um ein Thema vielseitig zu erfassen. Die KI hat manchmal mehr Perspektiven oder Aspekte als ich in petto.

    Übrigens schreibe ich am liebsten mit Ruhe. Der Ort? Der ist eher zweitrangig: mein Büro, der Gartentisch, auf Reisen auch mal im Bett.

    Noch was zur Technik des Schreibens: Hier bin ich ganz pragmatisch – hinsetzen und anfangen. Ich beginne oft mit dem Teil, der mir leicht fällt. Das kann auch der letzte Gliederungspunkt sein. Und wenn es mal stockt? Eine Tasse Tee und Studentenfutter hilft meistens. Oder eine Runde durch den Garten gehen.

    Wozu ich schreibe

    Für mich persönlich ist die Frage nach dem „Wozu?“ die Sinn stiftende und viel wichtiger als „Warum?“. Wozu beinhaltet das Ziel, den Zweck. Warum fragt nach einem Grund. Ich meine: Es braucht keinen Grund, um zu schreiben. Ich schreibe, weil ich es kann.

    Einen Blog zu schreiben, hat für mich verschiedene Zwecke. Da sind von Anfang bei mir die Themen Kommunikation und Pädagogik, mit denen ich dir Wissen vermitteln will. Wissen, um deinen Alltag zu verstehen, leichter zu machen. Ich beantworte mit meinen Artikeln Fragen, die Eltern, pädagogische Fachkräfte oder Coachees mir stellen. Wird mir die Frage wieder gestellt, kann ich auf den Artikel verweisen.

    Durch das Schreiben befasse ich mich mit einem Thema intensiv. Ich bringe es in Struktur, sehe oder schaffe Zusammenhänge, nutze meine Worte und Formulierungen, verankere es in meinem Kopf. Und so kann ich das Thema anderen leichter erklären: in Beratungen, Coaching, Vorträgen und Seminaren. Der Blogartikel ist dann so etwas wie früher der Spickzettel für die Klassenarbeit.

    Spannend finde ich die Rückblicke. Monat für Monat wird mir dabei deutlich, was wieder alles los war. Obwohl ich vorher oft denke „Was für ein gewöhnlicher Monat.“ Durch das Dokumentieren schaffe ich Ordnung und Beständigkeit. Und ich habe mir eine Struktur zur Reflexion geschaffen – auch wenn die persönlichen Elemente nicht auf dem öffentlichen Blog landen.

    Macht schreiben Gefühle?

    Sicher, manchmal bin ich verblüfft, was mir beim Schreiben alles in den Sinn kommt. Manchmal bin ich dankbar, dass ich schreiben kann, die Zeit dafür habe, mich ausdrücken kann. Mal bin ich zufrieden mit dem fertigen Artikel, mal bin ich genervt, wenn ich mich verzettle.

    Doch viel wichtiger ist mir, dass ich in meinen Artikeln meine Gefühle auch ausdrücken kann, meinen Leserinnen meine Emotionen, meine Gedankenwelt, meine Persönlichkeit näher bringen kann. Damit zeige ich mich als Mensch. Und das schafft Verbindung.

  • Bedürfnisorientierte Erziehung Großeltern erklärt

    Bedürfnisorientierte Erziehung Großeltern erklärt

    Wir über 50-Jährige sind selbst aufgewachsen mit Sprüchen wie „Solange du die Füße unter meinen Tisch stellst, …“ oder „Der Teller wird leer gegessen.“ oder „Schreien stärkt die Lunge.“ Vielleicht haben wir unsere Kinder schon anders erzogen, gaben mehr Freiraum, Entscheidungsmöglichkeiten, legten Wert auf Selbständigkeit. Doch gab das den Kindern Halt und Orientierung?

    Auch die Elterngeneration von heute will vieles anders machen und hält Bindung und Bedürfnisorientierung für wichtig. Doch was bedeutet das genau? Es geht um so viel mehr als Tragetücher, Stillen nach Bedarf oder sofortige Wunscherfüllung. Es geht um Respekt und Feinfühligkeit, das miteinander Wachsen und starke Beziehungen.

    Als Großeltern einen Platz finden im neuen Familiengefüge und die junge Familie im Prozess begleiten – dafür habe ich einen Vortrag erarbeitet. Auszüge daraus stelle ich hier im Blog vor. Vielleicht magst du als Leserin oder Leser jemanden den Vortrag ans Herz legen oder für dich selbst erste Impulse zur Reflexion entdecken.

