Working Mom – Wie hab ich das damals bloß geschafft?

Heike Brandl mit Kindern im Schnee

„Working Mom – Woher nimmst du deine Kraft?“ so heißt die Frage der Blogparade von Dr. Stefanie Köttl-Brodmann, Wirtschaftswissenschaftlerin und Schreibcoach aus Österreich.

Erst dachte ich, na ja, Working Mom, das ist bei mir mit inzwischen 55 Jahren doch schon eine Weile her. Doch dann kam mir: Gerade aus der Distanz klärt sich der Blick auf das, was tatsächlich hilfreich war.

Ohne Au-pair hätte es kaum funktioniert

Die Ausgangssituation

Unser Sohn ist 1997 geboren, unsere Tochter 1999 – mit eindreiviertel Jahren Abstand war ich ganz schön gefordert. Beide Großeltern-Paare waren circa 200 km entfernt und konnten keine regelmäßige Unterstützung sein. Mein Mann war zwischen 1998 und 2020 immer wieder, unregelmäßig und oft kurzfristig auf Dienstreisen, manche davon mit Übernachtung, manchmal auch eine Woche im Ausland.

Kita-Öffnungszeiten waren bei uns damals von 7.45 Uhr bis 12.30 Uhr oder mit Ganztags-Anmeldung bis 16 Uhr – dann aber ohne Möglichkeit für zwischendurch abzuholen. Ach so, und einen Platz gab es übrigens erst ab drei Jahren zum folgenden September bei abgeschlossener Sauberkeitserziehung. Das waren noch Zeiten …

Der Wunsch – Wiedereinstieg ins Berufsleben

Als unsere Tochter etwa zweieinhalb Jahre alt war, wurde ich langsam kribbelig. Auf dem winzigen Dorf, in dem wir lebten, hatte ich wohl eine Krabbelgruppe ins Leben gerufen. In der nahe gelegenen Kleinstadt besuchte ich eine weitere Krabbelgruppe. Ich hatte andere Mamas, mit denen ich mich privat traf – doch mir fehlte der Austausch mit Menschen außerhalb dieser Mama-Themen. Und mir fehlte eine berufliche Herausforderung.

Die Idee – Au-pair ins Haus holen

Ländliche Gegend hieß damals schon: relativ günstiger und reichlich Wohnraum. Ein zusätzliches Zimmer war also vorhanden. Wir überlegten nur kurze Zeit: Wollten wir dauerhaft eine „fremde“ Person in unseren Haushalt, in unser Leben lassen und ihr die Kinder anvertrauen? Na ja: Fremd würde sie ja nicht lange bleiben. Die Kinder vertrauten wir auch Babysittern oder Erzieherinnen an.

Wir klärten Formalitäten, checkten Au-pair-Agenturen, stellten uns vor. Damals kamen die jungen Frauen häufig aus früheren russischen Republiken. Unsere erste Au-pair kam aus Kasachstan. Sie sprach fließend Deutsch, war meist fröhlich, immer hungrig und eine zuverlässige und kreative Spielpartnerin für unsere Kinder.

Die Praxis – funktionierte

Wir erprobten das ganze sogar einige Monate, bis ich mich sicher fühlte und Bewerbungen schrieb. Fun Fact: eine Woche später konnte ich als Vertretung an einer Förderschule anfangen.

Ina, so hieß unser Au-pair, brachte die Kinder zum Kita-Bus, holte sie mittags dort wieder ab und ermöglichte mir so überhaupt eine regelmäßige Arbeitszeit. Meist bereitete sie mittags ein kleines Essen zu und wenn ich Unterricht vorbereitete, ging sie noch mit den Kindern in den Garten oder auf den Spielplatz.

Nach Ina kamen noch vier weitere junge Frauen. Eine schickten wir nach wenigen Wochen wieder nach Hause. Da hatte einfach nichts aus den Bewerbungsunterlagen gestimmt. Mit den anderen lief es meist gut bis sehr gut. Die Kinder lernten Offenheit für andere Kulturen, Sprache (unsere Tochter lernte mit 5 Jahren ein wenig polnisch) und Ideen. Wir waren dankbar für diese Möglichkeit der familiären Unterstützung.

Nach eineinhalb Jahren Anstellung wagte ich so auch den Weg in die Selbständigkeit.

Meine Kraftquellen als Working Mom

Babysitter

Schon bevor wir ein Au-pair hatten und auch später (im Grundschulalter wollten wir die Kinder abends noch nicht allein lassen), gönnten wir uns ein- bis zweimal im Monat abends eine Babysitterin. So konnten wir als Paar gemeinsam einige Stunden zu zweit oder mit Freunden verbringen – und das genossen wir wirklich. Zusätzlich war die Babysitterin einmal in der Woche ein paar Stunden am Nachmittag da, um mir einen Friseur- oder Arztbesuch, eine Joggingrunde oder einen ruhigen Einkauf zu ermöglichen. Ich bin froh, dass uns das finanziell möglich war.

Sport

Ich hatte schon immer ein hohes Bewegungsbedürfnis. Sobald die Kinder sitzen konnten, packte sie mein Mann in den Kinderanhänger fürs Fahrrad. Dann fuhren wir gemeinsam eine kleine Tour, mit Pausen an Spielplätzen und Eisdielen. Oder er fuhr allein mit ihnen los und ich ging derweil joggen oder genoss einfach die Ruhe.

Bevor die Kinder in die Kita kamen und bevor wir ein Au-pair hatten, besuchte ich auch eine Weile ein Fitnessstudio. Dort gab es damals noch Kinderbetreuung und meine Kinder liebten es, dort herumzutoben.

Als dann unser Au-pair da war, wechselte ich vom Fitnessstudio zum Sportverein. Gymnastikkurse waren dort natürlich wesentlich günstiger und der Effekt – Spaß, Ausgleich, Bewegung, andere Menschen treffen – war der gleiche.

Natur

Kurz hatte ich damals überlegt, die Kinder in den Waldkindergarten zu schicken. Doch der war im Nachbardorf und das Au-pair hätte sie ohne Auto nicht hinbringen und abholen können. Der Regelkindergarten, den sie dann besuchten, brachte den Vorteil, dass die Kinder nachmittags immer rauswollten. Stundenlang gingen wir spazieren, spielten im Sommer am Main oder an Bächen, trafen uns mit anderen an Spielplätzen oder am Wildpark.

Die Natur empfinde ich als großartigen Co-Erzieher: Wahrnehmung, Bewegung, Selbstwirksamkeit, das alles ist immer im Angebot, ohne dass ich mir viel ausdenken brauche. Die Kinder hatten immer kreative Ideen und schon das allein ist eine große Hilfe. Der weite Raum, die Farben und die Akustik sind andere als im Haus und das unterstützt zusätzlich. Müde, gut gelüftet und zufrieden wieder nach Hause zu kommen, war uns allen eine Freude.

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