Wie ich wurde, was ich bin – Mein Weg zur Kompetenzentwicklerin

Heike Brandl

Ich begleite heute als Heilpädagogin Kinder, Eltern und ihre Erzieher:innen unter schwierigen Bedingungen, fördere ihre Kompetenzen und gestalte mit ihnen Entwicklungsprozesse. Als Trainerin entwickele ich mit meinen Coachees und Seminarteilnehmer:innen Kompetenzen in Sprache und Kommunikation – so habe ich gerade den Begriff „Kompetenzentwicklerin“ erschaffen. Wie ich zu diesem Berufsbild kam, beschreibe ich dir hier.

Ich bin in den 70ern als Dorfkind völlig ohne Kindergarten aufgewachsen. Auch bei uns wurde das afrikanische Sprichwort praktisch gelebt: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Trotzdem hatte ich die Vorstellung, dass Kindergärtnerin – so hieß das damals – der richtige Beruf für mich wäre.

  1. Babysitterin etwa ab 1977: Als es in der Nachbarschaft Nachwuchs gab, begann ich als 10-Jährige, mich für kleine Kinder und ihre Bedürfnisse zu interessieren. Die viel beschäftigte Bäuerin vertraute mir nacheinander alle drei Kinder an. Offenbar war ich zuverlässig und geduldig.
  2. Jugendgruppenleiterin: Ob in der Kirchengemeinde, im Sportverein oder im Jugendzentrum – sobald ich durfte, also so ab 14 Jahren, brachte ich meine Talente auch in diesen verschiedenen Umfeldern ein. Dabei sammelte ich erste Erfahrungen mit unterschiedlich motivierten Kindern, herausfordernden Situationen, Streitereien und „Lehren“.
  3. Ausbildung zur Erzieherin 1983 bis 1986: Logische Konsequenz war dann nach der Realschule die Ausbildung zur Erzieherin. Etliche Praktika in verschiedenen Kindergärten und eines in einer Einrichtung der Lebenshilfe führten mich dann jedoch in die Behindertenhilfe. Das fand ich damals viel interessanter – abgesehen davon hatte ich einen Vorwand, um zu Hause auszuziehen.
  4. Erzieherin im Wohnheim 1986 bis 1989 (bei geistig behinderten Kindern und Jugendlichen): Hier fühlte ich mich wohl und hatte Freude an der Arbeit. Ich durfte an einem Projekt für besonders herausfordernde Jugendliche teilnehmen – unter Leitung eines beeindruckenden Heilpädagogen. Ich wollte mehr über Heilpädagogik lernen – brauchte jedoch erstmal die Fachhochschulreife.
  5. Studium der Heilpädagogik 1990 bis 1993: In Freiburg an der Fachhochschule saugte ich alles Wissen förmlich auf und wie schon in Schulzeiten, fielen mir die schriftlichen Arbeiten recht leicht. So durfte ich mit den Inhalten meiner Diplomarbeit (Deprivation bei Kindern) an einer wissenschaftlichen Studie teilnehmen.
  6. Heilpädagogischer Fachdienst für Kitas 1993 bis 1994: Im Praxissemester fand ich wieder zurück zu den Kindern im Vorschulalter und erlernte Elternberatung und Beratung von Erzieherinnen. Diese Zeit war für mich sehr prägend und durch einen großartigen Heilpädagogen als Praxisanleiter besonders wertvoll.
  7. Stellvertretende Wohnbereichsleitung Lebenshilfe Stuttgart 1994 bis 1997: Ich bekam eine große Aufgabe mit viel Verantwortung. Die Organisation, Führung und Beratung von Teams und einzelnen Mitarbeiter:innen gab mir viel Selbstvertrauen. Ich lernte dabei zu strukturieren, Besprechungen zu führen und Konflikte zu klären.
  8. In der Familienphase 1997 bis 2002 fokussierte ich mich am neuen Wohnort in Lohr erstmal auf meine beiden Kinder. Dabei konnte ich alle gelernten Theorien dem Praxistest unterziehen. Omas und Opas waren weit weg und wir holten uns 2001 ein Au-pair ins Haus. So konnte ich wieder beruflich einsteigen. Auch Au-pairs brauchen Anleitung – das war noch ein Übungsfeld für mich.
2000 mit meinem Sohn
  1. Angestellt bei der Lebenshilfe Marktheidenfeld 2003 bis 2004: Zunächst war ich als Vertretung in einer Förderschule, dann in der Frühförderstelle. Dort lernte ich regionale Vernetzungen und Zuständigkeiten kennen, organisierte mein berufliches Leben und Weiterkommen. Bis der Vertrag wegen eines Verwaltungsfehlers nicht verlängert wurde …
  2. Seit 2004 als „Ich-AG“ in die Freiberuflichkeit: Unternehmer:innen oder Freiberufler:innen gab es in meiner Familie nicht – da fehlt mir definitiv die Prägung. Doch mit Neugier, etwas Abenteuergeist und Selbstvertrauen in meine Talente wagte ich den Schritt zur freiberuflich tätigen Heilpädagogin. Und ich bin bis heute froh darum.
Einzelintegration in der Kita
  1. Erwachsenenbildung: In den Schuljahren 2008 bis 2010 unterrichtete ich an einer Fachakademie in der Ausbildung für Erzieher:innen. Seitdem diese Schule in unserem Landkreis geschlossen hat, gebe ich mein heilpädagogisches Wissen an Erzieher:innen bei Fortbildungen weiter.
  2. Teenager und Kommunikation 2013 bis 2016: Vielleicht waren es die spannenden Jahre zu Hause, die meinen Blick zu einem neuen Schwerpunkt hin weiteten. Jedenfalls entdeckte ich in dieser Zeit das LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationskonzept und machte eine Ausbildung als Sprach- und Kommunikationstrainerin. (1. Abschnitt bis 2016, 2. Abschnitt bis 2020). Seither biete ich dazu Coaching, Seminare und Vorträge in unterschiedlichen Umfeldern an.
2014 mit meiner Tochter in Norwegen
2017 bei einem Vortrag an einer Schule
2019 beim Fachtag Kita-Schule in Veitshöchheim
  1. Bloggen seit 2017: Seit ich Blog-Artikel schreibe, ist es meine Absicht, den Nutzen von klarer und wertschätzender Sprache noch mehr Menschen bekannt zu machen. Seit 2021 blogge ich nun im Online-Kurs „The Content Society“ von Judith Peters intensiver. Dadurch habe ich jede Menge über das Schreiben, über Technik und Social Media, über mich selbst, meine Ziele und Werte gelernt.
Screenshot Co-Blogging
Screenshot aus dem Co-Blogging 2021
  1. Heute bin ich nach wie vor passionierte Heilpädagogin und Expertin für Kinder, Eltern und ihre Erzieher:innen unter erschwerten Bedingungen. Und ich bin ebenso begeistert Sprach- und Kommunikationstrainerin. In beiden Bereichen begleite ich Menschen dabei, mit klarer und wertschätzender Sprache ihre Kompetenzen zu entwickeln – ob groß oder klein.

Und in welchem Bereich darf ich dich begleiten?

4 Kommentare

  1. Ich habe dich schon so oft in TheContentSociety gesehen/gelesen und jetzt weiß ich endlich was Du machst, liebe Heike. Du bist ja ganz gradlinig von einer Station zur nächsten gehüpft, ohne große Umwege. Chapeau! Ich habe Deinen Beitrag sehr gerne gelesen.

    Liebe Grüße, Marita

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