    Perspektivenwechsel

    „Es reicht jetzt. Die Tränen kommen. So viel war heute schon. So oft habe ich schon mit mir gekämpft und stillgehalten. Der Tag im Kindergarten. Die neue Erzieherin, die mich scheinbar gar nicht sieht. Der Streit mit meiner Freundin Lina. Ole, der mir einfach den Turm umgeworfen hat. Alle anderen Kinder haben Turnsachen dabeigehabt, nur ich nicht.

    Dann habe ich mich auf den Nachmittag bei Oma und Opa gefreut und dann hat es sowas Komisches zu essen gegeben. Ich habe trotzdem gegessen, weil ich weiß, dass Oma sich Mühe gegeben hat. Und dann sagt Opa auch noch „Na komm, stell dich nicht so an!“ als ich mir das Knie ganz doll angestoßen habe. Das ist zu viel. Ich merke wie sich alles löst und ich richtig laut schluchze. So weh tat es wirklich nicht, aber da ist noch mehr. Bitte, Opa, nimm mich einfach in den Arm.“, soweit Kim, 4 Jahre alt.

    Hast du den Alltag eines Kindes schon mal aus der Perspektive seiner Gedankenwelt betrachtet? Oft hilft es, sich bewusst zu machen, dass ein Tag in der Kita nicht immer nur vergnüglich ist. „Das Spiel ist die Arbeit des Kindes.“, sagte Friedrich Fröbel, der große Pädagoge. Das heißt: Es kann anstrengend sein, ermüdend, beinhaltet Konflikte, mal Erfolge und mal Misserfolge.

    Was ist bedürfnisorientierte Erziehung?

    Bedürfnisorientierte Erziehung versucht, die Bedürfnisse und Gefühle des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen. Anstatt Regeln und Autorität anzuwenden, geht es darum, eine tiefere zwischenmenschliche Verbindung herzustellen.

    Es geht darum, Signale und Bedürfnisse des Kindes zu erkennen, zu respektieren und auf sie einzugehen. Das heißt nicht, alle Wünsche zu erfüllen oder keine Grenzen zu haben. Stattdessen wollen wir in einer einfühlsamen und respektvollen Art und Weise miteinander sprechen und umgehen.

    Wie das geht? Ausführliche Antworten findest du im Buch von Daniel J. Siegel & Tina Payne Bryson „Achtsame Kommunikation mit Kindern“ über das ich vor kurzem eine Rezension geschrieben habe.

    Die Grundpfeiler bedürfnisorientierter Erziehung

    Grundpfeiler Nr. 1: Gefühle

    Kim aus meinem Beispiel kann noch nicht formulieren: „Also Opa, ich war heute schon wütend, traurig, hab mich geschämt und was eklig gefunden, also bitte versteh, wenn ich jetzt schluchze und einfach in den Arm genommen werden will.“

    Gefühle drücken sich im Körper aus und zeigen sich im Verhalten. Eine mögliche Reaktion von Kim könnte sein: „Blöder Opa, ich will jetzt meine Mama!“ Was zu diesem Satz alles geführt hat, bleibt wie bei einem Eisberg unter der Oberfläche verborgen.

    Die bedürfnisorientierte Erziehung vermittelt: Alle Gefühle sind in Ordnung. Wir Erwachsenen haben viel zu lange gelernt, unangenehme Gefühle vor anderen zu verbergen, sie abzuwerten oder Stärke zu zeigen. Was kam dabei heraus? Menschen, die ihre Sorgen in sich hineinfressen und (manchmal) darüber krank werden. Es gibt keine guten und schlechten Gefühle. Unangenehme Gefühle zeigen uns nicht erfüllte Bedürfnisse.

    Grundpfeiler Nr. 2: Bedürfnisse

    Wir kennen verschiedene Bedürfnisse:

    • vitale: Schlaf, Luft, Essen, Trinken, Schutz vor Witterung, Sicherheit
    • kognitive: Lernen, Abwechslung
    • emotionale: Bindung & Autonomie, Orientierung & Kontrolle, Lustgewinn & Unlustvermeidung, Selbstwert
    • soziale: Teilhabe, Zugehörigkeit

    Lies dir nochmal Kims Gedankenwelt durch. Welche Bedürfnisse kommen vermutlich in diesem Beispiel vor? Beachte: Jedes Kind, jeder Mensch ist individuell und hat eigene Bedürfnisse. Werden seine Bedürfnisse nicht erfüllt, stößt das Kind bzw. der Mensch an Grenzen. Das ist normal.

