Ich stehe vor der Tür. Verschwitzt und in Laufklamotten. Und ohne Schlüssel. Keiner ist zu Hause. Scheibenkleister, denke ich, nicht schon wieder.
Dieser Artikel entstand in der Blognacht bei Anna Koschinski, ein Schreibimpuls, der mich in die Tiefen der Kommunikation mit mir selbst führte. Es geht um meinen sprachlichen Umgang mit Missgeschicken.
Das Missgeschick passiert einfach
Normalerweise stecke ich mir meinen „Sportschlüssel“ ein, ein Clip mit Haus- und Garagenschlüssel (wegen des Fahrrads). Nur war ich beim Loslaufen irgendwo in Gedanken, und so blieb der Clip am Band in der Garderobe. Und erst vor drei Wochen klingelte ich bei unserer lieben Nachbarin, die unseren Ersatzschlüssel hütet.
Zum Glück ist sie auch diesmal zu Hause und ermahnt mich ernsthaft, ich solle doch noch einen Schlüssel im Garten oder irgendwo deponieren. Sie sei ja auch nicht immer da und überhaupt, bald vier Wochen unterwegs. „Ja“, nicke ich ernsthaft und nehme es mir ganz fest vor.
Wie gehst du mit Missgeschicken um?
Kennst du diese Situationen auch? Wo du elementare Dinge vergisst, Termine verpeilst, Zusagen verschusselst oder wichtige Notizen einfach nicht mehr finden kannst? Wie sprichst du dann in Gedanken oder auch mit anderen über dich selbst?
- „Immer passieren mir solche Dinge.“
- „Ich bringe einfach nie was auf die Reihe.“
- „Ich bin so ein Schussel / Depp / Schaf.“
- „Ist doch klar, dass das mal wieder mir passieren muss.“
Hörst du dir manchmal selbst zu? Und was bemerkst du dann?
Was die Sprache bewirkt
Vielleicht bemerkst du es auch eher, wenn du deiner Kollegin oder Freundin zuhörst:
Hörst du Sätze mit immer oder nie, weißt du schon: „Ach, das ist ja Quatsch. Ich weiß genau, dass ihr das nicht immer passiert und dass sie vieles sehr gut auf die Reihe bringt.“
Was kommt bei dir an, wenn jemand sich als Schussel, Depp oder Schaf bezeichnet? Wie wirkt sie mit diesem Satz? Was zeigt das über ihr Selbstbild?
Mit dem mal wieder mir zeigt sich eine Erwartungshaltung. Als ob deine Freundin oder Kollegin ganz klar davon ausgeht, dass ihr ständig solche Missgeschicke passieren.
Und jetzt hör bitte nochmal dir selbst zu! Magst du diese Sätze jetzt noch über dich denken oder hören? Ich empfehle dir, solche merkwürdigen Redewendungen sein zu lassen. Doch wie geht das?
Alles auf Anfang
Zunächst mal: Warum passieren Missgeschicke? Oft passieren sie, weil du dich am Multitasking versuchst, nicht bei der Sache bist oder mit dem denkenden Teil deines Gehirns schon das nächste Projekt planst. Da können vermeintliche Routineaufgaben schon mal schiefgehen.
Vorbeugen wäre da eine geeignete Maßnahme. Also bei mir zum Beispiel vor dem Verlassen des Hauses nochmal innehalten und mir sagen „Nimm den Schlüssel mit!“. Die nächste Stufe wäre dann ein Zettel an der Haustür. Und natürlich das streng geheime Depot im Garten …
Wie ich über mich selbst spreche
Dennoch passieren uns Missgeschicke. Und auch ich sage dann „Oh nein, nicht schon wieder.“ Und dann kommentiere ich einfach die Situation: „Ich war mit meinen Gedanken woanders. Jetzt ist mir die Teekanne übergelaufen. Halb so wild, das kann ich aufwischen.“ Das ist meistens ein innerer Dialog, kann aber auch für Anwesende sein.
Entscheidend ist das Wohlwollen mit mir selbst. Ich spreche so mit mir, wie ich auch mit meiner besten Freundin oder meinem Partner sprechen würde. Und zu denen würde ich ja auch nichts so Abwertendes sagen, wie „Was bist du doch für ein Trampel.“
Gerade die Sätze mit „Ich bin …“ sind so einprägsam. Und deshalb sind sie so bedeutsam für unser Selbstbild. Sei also achtsam damit und benutze sie im Zusammenhang mit deinen positiven Eigenschaften und Fähigkeiten. Trau dich zu sagen:
- „Ich bin eine gute Sängerin.“
- „Ich bin mutig und sehe zuversichtlich in die Welt.“
Sprich so freundlich über dich, wie du auch über deine beste Freundin sprechen würdest. Das ist echte Selbstfürsorge. Und Selbstfürsorge mit der eigenen Sprache, das dient auch der Stressregulation.
In einem anderen Artikel schreibe ich auch über diesen „inneren Dialog“ zum Thema Ich muss gar nichts. Führst du auch diesen Dialog manchmal mit dir? Dann schau mal rein.





Kommentare
2 Antworten zu „„Oh nein, nicht schon wieder …““
Liebe Heike,
wie schön, was du aus dem kleinen Impuls gemacht hast – ein Aufruf zur Achtsamkeit sich selbst (und damit auch anderen) gegenüber. Denn es stimmt: So hart wie zu uns selbst sprechen wir selten mit anderen. Schon traurig. Zu dem Schlüssel kann ich sagen: Das passiert mir so gut wie nie, denn ich frage mich (fast) immer, wenn ich zur Tür rausgehe: „Handy, Portemonnaie, Schlüssel?“ – und dann gibt’s den Check. Beim Laufen darf ich die Frage dann einkürzen 🙂
Letztlich kann ich sagen: Auch wenn ich manchmal richtig blöde Sachen mache: Ich bin die beste Anna, die ich sein kann.
Schön, dass du bei der Blognacht dabei warst und liebe Grüße
Anna
Liebe Anna,
ich danke dir für den Impuls und ich werde bestimmt wieder mitmachen bei einer der nächsten Blognächte.
Zum Schlüsselthema: mir passiert es auch selten, dass ich ihn vergesse. Doch eben dann, wenn zu viel los ist im Leben und das Hirn mit den vielen Dingen überfordert ist. Aber mit Stressregulation kenne ich mich ja aus 😉
Liebe Grüße
Heike