    In meinem Artikel 3 Tipps für bessere Kooperation bei Kindern geht es auch um befriedigte Grundbedürfnisse.

    Grundpfeiler Nr. 3: Grenzen

    Früher wurden Grenzen in der Erziehung ohne Begründung von Erwachsenen gesetzt: „Es ist so, weil ich es sage.“ – „Wenn du nicht tust, was ich sage, dann, …“ Vieles erschien willkürlich. Manchmal ist das noch immer so.

    Bindungstheorie, Neurowissenschaft, Emotionsforschung, Achtsamkeitsforschung vermitteln uns eine bedürfnis- und beziehungsorientierte Sicht: Kinder halten sich nicht an Regeln/Grenzen/Erwartungen, weil sie eigene Entwicklungsaufgaben haben und keine Übereinstimmung da ist mit den Zielen der Erwachsenen.

    Grenzen und Grenzverstöße kennt unsere Gesellschaft in unterschiedlichster Form: Grundstücksgrenzen, Geschwindigkeitsbegrenzung, Schamgrenze, Grenze der Belastbarkeit. Wie ist das bei dir? Hältst du die Grenzen immer ein? Ich denke da an das Finanzamt, den Straßenverkehr, das Handy beim Essen …

    Es ist doch ganz normal, Grenzen zu prüfen, außer Acht zu lassen, zu vergessen und immer wieder auch zu überschreiten, wenn ein Bedürfnis uns wichtiger erscheint. Wie oft bist du schon unabsichtlich zu schnell durch eine 30er-Zone gefahren, weil du gerade mit den Gedanken woanders warst? Steht das den Kindern nicht auch zu, Fehler zu machen? Dazu kommt bei Kindern: Sie können unsere Erwartungen nicht immer ahnen. Das ist alters- und erfahrungsabhängig.

    Großeltern mit zwei Kindern im Wald - bedürfnisorientierte Erziehung verstehen

    Konflikte entstehen, wenn unterschiedliche Ziele aufeinander stoßen

    Menschen haben ständig unterschiedliche Ziele. Das ist normal und kein Grund, Konflikten aus dem Weg zu gehen. Sie sind Gelegenheit, etwas zu lernen. Unsere Aufgabe als Erwachsene ist es, Kinder dabei zu begleiten.

    Die Lernaufgabe für Kinder ist es, zu erfahren, dass andere Menschen auch Grenzen und eigene Ziele haben. Diese sind individuell, abhängig von Temperament und Erfahrungen und außerdem von der Tagesform oder aktuellen Ereignissen. Kindern Grenzen setzen ohne Strafen ist eine Kunst. Lies in meinem Artikel dazu weiter.

    Kinder dürfen Eltern und Großeltern daher nicht als „Bedürfnis-Erfüllungsautomat“ erleben. Es geht nicht darum, Bedürfnisse immer oder immer sofort zu erfüllen. Es geht vielmehr darum, sich im sozialen Gefüge zu erleben und dem Kind auch die Bedürfnisse der anderen Menschen zu vermitteln.

    Ein wesentlicher Baustein, dass das gelingen kann, ist es, den eigenen Bedürfnistank gut zu füllen. Ein weiterer Baustein ist das Wissen über Gehirn- und Entwicklungsreife von Kindern. Darüber habe ich zuletzt geschrieben: 5 Dinge, die Eltern übers Nervensystem wissen sollten.

    Kinder wollen nicht tyrannisieren. Kinder brauchen liebevolle Führung, einfühlsame und verantwortungsvolle Erwachsene mit eigenen Grenzen, die diese klar, deutlich und liebevoll kommunizieren.

    Vorteile bedürfnisorientierter Erziehung

    • Fördert das Vertrauen
    • Gibt Sicherheit
    • Öffnet Gesprächsbereitschaft über Gefühle und Gedanken
    • Kinder lernen Konflikte im Gespräch zu lösen anstatt mit Gewalt (Bestrafung, Ausschluss, Abwertung, Vermeidung, Ironie …)
    • So entwickeln Kinder selbst Empathie, Selbstbewusstsein, Verantwortungsgefühl
    • Gut für die psychische Gesundheit

    Nachteile bedürfnisorientierter Erziehung findest du übrigens dann, wenn sie falsch verstanden wird. Dazu findest du hier einen aktuellen Artikel.

    Wie kann deine Rolle als Großeltern aussehen?

    Als Großeltern hast du möglicherweise ein wenig mehr Zeit, Geduld und weniger Stress als die Eltern. Vielleicht macht dir das leichter, Bedürfnisse der Kinder und der Eltern von außen wahrzunehmen.

    Ist es dir möglich, diese Bedürfnisse beider Seiten zu benennen und aufzugreifen? Hast du Kapazitäten, Bedürfnisse zu erfüllen und dadurch Kinder oder Eltern zu stärken?

    Es geht nicht um Wunscherfüllung. Das ist etwas anderes. Du brauchst weder das dritte Eis des Tages, noch das ersehnte Objekt aus dem Spielwarenladen kaufen. Frage dich, welches Bedürfnis dahinter stecken könnte. Geht es um ein Statussymbol und den Wunsch nach Anerkennung? Wie kannst du das Selbstwertgefühl des Kindes anderweitig stärken?

    Manchmal fragst du dich womöglich, warum die Eltern so oder so entscheiden, z.B. augenscheinlich dauernd „nachgeben“. Vielleicht gibt es einen guten Grund dafür. Geh in den Dialog und höre einfach zu. Verzichte auf Ratschläge. Die Eltern werden dich fragen, wenn sie es für hilfreich halten.

    Frage lieber, ob sie Unterstützung brauchen. Tausche dich mit den Eltern über eure Erwartungen aus.

    Verständnis füreinander entwickelt sich im Gespräch: Magst du darüber sprechen, wie du erzogen wurdest und wie du deine Kinder erzogen hast. Vielleicht gibt es etwas, das du heute anders machen würdest.

    Da du hier auf meinem Blog liest, befasst du dich wahrscheinlich mit klarer und wertschätzender Sprache. Du kannst mit deiner Sprache auch den Eltern ein Beispiel geben. Sprache steckt an. In meinem PDF Wertschätzen statt loben leicht gemacht findest du dazu zahlreiche Tipps.

  • Monatsrückblick Februar 2024

    Monatsrückblick Februar 2024

    Während beruflich der ganz normale Alltag lief, gab es doch auch besondere Ereignisse. Zum einen eine Fortbildung für mich in Fürth und zum anderen ein gesundheitliches Thema, das uns wohl noch eine Weile auf Trab halten wird.

    Gesundheit!

    Anfang Februar hat mich ein grippaler Infekt mit Husten erwischt. Meine Gesundheit hat sich diesmal schnell wieder stabilisiert und ich konnte endlich wieder joggen und Rad fahren. Das tut mir einfach gut.

    Ziemlich erschreckt hat uns ein „stiller“ Herzinfarkt meines Mannes. Der fand wohl schon vor ein paar Wochen statt. Aufgrund einer parallel verlaufenden Bronchitis hat er die Beschwerden nicht richtig zugeordnet. Glücklicherweise wurde er dann doch bei einem Check-Up entdeckt. Da alle Ärzte zügig handelten, bekam er umgehend einen Stent und bisher ist alles glattgelaufen. Dafür sind wir sehr dankbar. Jetzt steht erstmal eine Reha an.

    Update Kommunikationstraining

    Auch ausgebildete Sprach- und Kommunikationstrainerinnen wie ich brauchen ab und an neuen Input. Daher fuhr ich Mitte Februar nach Fürth zum LINGVA ETERNA Akademietag, um zu hören, was es Neues gibt. Wir besprachen die kleinen Weiterentwicklungen am Kommunikationsmodell und welche didaktischen und inhaltlichen Neuerungen für unsere Seminare oder Coachings relevant sind. 

    Ich genieße bei solchen Tagen ganz besonders den Austausch mit den Kolleg:innen und – wie ich es nenne – das „Sprachbad“: Viele Menschen, die sich bewusst sind, was sie wie sagen, achtsam formulieren und beobachten und reflektieren, was beim Anderen ankommt. Es tut einfach gut, friedlich miteinander zu sprechen, freundlich zu sein, andere zu respektieren und klare Botschaften zu äußern. 

    Und wir erleben immer wieder, dass das Personal im Hotel oder Tagungshaus das sofort spiegelt. Ob das die Rezeptionistin ist, die das „Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!“ aufgreift oder der Koch, der begeistert erklärt, dass er selbstverständlich und mit Freude Gästen mit Diätwünschen etwas extra zubereitet – schließlich sei das Essen ja dazu da, dass wir uns wohlfühlen. Sprache steckt an – und du bist immer Vorbild. Ob du dir darüber gerade bewusst bist oder nicht. 

    Antonia Raczkowski und Heike Brandl
    Mit meiner lieben Freundin und Kollegin Antonia in Fürth

    Neues aus der Heilpädagogik

    Bei meiner Arbeit in den Kitas geht es voran. Bei den neuen Kindern hat sich erstes Vertrauen eingestellt und ich erlebe, wie sie sich mit meiner Anwesenheit sicherer und wohler fühlen. Damit gelingt auch das Kooperieren mit anderen Kindern leichter.

    Im Dezember hatte sich eines der Kinder verweigert. Hier fanden wir neue Wege. Kleingruppenangebote außerhalb des Gruppenraums (mit Instrumenten, in der Holzwerkstatt oder im Bewegungsraum) gaben ihm neue Sicherheit und machen Freude.

    Bei einem Kind unter drei Jahren, das aufgrund einer Sprachentwicklungsverzögerung zur Frühförderung in meine Praxis kommt, entwickelt sich ganz sachte die Kontaktanbahnung, Blickkontakt und Interaktion. Jeder kleine Schritt macht Freude und schafft Zuversicht.

    Kind mit kleiner Bügelsäge sägt an Nadelbaum
    Der Weihnachtsbaum im Waldkindergarten wird bearbeitet …

    Was sonst noch los war im Februar 2024

    • Ein geplanter VHS-Kurs fiel leider mangels Anmeldungen aus. Ich denke darüber nach, wieder einmal einen Online-Kurs anzubieten.
    • Kundgebung „Main-Spessart ist bunt“ – für Demokratie und gegen Rechtsextremismus
    Heike Brandl mit Freundin auf Kundgebung Main-Spessart ist bunt
    Gegen Rechtsextremismus und für Demokratie eintreten

    Meine Blogartikel vom Februar 2024

    Ausblick März 2024

    • Weimar: Kulturwochenende mit Freunden
    • Krumbach und Schwäbisch Gmünd: Wochenende mit Familie und MTB-Rennen unseres Sohnes
    • Treffen mit der S-O-S Training Übungsgruppe in Präsenz (verschoben von Februar)
    • VHS Marktheidenfeld Vortrag: Bedürfnisorientierte Erziehung Großeltern erklärt
  • Buchtipp: „Achtsame Kommunikation mit Kindern“ von Daniel J. Siegel & Tina P. Bryson

    Buchtipp: „Achtsame Kommunikation mit Kindern“ von Daniel J. Siegel & Tina P. Bryson

    Als Sprach- und Kommunikationstrainerin habe ich immer Interesse an Büchern, bei denen es um achtsame Kommunikation geht – und aufgrund meiner Arbeit als Heilpädagogin speziell an der Kommunikation mit Kindern.

    Achtsame Kommunikation mit Kindern“ hat den Untertitel: 12 revolutionäre Strategien aus der Hirnforschung für die gesunde Entwicklung Ihres Kindes. Das macht schon deutlich, dass sich das Buch vorrangig an Eltern richtet. Doch empfiehlt der bekannte amerikanische Psychologe Daniel Goleman (Autor von „Emotionale Intelligenz“) auf dem Buchrücken:

    Jeder, der für Kinder sorgt oder der ein Kind liebt, sollte dieses Buch lesen.
    Daniel Goleman

    Worum geht es in dem Buch?

    Auf rund 250 Seiten beschreiben die Autoren verständlich und praxisorientiert die Prägung und Entwicklung kindlicher Gehirne. So können Eltern und andere Personen, die mit Kindern zu tun haben, leicht nachvollziehen, wie Wutausbrüche, Angst oder Streit entstehen.

    Doch bieten Siegel und Bryson eben auch Strategien, um altersentsprechend und gehirngerecht sinnvoll auf emotionale Zusammenbrüche der Kinder oder herausfordernde Verhaltensweisen zu reagieren.

    Daniel J. Siegel ist ein amerikanischer Psychiater für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Professor für Psychiatrie und Autor weiterer populärer Bücher zum Thema Achtsamkeit und Empathie.

    Tina Payne Bryson ist eine amerikanische Psychotherapeutin und arbeitet neben ihrer Tätigkeit als Dozentin und Autorin als Schulpsychologin und Direktorin einer multidisziplinären klinischen Praxis.

    Die Autoren vermitteln, was wir heute aus der Hirnforschung wissen und wie wir mit diesem Wissen kindliche Entwicklung unterstützen können. So geht es zum Beispiel darum, rechte und linke Gehirnhälfte ausgeglichen zu entwickeln, damit das Kind sowohl mit seinem logischen als auch mit seinem emotionalen Selbst verbunden ist.

    „Achtsame Kommunikation mit Kindern“ ist erstmals 2011 erschienen und hat nach wie vor hohe Bedeutung für alle in der Erziehung tätigen Menschen.

    Was mich an diesem Buch fasziniert hat

    Neben dem wirklich gut verständlich aufbereitetem Wissen über Gehirn, Entstehung von Emotionen, Selbst-Regulation und Co-Regulation weist das Buch eine überzeugende Struktur auf.

    Jedes Kapitel beginnt mit etwas Theorie, immer wieder mit passenden Zeichnungen illustriert. Ein praktischer Teil, im 3. Kapitel beispielsweise unter dem Titel „Was Sie tun können: Wie Sie dem oberen Gehirn Ihres Kindes helfen können, sich zu entwickeln und zu integrieren“ schließt sich an. Hier folgen dann die Strategien im Einzelnen. Auch diese sind mit kleinen Comic-Zeichnungen illustriert. Mit ihrer Hilfe können selbst Kinder ab etwa sechs Jahren (mit elterlicher Begleitung) die Funktionsweise ihres Gehirns beziehungsweise adäquate Verhaltensweisen nachvollziehen. Eine weitere Rubrik am Ende jedes Kapitels heißt „Uns selbst integrieren“ und dient der Reflexion.

    Wenn die Eltern aufmerksamer und emotional gesünder werden, profitieren ihre Kinder davon und bewegen sich ebenfalls in Richtung Gesundheit und Wohlbefinden. Das bedeutet, dass die Integration und Kultivierung Ihres eigenen Gehirns eines der liebevollsten und großzügigsten Geschenke ist, das Sie Ihren Kindern machen können.
    Siegel/Bryson S. 13

    Am Ende des Buches finden sich sogenannte Kühlschranknotizen: je eine Seite pro Kapitel als Zusammenfassung – das ist wirklich komprimiert auf das Wesentliche. Damit könnten auch Großeltern oder Babysitter informiert werden, ohne das ganze Buch zu lesen.

    Es schließt sich noch eine differenzierte Tabelle mit Altersstufen und Entwicklungsphasen an, um die 12 Strategien praxisorientiert umsetzen zu können.

    Was dieses Buch für meine heilpädagogische Arbeit bewirkt

    In diesem Buch, das ich übrigens 2021 erstmals gelesen habe (und in das ich seither immer wieder hineinschaue), habe ich das sogenannte „Handmodell“ des Gehirns entdeckt. Damit lassen sich die großen Gefühle anschaulich erklären und es zeigt, wie dabei das denkende Hirn abgeschaltet wird. Ich erkläre es in meinem Artikel 5 Dinge, die Eltern übers Nervensystem wissen sollten.

    Anhand dieses Modells konnte ich schon einigen Eltern und pädagogischen Fachkräften verständlich machen, warum ein Kind gerade nicht zugänglich für Fragen oder Erklärungen war. Dieses Buch hat auch dazu geführt, dass ich mich weiter mit dem Thema Nervensystem befasst habe und derzeit in einer Weiterbildung zur Stressregulation bin.

    Ganz praktisch nutze ich die Strategien natürlich auch, um Kinder durch ihre Wut, Angst oder im Streit zu begleiten. Sie finden sich außerdem in der bedürfnisorientierten Pädagogik wieder.

    Hören Sie sich zunächst liebevoll an, was Ihr Kind verärgert hat. Umarmen Sie es und zeigen Sie Ihrem Kind mit fürsorglicher nonverbaler Kommunikation, was Sie gehört haben … Wenn Sie sich verbunden haben, dann können Sie Ihrem Kind helfen, sich der Problemlösung zuzuwenden …
    Siegel/Bryson S. 215

    Daniel J. Siegel & Tina Payne Bryson
    Achtsame Kommunikation mit Kindern – 12 revolutionäre Strategien aus der Hirnforschung für die gesunde Entwicklung Ihres Kindes
    Arbor, 6. Auflage 2017
    256 Seiten, Paperback, 19,90 €

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